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Fußball Der Wachenheimer Philipp Klement hat sich in der 2. Bundesliga nach oben gespielt / Am Dienstag im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den Hamburger SV

In Paderborn zum Spielgestalter gereift

Archivartikel

Paderborn.In den Managerbüros der 18 Fußball-Bundesligisten wird um diese Jahreszeit gerne lange und gestenreich telefoniert. Wer hat wessen Mobilfunknummer und welcher Spieler könnte in der kommenden Saison geeignet sein, um aus einer schmalen Investitionssumme eine fette Geldanlage zu machen?

Im Fußballgeschäft sind in diesen Tagen solche Kaderplaner klar im Vorteil, die wissen, wie man zu Philipp Klement vordringt. Der 26-Jährige, der so lange gebraucht hat, um vom hochveranlagten Spieler zur Führungskraft zu werden, könnte bald eine gute Partie sein. Ins helle Licht der Zweitliga-Scheinwerfer hat sich der Mann, der sich zum Jahreswechsel 2017/18 dem SC Paderborn anschloss, in dieser Runde gespielt. Er kam von der Ersatzbank des FSV Mainz 05 in eine funktionierende Mannschaft, stieg in die 2. Bundesliga auf, erarbeitete sich die Position des zentralen Spielgestalters und darf sich heuer noch berechtigte Hoffnungen machen, um den Aufstieg ins Oberhaus mitzuspielen.

Klement, in besseren Zeiten des 1. FC Kaiserslautern mit dessen A-Junioren noch Deutscher Vizemeister des Jahres 2011, macht gerade vieles intuitiv richtig. Dennoch kommt es nicht zufällig, dass er in fast allen Statistiken, die es im Offensivfußball so gibt, Spitzenpositionen einnimmt. 13 Tore hat der Mittelfeldspieler erzielt, fünf Treffer vorbereitet. Hinter Kölns Stürmer Jhon Cordoba bekommt er mit 2,70 die zweitbeste Note des Fachmagazins „kicker“ aller Feldspieler in Liga zwei. Seine Paderborner, das zeigen die Ergebnisse, wenn er nicht spielt, sind auf seine Ideen angewiesen.

Großes Ziel Bundesliga

Seit sieben Jahren kämpft der gebürtige Ludwigshafener, der in Wachenheim aufwuchs und in Bad Dürkheim Abitur machte, für das Ziel, Bundesligaspieler zu sein. Dieter Hecking wollte ihn unbedingt haben, als dieser noch Trainer in Nürnberg war. Von dort ging Klement nach Rostock, dann zurück nach Nürnberg, anschließend zur U 23 von Mainz 05, wo er in der Saison 2015/16 einen Profivertrag schloss.

In der Bundesliga kam er aber nur zu zwei Kurzeinsätzen gegen Schalke und Dortmund. Und obwohl der Mainzer Trainer Sandro Schwarz einer seiner Fürsprecher war, traute er sich nicht, Klement mal länger ins kalte Wasser zu werfen. Der nur 1,74 Meter große Spieler mit dem niedrigen Körperschwerpunkt machte sich erneut Gedanken über seine Zukunft – er ging, sah und siegte.

„Kreativspieler brauchen Selbstbewusstsein und das Vertrauen des Trainers“, sagt er fast etwas trotzig vor wenigen Tagen während der Länderspielpause auf einer längeren Autofahrt zwischen Hamburg und Paderborn im Gespräch mit dieser Zeitung. Er hatte sich eine kleine Auszeit mit seiner Lebensgefährtin gegönnt – ein Besuch im Musical „König der Löwen“. Dass er mit einer Fahrt nach Hamburg auch die Gerüchteküche anheizen würde, mag Klement gar nicht so bewusst gewesen sein. Immerhin soll es gerade der HSV sein, der Interesse am Mittelfeldspieler bekundet.

„Eine offizielle Anfrage gibt es bei mir nicht“, sagt der 26-Jährige, den es nicht dringend wegzieht aus Paderborn. Dass er gegen einen Vertrag bei einem Bundesligaverein nichts hätte, daraus macht er aber keinen Hehl. Und so will es der Zufall, dass der HSV am Dienstag zum DFB-Pokal-Halbfinale nach Paderborn reist. Sollte Klement erneut treffen, werden weitere Manager seine Mobilnummer haben wollen.