Fußball

Fußball Vereine plädieren mehrheitlich für Saisonabbruch

Jedes Szenario hat negative Folgen

Archivartikel

Mannheim.Nach den Verbands- und Landesligisten waren nun auch die Vereine im Mannheimer Fußballkreis zu einer Videokonferenz mit dem Kreis- und Verbandsvorstand eingeladen. Ob, wann und wie es mit dieser Saison weitergeht – diese Fragen konnte auch der Kreisvorsitzende Harald Schäfer erwartungsgemäß nicht beantworten. Dennoch versuchte der 60-Jährige, den Vereinen einen aktuellen Stand zu vermitteln und diese anzuhören. 30 der derzeit insgesamt 60 Clubs hatten sich in der Konferenz zu Wort gemeldet.

„Die Vereine haben sich mehrheitlich für einen Abbruch ausgesprochen“, sagt Schäfer. „Ich habe festgestellt, dass sich die meisten schon zu sehr mit der neuen Saison beschäftigen. Sie bedenken aber nicht, welche Konsequenzen mit einem Abbruch verbunden sind.“

Zu den Befürwortern eines Abbruchs zählte auch Tobias Hertel, Vorsitzender des A-Ligisten FC Viktoria Neckarhausen. „Wir plädieren dafür, die Runde abzubrechen mit Aufsteigern, aber ohne Absteigern“, erklärt der Chef des Tabellenletzten. „Der Amateurfußball sollte erst wieder starten, wenn es ein Medikament oder einen Impfstoff gibt. Da das wohl erst im März nächsten Jahres so weit sein könnte, macht es keinen Sinn, die unterbrochene Runde fertig zu spielen.“

Rechtliche Fragen in Klärung

Kreisvorsitzender Schäfer verdeutlicht die Schwierigkeiten, die sich aus jedem Szenario ergibt. Da die Satzung des Badischen Fußball-Verbandes (bfv) auch durch den Einfluss des Coronavirus generell nicht außer Kraft gesetzt ist, gelte es vonseiten des Verbandes, die möglichen Entscheidungen auf ihre rechtlichen Grundlagen und Möglichkeiten zu prüfen. Hierfür sei bereits ein Anwaltsbüro beauftragt worden. Schäfer hierzu: „Ein Gutachten, das der Westfälische Verband schon in Auftrag gegeben hat, ergab, dass eine Annullierung rechtlich schwierig ist. Da keiner benachteiligt werden darf, muss es Aufsteiger geben.“

Problematische Größe der Ligen

Daraus ergibt sich die nächste problematische Folge. Würde man die Tabellenführer aufsteigen, aber keinen absteigen lassen, wäre die Ligenstärke teilweise kaum zu bewältigen. Die Kreisliga könnte somit auf 20 Mannschaften anwachsen, die Verbandsliga bis auf 24. „Wenn wir am 1. September wirklich starten könnten, wäre eine 24er-Liga kaum durchführbar, selbst wenn wir den Winter durchspielen“, sagt Schäfer.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Aspekt des vorzeitigen Abbruchs wäre die Ungewissheit über den Startpunkt einer neuen Saison. „Würden wir jetzt abbrechen und könnten mit der nächsten Saison erst im November oder gar erst im nächsten Frühjahr starten, hätten wir zwei Runden zerschossen“, so Schäfer. Es sind noch viele Fragen offen, der 60-Jährige befürchtet, dass der Amateurfußball erst zu den letzten Öffnungen des gesellschaftlichen Lebens zählen wird. Daher hält er den Vorstoß des Bayerischen Fußball-Verbandes, der die Fortsetzung der unterbrochenen Saison als erster Landesverband für den 1. September angekündigt hat, für verfrüht.

Vor Anfang August dürfte in Baden kein Ball rollen. Dem DFB-Bundestag am 25. Mai müsste erst noch ein Verbandstag folgen, denn eines ist klar: „Eine Entscheidung über das Vorgehen trifft nicht das Präsidium des Verbandes, sondern der Verbandstag“, betonte der in der Videokonferenz zugeschaltete bfv-Vorsitzende Ronny Zimmermann.

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