Fußball

Analyse Der kriselnde 1. FC Köln kann ein Signal an die Branche senden, wenn er mit seinem langjährigen Erfolgstrainer Peter Stöger die Kurve bekommt

Kontinuität darf keine Sprechblase sein

Mannheim/Köln.Vor ein paar Tagen hat Peter Stöger dem "kicker" ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Interview gegeben. Der Kölner Trainer wurde vom Fachmagazin zu den Gründen für den Absturz des nach einer sensationellen Saison in den Europapokal eingezogenen FC auf den letzten Tabellenplatz gefragt. Und der Österreicher antwortete mit einer reflektierten Offenheit, die im Geschäft rar geworden ist. "Wissen Sie, was der nächste große Schritt in meiner Trainerkarriere wäre? Wenn wir unbeschadet aus dieser Situation herauskommen", sagte der Österreicher. Und dass er genau dafür alles tun werde, denn: "Wenn das klappt, hätte ich die Möglichkeit, weiter in dieser Stadt zu leben. Ich liebe diese Stadt. Die ist cool, echt."

Typisch Stöger. Ehrlich, authentisch, menschlich, von einer hohen Identifikation mit dem Verein und den Menschen, die ihn lieben, getrieben. Und ganz nebenbei noch ein fachlich ausgezeichneter Trainer. Matthias Sammer, seit jeher ein messerscharfer Beobachter der Szene und neuerdings als Fernsehexperte unterwegs, urteilte hernach: "Die Menschlichkeit, die in dieser Aussage steckt, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Dementsprechend ist Peter Stöger für die Bundesliga etwas Besonderes. Ich wünsche Peter Stöger alles, alles Gute." Er ist nicht der Einzige, dem es so geht.

Heute Abend in Stuttgart

Den 1. FC Köln hat, nach über vier Jahren, in denen Stöger aus einem Zweitligisten einen Europa-League-Teilnehmer formte, die erste ernsthafte Krise erfasst. Nur ein Punkt und zwei Tore nach sieben Spielen, letzter Platz, die Abstiegsangst ist zurück am Rhein. Die angeblichen Mechanismen des Geschäfts sähen so aus: Verlieren die Kölner heute Abend (20.30 Uhr) beim VfB Stuttgart, würde Stöger angezählt und die folgende Partie gegen Werder Bremen zu seinem persönlichen "Schicksalsspiel" ausgerufen.

Aber egal wie die Ergebnisse ausfallen: Ein überstürzter Rauswurf des bei den Spielern hoch geachteten Baumeisters des stabilen Aufschwungs wäre das Dümmste, was der Verein tun könnte - und ein Rückfall in längst vergessen geglaubte Chaostage.

Andere Clubs haben vorgemacht, wie es nicht geht. Während Stögers Kölner Amtszeit verschliss der heutige Gegner Stuttgart neun Fußballlehrer, der die Dauerkrise kultivierende HSV brachte es auf sechs Trainer. Was hat es ihnen gebracht? Nichts. Vielmehr sollten sich die Rheinländer ein Beispiel an Zweitligist FC St. Pauli nehmen, der in der vergangenen Saison ähnlich verheerend startete, aber aus Überzeugung und gegen viele Widerstände Trainer Ewald Lienen im Amt beließ - und dafür mit der Trendwende belohnt wurde. Ein Festhalten an Stöger, dem der FC so viel zu verdanken hat wie keinem anderen Trainer der vergangenen 25 Jahre, wäre ebenso ein Signal an die Branche. Es gibt noch Clubs, die auch schlechte Zeiten mit ihren leitenden Angestellten durchstehen und die ihre Führungspositionen nicht als üppig bezahlte Schleudersitze betrachten. Dass Kontinuität im überhitzten Business vielleicht doch keine Sprechblase geworden ist.

"Liga ist ein gnadenloses Rad"

Kölns Manager Jörg Schmadtke hat schon betont, dass er keinen Grund für Schnellschüsse sehe, weil er von der täglichen Arbeit Stögers weiterhin überzeugt sei. Die FC-Profis, die den ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und den fairen Kommunikationsstil ihres Chefs in vielen Interviews hervorgehoben haben und immer noch hervorheben, stehen auch in der Krise fest zu Stöger. Jetzt müssen nach dem jüngsten Aufwärtstrend in den Leistungen gegen Roter Stern Belgrad (0:1) und RB Leipzig (1:2) nur auch so schnell wie möglich die Ergebnisse wieder stimmen.

"Die Liga ist ein gnadenloses Rad", formulierte Stöger im "kicker". Natürlich ist auch sein Kredit endlich, das weiß der Österreicher: "Die Hoffnung muss am Leben gehalten werden, da helfen nur Punkte." Es würde nicht nur Matthias Sammer freuen, wenn Stöger mit dem FC die Kurve bekäme.