Fußball

Fußball Axel Kahn bewirbt sich um den Chefposten beim KSC

Im Schatten des jüngeren Bruders

Karlsruhe.Seinen ersten Tag als möglicher neuer Präsident des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC hat sich Axel Kahn schon genau ausgemalt. „Die erste Situation wird sein, dass ich auf meiner weißen Vespa mit dem KSC-Logo zum Wildpark fahre und sie auf dem Präsidentenparkplatz abstelle“, sagt der Bruder von Torwart-Legende Oliver Kahn: „Und dann werde ich das Schild abschrauben.“ Das Statussymbol, der explizite Hinweis auf den Parkplatz des Clubchefs, soll weg. Kahn legt Wert auf Augenhöhe. „Ich möchte ein Präsident sein, der nahbar und zum Anfassen ist“, sagt er.

Kahn hatte sich als erster von insgesamt fünf Kandidaten auf die Nachfolge des Mitte Mai zurückgetretenen Ex-KSC-Präsidenten Ingo Wellenreuther beworben. Bei der Wahl am 30. Juli tritt der 54 Jahre alte Buchautor und Inhaber einer Werbeagentur gegen den amtierenden Vize-Präsidenten Holger Siegmund-Schultze, Ex-Sportdirektor Rolf Dohmen, Kai Gruber und Dorotheé Springmann an.

Als Spieler bestritt er für den KSC unter dessen früherem Erfolgstrainer Winfried Schäfer in der Saison 1986/1987 fünf Zweitliga-Partien. Danach ging’s beim VfB Gaggenau in der Oberliga weiter – und für den jüngeren Bruder mit dem FC Bayern und dem Nationalteam noch Jahre später steil bergauf. Axel habe damals nicht den gleichen Ehrgeiz wie Oliver gehabt, erinnert sich Schäfer: „Ich habe ihn 30 Jahre nicht mehr gesehen. Aber wichtig für den KSC ist, dass Leute zum KSC kommen, die nicht den KSC brauchen. Es müssen Leute kommen, die der KSC braucht, um sich wieder zu erholen.“

Vor 24 Jahren insolvent

Sollte er gewählt werden, wartet auf Kahn keine leichte Aufgabe. Im Juni vermied der von der Corona-Krise zusätzlich gebeutelte KSC nur durch einen sechs Millionen Euro schweren Aktienkauf einer Unternehmergruppierung eine Planinsolvenz. Die finanzielle Lage des Clubs ist extrem angespannt. Kahn hat nach eigenen Angaben aber bereits mehrere Konzepte in der Tasche. „Ich möchte eine Marke „KSC“ bauen, auf die die Fans und die Leute, die sich KSCler nennen, wirklich wieder stolz sein können. Vor allem will ich eine Konstante haben, im wirtschaftlichen wie im sportlichen Bereich“, sagt er.

Nach Bekanntwerden seiner Kandidatur hatten einige Kritiker ironisch angemerkt, im Falle seiner Wahl habe der KSC dann ja einen Präsidenten, der sich mit Insolvenzen auskenne. Kahn ficht das allerdings nicht an. „Die Insolvenz mit meinem Unternehmen hatte ich mit Ende zwanzig. Das ist jetzt 24 Jahre her“, sagt er. Sicher habe er damals auch Fehler begangen. „Aber ich habe mir meine Reputation und mein Leben selbst wieder zurückerarbeitet“, sagt Kahn, der seine Geschichte in einem Buch niedergeschrieben und sich dort entsprechend offenbart hat. Er habe gelernt, dass einen am Ende nur Authentizität weiter bringe. „Ich bin jetzt so, wie ich bin“, sagt er. Es seien nun die anderen, die damit klarkommen müssten. dpa

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