Fußball

Fußball Der von Real Madrid bis zum Saisonende ausgeliehene WM-Torschützenkönig von 2014 will beim FC Bayern mehr als nur Edeljoker sein

James spielt um seine Zukunft

Archivartikel

München.Zwölf Minuten gegen Hoffenheim, 16 gegen Stuttgart – auf diese Rolle als Edeljoker hat James Rodríguez keine Lust. Mit dem Start in die erste Englische Woche des Jahres hofft der stolze Kolumbianer endlich auf den ersten Startelf-Einsatz in der Rückrunde. „Es werden alle wieder zu ihren Einsätzen kommen. Für James ist das genauso wie für jeden anderen“, sagte Trainer Niko Kovac vor dem Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr) bei Bayer Leverkusen. Im DFB-Pokal geht es am Mittwoch im Achtelfinale bei Hertha BSC weiter, am kommenden Samstag folgt in der Bundesliga das Heimspiel gegen Schalke 04.

Der von Real Madrid bis zum Saisonende ausgeliehene WM-Torschützenkönig von 2014 spielt um seine Zukunft. Der deutsche Fußball-Rekordmeister hat noch nicht darüber entschieden, ob er beim 2017 verpflichteten Mittelfeldkünstler die 42 Millionen Euro teure Kaufoption zieht.

Ungeliebte Bankminuten

„Natürlich“ habe James schon signalisiert, dass er bleiben wolle, versicherte Kovac in diesem Jahr bereits. Doch mit jeder Bankminute sinkt die Laune des 27-Jährigen weiter. Schon die nur 471 Einsatzminuten in der Hinrunde, in der er auch verletzt pausieren musste, schmeckten James überhaupt nicht.

„Ich glaube, wir wünschen uns alle, James regelmäßig auf dem Platz zu sehen. Aber das muss der Trainer entscheiden. Ich muss offen und ehrlich sagen: Ich mag den Spieler sehr“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Ich oute mich als großer Fan von ihm. Wir wissen alle im Verein, was er für Qualitäten hat. Entscheidend wird sein, dass es für ihn und für uns die beste Entscheidung ist.“

Druck haben die Münchner für diese Entscheidung nicht. Man werde sich die Rückrunde anschauen und dann „die richtigen Schlüsse ziehen“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. „Er ist einer, der wirklich Weltklasse sein kann, wenn er in Form ist.“ Beeinflussen dürften das Bayern-Kalkül nicht nur James’ Leistung und Planung, sondern auch die weiteren Münchner Aktivitäten auf dem Transfermarkt. Kandidaten wie der umworbene Callum Hudson-Odoi (FC Chelsea) oder Timo Werner (RB Leipzig), der sich selbst ins Gespräch brachte, würden das Angebot in Mittelfeld und Offensive weiter vergrößern.

Die Einsatzchancen für James für das Samstagsspiel in Leverkusen könnten durch Thiagos Blessur gestiegen sein. Der Spanier fehlte am Donnerstag wegen muskulärer Probleme im Training, ein Risiko will Kovac beim Mittelfeldakteur ebenso wie bei Franck Ribéry und Arjen Robben nach deren Verletzungen nicht eingehen. „James spielt Pässe, die sonst vielleicht keiner in der Mannschaft spielt und hat eine super Flanke“, schwärmte Teamkollege Thomas Müller im Trainingslager. Eine Kostprobe gab es beim 3:1 in Hoffenheim, als Joker James mit einem No-Look-Pass den Treffer zum Endstand einleitete.

In der Vorwoche war James vor dem 4:1 gegen Stuttgart Kandidat für die Startelf. Damals machten Gerüchte über ein angebliches Zuspätkommen die Runde, was Kovac ein Schmunzeln entlockt. „Erstens kann ich das überhaupt nicht bestätigen. Ich bin keiner, der irgendwo an den Türen steht und guckt, wann einer kommt“, sagte der Trainer. Außerdem habe das eine nichts mit dem anderen zu tun, sagte Kovac: „Ich bewerte das, was ich auf dem Trainingsplatz sehe. Das sind einzig und allein die Kriterien, die für mich zählen. Natürlich zählt Disziplin dazu, aber ich glaube nicht, dass wir hier ein Thema aufmachen müssen.“