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Fußball Deutscher Rekordmeister zieht Angebot für seinen Abwehrchef zurück / Österreicher reagiert enttäuscht

Machtwort der Bayern irritiert David Alaba

Archivartikel

München.Eigentlich wollte David Alaba ganz entspannt über seine „riesige Vorfreude“ auf die Champions-League-Premiere in der österreichischen Heimat plaudern, auf die er bis zum 85. Einsatz in Europas Königsklasse warten musste. Doch sein Arbeitgeber hatte vor der kurzen Busreise der Münchner Fußballstars ins nahe Salzburg am Montagnachmittag ein anderes Thema gesetzt: Präsident Herbert Hainer verkündete am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen, dass der FC Bayern nach monatelangem Poker das aus seiner Sicht sehr lukrative und faire Vertragsangebot an den Abwehrchef zurückgezogen habe.

Alaba verblüffte 32 Stunden vor dem Gruppenspiel am Dienstag (21 Uhr/Sky) bei Red Bull Salzburg damit, dass er diese Neuigkeit ebenfalls „aus den Nachrichten erfahren“ habe. Er wirkte irritiert, die Konsequenzen ließ er spontan offen. „Es war eine besondere Situation. Wie es weitergeht, wird sich zeigen. Ich habe mir in der kurzen Zeit nicht die Gedanken machen können“, sagte er: „Es wurde nicht an mich ran getreten. Es hat noch keiner mit mir darüber gesprochen von offizieller Seite. Deshalb ist es schwierig einzuschätzen, wie die Zukunft aussehen wird.“ Es könnte nach mehr als einem Jahrzehnt zum Saisonende tatsächlich zur Trennung kommen. Wobei Alaba den Verein im Sommer 2021 ablösefrei verlassen könnte.

Flick schmallippig wie nie

Hansi Flick war – gelinde gesagt – nicht begeistert über Hainers Wort am Sonntag. „Ich bin alles andere als glücklich, dass wir uns mit diesem Thema in einer Woche, in der wir zwei schwere Spiele in Salzburg und in Dortmund haben, befassen müssen“, sagte der Trainer, der in seiner nun exakt einjährigen Amtszeit noch nie so schmallippig in einer Pressekonferenz auftrat wie am Montag. Der 55-Jährige warb vehement für und um seinen Abwehrchef: „Was David betrifft, wäre ich sehr, sehr froh, wenn er über die Saison hinaus dem FC Bayern erhalten bliebe. David ist ein absoluter Topspieler und ein ganz toller Mensch. Das will ich hier bewusst erwähnen, weil er für die Mannschaft enorm wichtig ist.“

Süle mit positivem Corona-Test

Flick hat vor dem Salzburg-Spiel schon Probleme genug, nachdem Nationalspieler Niklas Süle wegen eines positiven Corona-Tests in einer so wichtigen Woche nicht zur Verfügung steht. Alaba wird für Süle in Salzburg wieder in die Startformation zurückkehren.

Der 28-Jährige erzeugte im Pressestüberl auf dem Vereinsgelände nicht das Gefühl, als wenn er den FC Bayern wirklich verlassen wollte. Aber die angeblich extrem hohen Gehaltsforderungen seines Beraters Pini Zahavi, der auch Bayerns Topverdiener Robert Lewandowski zu seinen Klienten zählt, sind dem Bundesliga-Krösus viel zu hoch – gerade in Corona-Zeiten. „Ich kann jedem einzelnen Fan versichern, dass die Summen, die in den Raum gestellt wurden, nicht der Wahrheit entsprechen“, konterte Alaba. Von 20 Millionen Euro war die Rede.

Alaba steht in Fan-Kreisen als raffgierig da, was er „aus der Perspektive von Außenstehenden“ sogar nachvollziehen könne. Er habe „eine ganz andere Perspektive auf die ganze Geschichte“. Alaba hätte gewünscht, „dass Internes auch intern bleibt“. Die Millionenzahlen, die kursierten, seien von Vereinsseite nicht dementiert worden. „Meine Person dann in der Öffentlichkeit so darzustellen wie in den vergangenen Monaten, darüber war ich enttäuscht und verletzt.“

Der Verein wollte nach etlichen Gesprächsrunden „bis Ende Oktober“ eine Antwort. Die Sieben-Tage-Deadline war Alaba in dieser Zeit mit mehreren Auswärtsspielen am Stück zu kurz. „Wie die Verantwortlichen dann handeln werden, habe ich gestern erfahren“, bemerkte Alaba.

Hainer wiederum machte aufseiten des Clubs „Planungssicherheit“ auf einer wichtigen Position geltend. Womöglich wollte er auch ein Exempel statuieren. 

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