Fußball

Fußball Wolfsburgerinnen feiern Pokal-Erfolg über Freiburg / Nationaltorhüterin Almuth Schult prangert Ungleichbehandlung an

In Jubel mischt sich Kritik

Archivartikel

Wolfsburg.Als fast alles gesagt war, meldete sich plötzlich eine weibliche Stimme aus dem Hintergrund. „Herr Lerch, wie ist denn der weitere Abend geplant?“, lautete die Frage an den Wolfsburger Fußballtrainer Stephan Lerch. Der 34 Jahre alte Ex-Profi blieb erstaunlich cool, als er nach dem 1:0 (0:0) seines VfL im DFB-Pokalfinale der Frauen gegen den SC Freiburg am Ende der Pressekonferenz seine überraschend aufgetauchte Torhüterin Almuth Schult als „Journalistin“ erkannte. Die Nationalkeeperin hielt lässig eine (halb leere) Bierflasche in der Hand und wartete gespannt. „Die Frage habe ich schon beantwortet“, meinte Lerch, und sagte dann schmunzelnd in die Runde: „Wir wollen auf jeden Fall die Meisterschaft klarmachen. Meine Spielerinnen sind Profis. Sie wissen, dass Sonntag ein wichtiges Spiel ist.“

Nichts war es also mit einem Freibrief für die Pokalheldinnen für eine Dauerparty oder eine durchgezechte Nacht in Köln. Standesgemäß gefeiert werden soll erst nach dem mutmaßlichen nächsten Titelgewinn. Sollte das Team um Schult und die schwedische Anführerin Nilla Fischer, die zuvor jubelnd die von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte Silbertrophäe in den Himmel gereckt hatte, am Sonntag das Auswärtsspiel bei 1899 Hoffenheim gewinnen, wäre das „Double“ schon eine Woche vor dem Bundesliga-Finale perfekt.

Natürlich sollten die Spielerinnen „den Moment genießen und feiern“, ergänzte Lerch. „Es sollte nicht ausufern!“. Schließlich hatten die niedersächsischen Titeljägerinnen „am Tag der Arbeit“ richtig malochen müssen, ehe der mutige und lange ebenbürtige Außenseiter in die Knie gezwungen war. Lange lag die Sensation in der Luft. „Für uns war der erste Finaleinzug schon ein Erfolg“, befand SC-Trainer Jens Scheuer. „Wie wir uns präsentiert haben, war Werbung für den Frauenfußball. Ich bin glücklich, mit dieser Mannschaft zusammenzuarbeiten.“

Empfang für den Außenseiter

Zur nächsten Saison allerdings wechselt Scheuer – wie schon viele SC-Spielerinnen in den vergangenen Jahren – zum Ligarivalen Bayern München. Zuvor stehen aber noch Feierlichkeiten an. Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn, der das Spiel auf der Tribüne verfolgte, lud die Mannschaft zu einem Empfang am heutigen Freitag ein.

Die glückselige Stimmung dämpfte allerdings Nationalkeeperin Schult ein wenig, in dem sie ihre kürzlich geäußerte Kritik an den Verbänden DFB, Fifa und Uefa erneuerte. Im Kern beklagt die 28-Jährige den teilweise noch immer vorhandenen Mangel an Wertschätzung für den Frauenfußball, die fehlende Gleichberechtigung und den im Vergleich zu anderen europäischen Nationen wie England, Spanien oder Italien hierzulande gegenläufigen Trend bei den Zuschauerzahlen.

17 000 Fans beim Pokalfinale seien eine „tolle Kulisse“, betonte Schult. Gleichwohl werde der Frauenfußball oft nicht „so ernst genommen“. Als Beispiel nannte sie eine mehr als ärgerliche Terminierung, die Fifa und Uefa zu verantworten haben: So musste das WM-Auftaktmatch der deutschen Frauen in Rennes am 8. Juni gegen China auf 15 Uhr vorverlegt werden. Grund: Am selben Tag steigt das EM-Qualifikationsspiel der DFB-Männer in Weißrussland (20.45 Uhr). „Es ist traurig, dass es so ist.“