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Fußball Mit dem FC Liverpool will der Trainer den FC Bayern wieder mal „dahoam“ ärgern / Konter als effektives Mittel

Klopps besonderer Moment

Liverpool.An seine letzte Dienstreise mit Borussia Dortmund nach München erinnert sich Jürgen Klopp nur zu gerne. Nach dem Sieg im Elfmeterschießen beim legendären Pokal-Halbfinale 2015 war der Coach beim Jubellauf nicht mehr zu halten gewesen. Wieder einmal hatte er die Bayern „dahoam“ geärgert, ähnlich wie bei seinem Meisterstück 2011, als gar die Brille zu Bruch ging. Am Mittwoch will Klopp ein weiteres Kapitel seiner besonderen Momente in München hinzufügen, wenn er mit dem FC Liverpool zum Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League zu Gast ist. „Überragend“ müssten seine Reds spielen, betonte Klopp: „Wenn wir da ein normales Spiel machen, dann haben wir keine Chance und sollten rausfliegen.“

Das 0:0 im Hinspiel wertet Klopp eher als Chance: „Wir haben (in der vergangenen Saison) 3:0 gegen City geführt und 5:2 gegen Rom“, erinnerte er an das Viertel- und Halbfinale der Königsklasse im vergangenen Jahr, „und das ist immer eine versteckte Gefahr. Man denkt sich: „Okay, wir sind durch.“ Aber das ist man ja noch gar nicht.“ Gegen Bayern sei die Ausgangslage vergleichsweise einfach: Liverpool müsse gewinnen oder unentschieden spielen.

Großen Vorsprung verspielt

Gar so einfach ist es aber nicht. Dass der FC Bayern in den vergangenen Wochen immer besser in Schwung kam und die Bundesliga-Tabellenspitze übernommen hat, ist Klopp nicht verborgen geblieben – aber es ist dem 51-Jährigen sogar ganz recht. „Es ist gerade ein sehr viel positiverer Moment für Bayern – (sie sind) an der Spitze der Tabelle, sie gewinnen Spiele wieder locker und all das“, erklärte Klopp. „Das gefällt mir. Nicht weil ich denke, dass es leichter wird, sondern weil dir schon bei der Analyse klar wird, wie stark sie sind.“ Genau umgekehrt läuft es 2019 für Liverpool. Einen Sieben-Punkte-Vorsprung auf Titelverteidiger Manchester City verspielte der 18-malige Meister und liegt nun einen Zähler hinter der Elf von Pep Guardiola. Dabei ist die erste Meisterschaft seit 1990 die viel größere Sehnsucht einer ganzen Stadt, dafür würde Superstar Mohamed Salah sogar auf die Festtage in Europa verzichten. „Ich will ganz ehrlich sein“, sagte er, „der prestigeträchtigste Wettbewerb ist für mich die Champions League. Aber der Traum der ganzen Stadt und des Vereins ist die (englische) Liga, deshalb bin ich gern bereit, meinen Traum für ihren Traum zu opfern.“ Dass Liverpool die Königsklasse abschenkt, ist aber nicht zu erwarten. Nach dem Aus in FA Cup und Ligapokal haben die Reds noch das Double aus Meisterschaft und Champions League vor Augen.

Alle Möglichkeiten offen

Auf europäischer Bühne lässt das torlose Remis vor drei Wochen für das Rückspiel alle Möglichkeiten offen. Er sei „so optimistisch wie möglich“, das Viertelfinale zu erreichen, sagte Klopp. Auch Club-Legende Ian Rush sieht alle Chancen. „Die Bayern haben in Liverpool gut gespielt, zu Hause aber werden sie versuchen, ein Tor zu machen, was uns in die Karten spielen wird“, sagte Rush und setzt auf die überfallartigen Gegenangriffe des Traumsturms Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino.

Gelingt das, könnte Klopp am Ende wieder jubeln wie bei der Meisterschaft 2011 oder dem Double 2012, als Dortmund den FC Bayern im Cupfinale mit 5:2 demütigte.

Klopp vs. Bayern – zu diesen legendären Spielen wäre es vielleicht gar nicht gekommen, hätten sich die Münchner 2008 nicht für einen anderen Jürgen K. entschieden – Jürgen Klinsmann wurde damals Bayern-Trainer. „Ich hatte mit ihm schon vor vielen Jahren einmal eine Zusammenarbeit vereinbart, bis wir dann Jürgen Klinsmann verpflichtet haben“, erzählte Hoeneß jüngst noch einmal die für viele inzwischen vergessene Episode aus der Vergangenheit, als die Münchner an Klopp interessiert waren. Dem deutschen Fußball wären womöglich denkwürdige Momente verwehrt geblieben.