Fußball

Fußball Hamburgs Trainer Titz präsentiert sich gelassen – doch der Absturz rückt näher

HSV hilft nur noch Wunder

Archivartikel

Frankfurt/Hamburg.Christian Titz schaute kurz zur Seite, unterbrach seine Spielanalyse aber nicht. Bei der Pressekonferenz nach dem 0:3 des Hamburger SV bei der Frankfurter Eintracht lief ein Fernseher mit einer kurzen, unüberhörbaren Zeitversetzung mit. Manch ein Pressevertreter verdrehte schon genervt die Augen – doch Titz, der aus Mannheim stammende Coach des taumelnden Dinos, legte eine Coolness an den Tag, die man beim krisengeschüttelten Bundesliga-Gründungsmitglied lange vermisst hatte.

Die innere Ruhe, die der 47-jährige Kurpfälzer nicht nur in dieser Situation ausstrahlte, kann dem HSV im Angesicht des nahenden Absturzes in die Zweitklassigkeit nur gut tun. Die Tatsache, dass der HSV die sportliche Rettung jetzt nicht mehr selbst in der Hand hat, überspielte der frühere U-21-Trainer der Hanseaten denn auch mit einer gesunden Portion Zweckoptimismus. „Alle glauben noch daran. Wir wissen, dass im Fußball alles möglich ist. Ich traue meiner Mannschaft zu, dass wir das Spiel gewinnen. Und dann schauen wir, was in den anderen Stadien passiert“, erklärte Titz und betonte: „Wir wissen, dass es im Hinblick auf die Gesamtsituation nicht gut für uns ausgegangen ist. Die Mannschaft wird sich aber nicht hängen lassen.“ Tatsächlich muss schon ein mittelgroßes Fußballwunder geschehen, um den ersten Bundesliga-Abstieg des polarisierenden Traditionsvereins zu verhindern. Am Samstag muss Hamburg unbedingt einen Heimsieg gegen die Mönchengladbacher Borussia landen, die noch auf den Einzug in die Europa League hofft. Dem Drittletzten VfL Wolfsburg, der eine um zehn Treffer bessere Torbilanz aufweist, reicht schon ein Remis im Heimspiel gegen den bereits als Absteiger feststehenden 1. FC Köln.

Mehr als Platz 16 ist für den HSV in dieser Saison nicht mehr drin. Völlig ausgeschlossen ist dieses Szenario allerdings nicht. Die seit vier Begegnungen sieglosen „Wölfe“ zeigten beim 1:4 in Leipzig die nächste blutleere Vorstellung. Das direkte Duell gegen den HSV hatten die Niedersachsen vor einer Woche mit 1:3 verloren.

Ärger um Itos Abseitstor

Für den HSV gilt es, an die Leistungen gegen Schalke (3:2), Freiburg (1:0) und Wolfsburg anzuknüpfen – und womöglich auch zu rekapitulieren, wie oft die Hamburger Stadionuhr in dieser Saison schon für abgeschafft erklärt wurde. Die Bilanz unter Titz (drei Siege, ein Remis, drei Niederlagen), der Mitte März nach dem 0:6 gegen Meister Bayern den glücklosen Bernd Hollerbach als Trainer beerbt hatte, liest sich jedenfalls nicht wie die eines Absteigers. Zumal die Hanseaten auch in Frankfurt Chancen hatten, die Angelegenheit zu ihren Gunsten zu drehen. „Das 1:0 hätte uns sehr gut in die Karten gespielt“, meinte Titz – und spielte auf den stark herausgespielten Treffer von Tatsuya Ito in der 25. Minute an, den Schiedsrichter Deniz Aytekin auf Zuruf von Videoassistent Günter Perl aberkannte.

Beim Stand von 0:1 traf Douglas dos Santos den Pfosten (67.). Erst in der Schlussphase fing sich der HSV zwei klassische Konter (77./90.+1). „Jetzt heißt es, das Spiel aus den Köpfen zu kriegen. Wir müssen nächste Woche gewinnen“, stellte Routinier Aaron Hunt klar. Der lange verletzte Nicolai Müller schickte Grüße ins Rheinland: „Köln wird gegen Wolfsburg alles geben und kämpfen. Die wollen sich sicherlich mit einem Sieg aus der Bundesliga verabschieden.“ Und der Mannheimer Titz, der unabhängig vom Saisonausgang HSV-Chefcoach bleiben dürfte, legte ruhig, aber entschlossen nach: „Wir geben uns nicht auf!“

Zum Thema