Fußball

Fußball Hansi Flick steht beim FC Bayern als Interimscoach vor einer großen Herausforderung – denn eigentlich ist er der perfekte zweite Mann

Im ungeliebten Rampenlicht

Archivartikel

München.Als Hansi Flick zum letzten Mal als Cheftrainer arbeitete, hieß sein prominentester Spieler Martin Lanig. 14 Jahre ist das her, sein Arbeitgeber hieß damals in der Fußball-Regionalliga TSG Hoffenheim. Seitdem war Flick, der in seinem Heimatort Bammental auch nach der Schließung seines Sportgeschäfts verwurzelt ist, stets der perfekte zweite Mann – und mit dieser Rolle auch sehr glücklich.

„Die Position als Assistent passt zu mir“, betonte Flick während der USA-Reise der Münchner im Sommer und gewährte damit einen interessanten Einblick in seine Denkweise. Den 54-Jährigen drängt es einfach nicht ins Rampenlicht. Er braucht keine Kameras, er ist kein Lautsprecher.

Viel lieber arbeitet der langjährige Assistent von Bundestrainer Joachim Löw im Hintergrund als „unsichtbarer“ Strukturgeber, Taktiktüftler oder loyaler Vermittler. Diese menschliche Seite zählt zu seinen großen Stärken. Flick steht für Verständnis, für Harmonie – und diese Charaktereigenschaften harmonieren im knallharten Profigeschäft nicht gut mit der Funktion als Cheftrainer. Der vor allem im Nachwuchsbereich gut vernetzte Flick genießt in der Branche einen ausgezeichneten Ruf – auch, weil er gelernt hat, seine Stärken und Schwächen genau einzuschätzen.

Vertrauensmann der Bayern-Bosse

Deshalb nahm er im Sommer das Angebot des FC Bayern nur zu gerne an, im Trainerstab von Niko Kovac die Rolle des erfahrenen Ratgebers zu übernehmen. Sein glückloses Kurz-Engagement als Geschäftsführer bei der TSG Hoffenheim von Juli 2017 bis Ende Februar 2018 war damit endgültig abgehakt.

Die Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge schätzen Flick, der in den 1980er Jahren fünf Spielzeiten für die Münchner aktiv war und Lothar Matthäus im Mittelfeld den Rücken frei hielt. Noch heute sind Flick und Matthäus gute Freunde. Nach seiner Verpflichtung bezeichnete Hoeneß den Weltmeister-Co-Trainer als „wichtigen Neuzugang“ und „große Hilfe für Niko Kovac“. Jetzt steht der Kurpfälzer unverhofft im ungeliebten Rampenlicht, sein Assistent wird Hermann Gerland. In der Champions League gegen Olympiakos Piräus am Mittwoch und in der Bundesliga am Samstag gegen Borussia Dortmund wird Flick die Chefrolle beim Rekordmeister übernehmen, dann kommt die Länderspielpause. Als Dauerlösung ist er kaum vorstellbar. Ernsthafte Ambitionen auf die Chef-Position dürfte der 54-Jährige ohnehin nicht hegen. Seine Tätigkeit als DFB-Sportdirektor beendete er im Januar 2017, weil er mehr Zeit für die Familie haben wollte.

Kummerkasten der Stars

Im Trainerstab von Kovac führte Flick, der vor allem bei den Weltmeistern Manuel Neuer, Thomas Müller und Jerome Boateng großes Vertrauen genießt, zahllose Gespräche mit den Stars, fungierte auch als Kummerkasten. Noch gut in Erinnerung ist das Bild, wie er Javi Martinez nach der Niederlage gegen die TSG Hoffenheim am 5. Oktober tröstet, nachdem der Spanier nicht eingewechselt worden war. Nach dem Duell mit seinem Ex-Club aus dem Kraichgau blieb der Bammentaler unsichtbar. Er tauchte nicht in der Mixed Zone auf, gab keine Kommentare ab. Der „treue Hansi“ steht eben nicht gerne im Mittelpunkt.

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