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Fußball Über Waldhof Mannheim und den SV Sandhausen kehrt Philipp Förster zum Zweitligisten VfB Stuttgart zurück

Karriere auf Umwegen

Archivartikel

Mannheim.Für einen Besuch bei einem seiner besten Freunde ist Philipp Förster etwas länger unterwegs. Denn er muss nach München fahren, um sich mit einem gewissen Joshua Kimmich zu treffen. Mit dem Star des FC Bayern spielte der Mittelfeldmann einst gemeinsam in der Jugend des VfB Stuttgart – also genau bei jenem Zweitligisten, zu dem er am Montag vom SV Sandhausen aus wieder zurückkehrte. „Zu Joshua habe ich einen sehr guten Draht. Er ist für mich ein Stück weit auch ein Vorbild“, verriet Förster zuletzt im Interview mit „transfermarkt.de“.

Keine Frage: Kimmich ist ein Senkrechtstarter im deutschen Fußball. Als er im Sommer 2016 erstmals in die Nationalmannschaft berufen wird und zur Europameisterschaft nach Frankreich reist, steht Förster kurz vor der Saisonvorbereitung mit dem SV Waldhof Mannheim – und zwar in der Regionalliga. Das Profigeschäft ist weit weg, weshalb die Geschichte der Karriere von Förster auch die Geschichte eines Umwegs ist. Er erlebt in seinem letzten Stuttgarter Jugendjahr, wie andere an ihm vorbeiziehen. Er erlebt danach aber auch, wie er trotz Rückschlägen vermeintlich Talentiertere wieder hinter sich lässt, weil er wissbegierig dazulernt.

Häufig unterschätzt

In der Kurzform liest sich das so: Beim VfB-Nachwuchs aussortiert, im Trikot des SV Waldhof durchgestartet, beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg von Verletzungen geplagt und in die Regionalliga-Mannschaft versetzt – anschließend in Sandhausen zu einem gestandenen Zweitligaspieler gereift, weil sich dort im Sommer 2017 ein Mann an ihn erinnert, der schon in Mannheim als Trainer auf ihn bedingungslos setzte: Es ist Kenan Kocak, der erst ein Jahr zuvor vom SV Waldhof zum SV Sandhausen gekommen war. Försters Verpflichtung setzt er trotz einiger Bedenken bei den Club-Verantwortlichen durch, die leichten Zweifel am Transfer verfliegen indes bei allen Skeptikern sehr, sehr schnell.

Denn der zunächst wieder einmal Unterschätzte schwingt sich recht zügig zu einem Unersetzlichen auf. 65 von 73 möglichen Zweitligapartien bestreitet der Mittelfeldmann für die Hardtwälder, zweimal fehlt er gesperrt und einmal wegen einer Grippe. Wenn es also so etwas wie einen Stammspieler gibt, dann ist das Förster zu seiner Zeit beim SVS, zumal er nicht nur wegen seiner zehn Tore oder der acht Vorlagen im Vordergrund steht. Ihn zeichnen vor allem auch die Dinge aus, die nicht sofort in irgendwelchen Statistiken auffallen oder Fernsehausschnitten zu sehen sind: Übersicht, Technik, Zweikampfstärke, Variabilität, gutes Passspiel und Dynamik. Kurzum: Er ist ein kompletter Fußballer, auf den sich nun die Stuttgarter mächtig freuen.

„Mit Philipp bekommen wir einen sehr hungrigen, physisch robusten und spielstarken Mittelfeldmann“, schwärmt VfB-Sportdirektor Sven Mislintat über jenen Mann, der den Sandhäusern ganz nebenbei eine Rekordablöse einbringt. Erst vor wenigen Wochen verlängerte Förster seinen Vertrag beim SVS, allerdings mit einer Ausstiegsklausel in Höhe von drei Millionen Euro versehen. „Mit dem Transfer von Philipp dringen wir in eine neue wirtschaftliche Dimension vor“, verrät Sandhausens Präsident Jürgen Machmeier, der zwar den sportlichen Verlust betont, aber auch darauf verweist, dass der Club durch die Millioneneinnahme zukünftig noch seriöser planen könne. In gewisser Weise muss der SVS also dem vor knapp einem Jahr entlassenen Kocak dankbar sein.

Förderer Kenan Kocak

Förster ist es seinem Ex-Coach auf jeden Fall, das betont der 24-Jährige immer wieder, indem er seinen ehemaligen Trainer lobt oder ihn gar als Förderer und Fürsprecher bezeichnet. Er weiß: Kocak war ungemein wichtig für seine bisherige Karriere, der Neu-Stuttgarter hat allerdings in Sandhausen ebenso den Beweis erbracht, unabhängig vom Trainer eine zentrale Rolle einnehmen zu können. Eine Erfahrung, die auch für ihn wichtig war, wie der Mittelfeldmann sagt: „Uwe Koschinat (Nachfolger von Kocak in Sandhausen: Anmerkung der Redaktion) hat von Tag eins an genauso auf mich gebaut wie Kenan. Dazu habe ich mit meiner Leistung beigetragen. Darauf kann ich auch ein bisschen stolz sein, dass ich nicht nur bei einem, sondern auch bei anderen Trainern funktionieren kann.“

Von nun an muss sich der Ex-Waldhöfer in Stuttgart bewähren. Das Ziel der Schwaben ist klar – und es deckt sich mit dem von Förster: „Jeder, der mal angefangen hat Fußball zu spielen, hat den Traum von der 1. Bundesliga.“ In diesem Fall würde er dann übrigens seinen Kumpel Kimmich auch mal beruflich treffen.