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Fußball Bundesligist Hertha BSC stürzt nach dem völlig überraschenden Trainer-Rücktritt ins Chaos / Niko Kovac keine Option

Klinsmann weg – wie weiter?

Berlin.Im schwarzen Sakko schwärmte Jürgen Klinsmann noch am Montagabend in einem Szenelokal über seine Ziele mit Hertha BSC – nur 14 Stunden später stürzte er die Berliner ins ganz große Chaos. Mit seinem Rücktritt als Chefcoach nach nur elf Wochen via Facebook schockierte der frühere Bundestrainer den Fußball-Bundesligisten und steht aufgrund des völlig überraschenden Entschlusses in der Kritik.

„Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente“, erklärte der einstige Bundestrainer am Dienstag um 10.10 Uhr schriftlich in dem sozialen Netzwerk. „Sind die nicht garantiert, kann ich mein Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen und kann meiner Verantwortung somit auch nicht gerecht werden.“ Nun wolle er sich auf seine Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zurückziehen.

„Es gab keinerlei Anzeichen“

Für Hertha heißt es nun: Big City Chaos statt der selbsterklärten Vision vom Big City Club. Klinsmanns Rücktritts-Erklärung weist auf tiefe Gräben im Kampf um Kompetenzen und Macht mit der Vereinsführung um Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Michael Preetz hin. „Nach meinem Verständnis sollte ein Trainer – nach dem englischen Modell – die gesamte sportliche Verantwortung tragen. Also auch über Transfers. Das gibt der Position wesentlich mehr Power“, sagte der 55-Jährige der „Bild“-Zeitung. „Wir haben in den vergangenen Tagen deutliche Reaktionen und Anzeichen bekommen, dass sich die angesprochene Situation nicht verbessert, sondern eher noch verschlechtert.“ Bei Hertha ist Preetz für Transfers zuständig.

Klinsmann unterrichtete die geschockten Spieler wie auch den Manager erst kurz vor dem Training am Dienstagvormittag über seinen Rücktritt. „Insbesondere nach der vertrauensvollen Zusammenarbeit hinsichtlich der Personalentscheidungen in der für Hertha BSC intensiven Wintertransferperiode gab es dafür keinerlei Anzeichen“, sagte Preetz.

Klinsmann bekam nach seinem Amtsantritt am 27. November viele Wünsche erfüllt: Der Trainingsstart im Winter wurde vorverlegt, das Vorbereitungscamp in den USA verkürzt. Mit dem Geld von Windhorst ging es auf große Rekord-Einkaufstour, für 80 Millionen Euro wurden vier neue Spieler unter Vertrag genommen. Immer wieder wurde allerdings offenbar, dass es zwei Denkrichtungen im Club gab. Zwar schloss sich Preetz den visionären Hoffnungen einer baldigen Zukunft in Europapokal und später Champions League an, betonte aber, dass es auch seine Aufgabe sei, mal „auf der Bremse“ zu stehen.

Sein früherer Mitspieler Lothar Matthäus sieht das Trainer-Image von Klinsmann nun als beschädigt an. „Wenn man nach zehn Wochen hinschmeißt, ist der Name Klinsmann bei manchen Vereinen sicher eine Schublade tiefer gerutscht“, sagte der Rekord-Nationalspieler bei „Sky“. Dass es keine gemeinsame Erklärung mit dem Verein gegeben habe, sei „ein Indiz dafür, dass jemand eher auf sich selbst achtet und nicht auf die Gepflogenheiten, die in einem Bundesligaverein vonnöten sind“, kritisierte der frühere Manager Heribert Bruchhagen.

Wie Klinsmann nach seinem Rückzug vom Spielfeldrand nun seine Funktion als Aufpasser von Preetz & Co. im Dienste von Geldgeber Windhorst ausüben wird, bleibt ebenso spannend wie die Frage, wer sein Nachfolger wird. Zumindest in der Partie bei Schlusslicht Paderborn wird sein Assistent Alexander Nouri verantwortlich sein. Niko Kovac steht offenbar nicht zur Verfügung.

Ende November hatte Klinsmann vom gescheiterten Ante Covic übernommen. Aktuell steckt Hertha weiter im Abstiegskampf, besitzt aber zumindest sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Im DFB-Pokal-Achtelfinale scheiterten die Berliner bei Schalke 04 und verloren auch in der Liga nach schwacher Leistung mit 1:3 gegen Mainz 05.

Seine sportliche Bilanz sieht der 55-Jährige dennoch positiv. „Ich habe ein Himmelfahrtskommando übernommen und habe nur in einem Spiel schlechter abgeschnitten als gehofft“, sagte Klinsmann. „Dem Trainerteam ist es gelungen, die Mannschaft zu stabilisieren und von der Abstiegszone wegzubringen. Ich bin sicher, die Jungs schaffen den Klassenerhalt. Und zwar souverän.“ 

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