Fußball

Fußball Borussia Dortmund gibt bei der verdienten 0:2-Niederlage im Revierderby bei Schalke 04 ein erschütterndes Bild ab

Keine Leidenschaft, kein Esprit

Gelsenkirchen.Hans-Joachim Watzke sah schon vor dem Abpfiff reichlich mitgenommen aus. Wer sich im Ruhrgebiet für Fußball interessiert – und das tut in dieser Region fast jeder – den lässt das Revierderby nun mal nicht kalt. Ein solch vogelwildes Fußballspiel wie beim Hinspiel werde es mit Sicherheit nicht geben, gab Dortmunds Geschäftsführer beim Bezahlsender „Sky“ mit ernster Miene zu Protokoll: „Acht Tore halte ich für ziemlich unwahrscheinlich.“

Das hatte der Macher des BVB sehr pointiert erkannt, in der 175. Auflage des Klassikers reichten zwei Treffer, um für klare Verhältnisse zu sorgen. Die Verteilung der Tore wird Watzkes Laune nicht aufgehellt haben, die Borussia verlor das Derby mehr als verdient mit 0:2 (0:0). Die 90 Minuten machten die gravierenden Probleme der Dortmunder mehr als deutlich: Keine Leidenschaft, kaum Elan, kein Esprit – so spielt eine Mannschaft, die nicht an sich und ihre Stärke glaubt. „Wir haben in den ersten 60 Minuten überhaupt keinen guten Fußball gespielt“, sagte Nationalspieler Marco Reus: „Wir haben sie spielen lassen und die Räume nicht eng gemacht.“ Schalkes Sportvorstand Christian Heidel sprach von einem „verdienten Sieg“ und analysierte treffend: „Wir waren die bessere Mannschaft mit dem besseren Plan.“

Tatsächlich waren die Schalker der logische Sieger, weil die Gastgeber über 90 Minuten eine viel größere Bereitschaft an den Tag legte, Zweikämpfe und Laufduelle zu bestreiten und zu gewinnen, während sich die Dortmunder bis auf wenig Phasen in ihr Schicksal ergaben.

„Ich denke, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen“, hatte Schalkes Keeper Ralf Fährmann gesagt, als er danach gefragt wurde, wie die Chancen im wichtigsten Derby des Landes verteilt seien: „Die Dortmunder haben sehr viel Qualität. Wir kommen etwas mehr über das Emotionale, das Leidenschaftliche.“ Was genau Fährmann damit meinte, wurde im Hinspiel deutlich, als die Schalker im Hinspiel aus einem 0:4-Rückstand zur Pause noch ein 4:4 gemacht hatten. Ein Erlebnis, das die Begegnung im kollektiven Gedächtnis der Knappen zu einem der süßesten Erlebnisse der 114-jährigen Vereinsgeschichte macht. Beim zweiten Aufeinandertreffen dieser Saison gab es kein Remis, sondern einen Sieg für Königsblau, der die Stadt Gelsenkirchen in den Ausnahmezustand versetzt.

Nach nervöser Anfangsphase nahm das Team von Trainer Domenico Tedesco die Initiative und drängte ihren passiven Widersacher immer weiter an die Wand. Alessandro Schöpf hätte Schalke schon nach fünf Minuten in Führung bringen können, doch seinen Schuss von der Strafraumkante entschärfte BVB-Keeper Roman Bürki grandios. Aus dem Spiel heraus lief beim BVB nichts. Bis zur Halbzeitpause blieb es torlos, das mit Abstand Beste an der schwachen Dortmunder Vorstellung war das Ergebnis.

Das Versäumte holten die Schalker nach dem Seitenwechsel nach: Dortmunds Kapitän Marcel Schmelzer vertändelte an der Strafraumkante den Ball, den Querpass verwertete der starke Yevhen Konoplyanka zur überfälligen Führung. Erst danach wachten die Gäste zumindest ein wenig auf und bemühten sich, in der Offensive Nadelstiche zu setzen. Reus und Pulisic vergaben zwei Möglichkeiten, doch dann kann der große Auftritt von Naldo: Der Brasilianer donnerte einen Freistoß mit 126 Stundenkilometern in die Maschen, die Schalker Arena wurde in ihren Grundfesten erschüttert. Während die Knappen mit diesem Sieg Platz zwei festigten und dank eines überschaubaren Restprogramms fest mit der Champions-League-Qualifikation planen können, werden sie beim ewigen Rivalen aus Dortmund weiter über die Unzulänglichkeiten ihrer Mannschaft diskutieren.

Seinen vielen Kritikern, die ihm vorwerfen, seit Beginn seiner Tätigkeit in Dortmund im vergangenen Dezember einen wenig ansehnlichen Fußball aufzuführen, kann Trainer Peter Stöger zwar seine Bilanz von lediglich zwei Niederlage in 15 Spielen entgegenhalten, doch bei weiteren Auftritten wie dem auf Schalke dürfte die erneute Teilnahme an der Königsklasse in weite Ferne rücken. Die dürftige Leistung brachte Reus mit markigen Worten auf den Punkt: „Wir haben es verkackt.“