Fußball

Fußball Nach dem 3:0-Sieg über Wolfsburg und dem Erreichen der Relegation spricht Stuttgarts Kapitän Christian Gentner Klartext

„Mit 27 Punkten darfst du nicht die Liga halten“

Stuttgart.Am Sonntag waren die Späher des VfB Stuttgart in der 2. Fußball-Bundesliga unterwegs. In Paderborn schauten sie sich die Mannschaft des Gastgebers und den Hamburger SV an, in der Hauptstadt warf ein Beobachter einen etwas genaueren Blick auf Union Berlin. Alle drei Teams galten als potenzielle Gegner des VfB in der Relegation, nun kommen nur noch Paderborn und Berlin als Kontrahenten des tief gefallenen Traditionsvereins infrage, der am Samstag den VfL Wolfsburg mit 3:0 (1:0) bezwang. Die Freude darüber hielt sich allerdings in starken Grenzen – wenn es sie denn überhaupt gab.

Bei Christian Gentner blieben die Glücksgefühle definitiv aus. Der Stuttgarter Kapitän sprach nach dem Schlusspfiff und einer grundsätzlich enttäuschenden Saison Klartext. „Wir haben 27 Punkte jetzt, da darfst du normal nicht in der Liga bleiben. Wir bekommen die Chance geschenkt mit der Relegation“, sagte der Routinier und mahnte an, dass der Verein einige „Baustellen“ anzugehen habe: „Es gibt ein paar Dinge, die passen mir nicht, die mir auch ein bisschen auf den Sack gehen.“

Was genau Gentner damit meinte, mochte der 33-Jährige nicht präzisieren, doch dass der VfB nach dem Abstieg 2016 nun erneut um den Klassenerhalt zittern muss, dürfte das Stuttgarter Urgestein schmerzen. Denn im Prinzip sind die nach Konstanz gierenden Schwaben keinen Schritt weiter als vor drei Jahren, nach dem damaligen Absturz folgten mit Jos Luhukay, Hannes Wolf, Tayfun Korkut und Markus Weinzierl bereits vier Trainer, die mittlerweile allesamt entlassen wurden.

Nun soll es Nico Willig richten, der im April vom A-Jugendcoach zum Chef des Bundesligateams befördert wurde und von Gentner ein dickes Lob bekam: „Ich kann nur sagen, dass die drei Wochen, die wir mit Nico arbeiten, hervorragend sind. Es war wichtig, dass der Impuls gesetzt wurde.“

Trotzdem soll zur neuen Saison mit Tim Walter, momentan noch bei Holstein Kiel unter Vertrag, schon wieder ein neuer Trainer kommen. Willig und Sportvorstand Thomas Hitzlsperger hatten von Beginn an vereinbart, dass der ehemalige Jugendcoach nur als Retter in der Not übernimmt und danach in den Nachwuchsbereich zurückkehrt.

Alles anders unter Willig

Doch wer die VfB-Spieler über den neuen Trainer so schwärmen hört und das Team unter Willig spielen sieht, kann durchaus zu dem Schluss kommen, dass da gerade etwas ganz gut zusammenpasst und der Mann der Zukunft schon längst gefunden wurde. Denn die Stuttgarter haben mit Willig nicht nur zwei von drei Partien gewonnen, sondern präsentieren sich plötzlich ganz anders. Sie agieren mutiger, aktiver und aggressiver, gehen mehr Risiko, wollen Fußball spielen und nicht wie zuvor einfach nur darauf warten, bis das Unheil über sie hereinbricht.

Zwar gelingt auch jetzt bei Weitem nicht alles, aber gegen enttäuschende Wolfsburger reichte es trotzdem, um nach Toren von Gonzalo Castro (45. + 1), Anastasios Donis (55.) und Daniel Didavi (83.) zu gewinnen und sich die Chance auf ein glückliches Ende einer desolaten Runde zu erhalten.

„Relegation bedeutet erst einmal nichts Gutes. Weil das heißt, dass du keine gute Saison gespielt hast“, sagte Mittelfeldmann Didavi, der nun zum dritten Mal nacheinander in die Ausscheidungsspiele gegen den Zweitligadritten muss. 2017 und 2018 ging er mit Wolfsburg gegen Braunschweig und Kiel jeweils als Sieger vom Feld – und so soll es nach Möglichkeit auch diesmal kommen. Es fragt sich nur, ob die von Gentner ausgemachten „Baustellen“ dann auch angegangen werden.