Fußball

Fußball Springt der Neuer-Vertreter beim FC Bayern noch auf den WM-Zug auf?

Löw macht Ulreich Hoffnung

München.Auf diesen Sommer-Urlaub mitten im Februar würde Manuel Neuer sicherlich gerne verzichten. Für seinen langen wie schwierigen Weg zum erhofften Comeback noch zur Fußball-WM in Russland lässt der Bayern-Schlussmann nach seinem zweitem Fußbruch nichts unversucht. In wärmeren Gefilden setzt der DFB-Kapitän sein Reha-Programm in Absprache mit den Ärzten bis zum kommenden Wochenende fort und steht in engem Kontakt mit Joachim Löw.

Im frostigen München musste der Bundestrainer am Samstag als Tribünengast des Bayern-Spiels gegen Schalke 04 (2:1) das nächste Durchhalte-Bulletin in Sachen Neuer abgeben. „Ich habe mit ihm diese Woche telefoniert, um mich zu erkundigen. Er ist guter Dinge. Er hofft, dass er demnächst ins Training einsteigt. Ich gehe davon aus, dass alles okay ist“, sagte Löw bei Sky. Die Hoffnung auf eine rechtzeitige Rückkehr des besten deutschen Torhüters.

Fährmann patzt zweimal

Die Aussagen von Löw zu Neuers Münchner Stellvertreter Sven Ulreich waren aber ein unerwarteter wie deutlicher Fingerzeig, dass die Torwartfrage für die Titelmission in Russland problematischer werden könnte, als im vermeintlich mit Weltklasse-Torhütern gesegneten Weltmeisterland lange angenommen wurde.

„Er ist in unserem Blickfeld“, sagte Löw über Ulreich, der am Sonntag seinen Vertrag bei den Bayern bis 2021 verlängerte. Löw lobte dessen jüngste Leistungen fast schon überschwänglich. Ulreichs plötzliche WM-Chance offenbart aber gerade auch die Schwäche der Konkurrenten. Außer Marc-André ter Stegen, der beim FC Barcelona auf höchstem Level Topleistungen liefert, kann derzeit kein deutscher Schlussmann einen WM-Platz für sich reklamieren – egal, ob Neuer es bis zum Nominierungsschluss am 4. Juni schafft oder nicht. Im Idealfall braucht Löw nur einen Kandidaten für den unwichtigsten seiner 23 WM-Plätze als dritter Schlussmann. Doch sollte Neuer für Russland ausfallen, ist auch der nicht unwichtige Platz des ersten Torwart-Backups hinter dem derzeit gesetzten ter Stegen vakant.

Ausgerechnet vor den Augen von Löw katapultierte sich Schalkes oft als Geheimtipp gehandelter Ralf Fährmann am Samstag mit zwei unglücklichen Aktionen bei beiden Gegentoren erstmal aus dem Kandidatenkreis. „Ich bin keine Maschine“, räumte er zerknirscht ein.

Bis zu den WM-Härtetests am 23. März gegen Spanien und vier Tage später gegen Brasilien wird es Neuer kaum schaffen. Zuletzt setzte Löw neben ter Stegen konstant auf Bernd Leno und Kevin Trapp als WM-Alternativen. Doch beide sind nicht ohne Makel. Leno patzte beim Confederations Cup und in der WM-Qualifikation gegen Aserbaidschan im DFB-Trikot mehrfach. Trapp zeigte im Test gegen Frankreich in November eine gute Leistung, ist bei Paris Saint-Germain aber nur zweite Wahl. „Nein, ich denke nicht“, sagte Trapp nun der „Bild am Sonntag“ auf die Frage, ob seine WM-Chancen gesunken seien. Andere Torwart-Kandidaten sind von dem von Löw geforderten Weltklasse-Niveau entfernt. Ron-Robert Zieler, beim WM-Triumph 2014 noch die Nummer 3, steckt mit dem VfB Stuttgart im Abstiegskampf, wie auch Olympia-Silbermann Timo Horn mit Köln. In Liverpool setzt Trainer Jürgen Klopp wieder auf Loris Karius. Doch fehlerfrei agiert der ehemalige Mainzer nicht. Immerhin kann er sich wie ter Stegen in den kommenden Wochen noch in der Champions League beweisen.

Und dieses Plus hat auch Ulreich als einziger Bundesliga-Keeper. Fast schon übertrieben bescheiden reagierte der 29-Jährige am Samstag auf das Löw-Lob. „Das ist eine Ehre, wenn er das sagt. Aber ich habe das schon oft gesagt, dass ich glaube, dass viele andere Torhüter eher auf den Zug aufspringen werden, weil sie jung sind und große Perspektiven haben. Da wäre es unfair, wenn einer zur WM mitfahren würde, der weniger spielt und sonst eher auf der Bank sitzt“, sagte Ulreich. Eine Parallele wäre Ulreichs spätes DFB-Debüt zum Turnier 2010, als Bayern-Keeper Jörg Butt nach dem Ausfall von René Adler ein Last-Minute-Ticket für Südafrika bekam. dpa