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Fußball Kritik an den Umständen der Bundestrainer-Entscheidung / Gnabry: „Die Jungs haben im Training wieder Gas gegeben“

München an Löw: Falscher Zeitpunkt

München.Der FC Bayern ist von Joachim Löw kalt erwischt worden – und wirkte am Tag nach der Ausmusterung seiner drei Spieler Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller aus dem Fußball-Nationalteam immer noch baff. Mit dem unangekündigten Besuch an der Säbener Straße hatte eine DFB-Delegation um den Bundestrainer den drei Weltmeistern von 2014 deren Ende in der Auswahlmannschaft verkündet. Überraschung und Enttäuschung wichen beim deutschen Serienmeister in den nächsten 22 Stunden dann der Kritik am Vorgehen – weil die Bayern in Bundesliga und Champions League vor entscheidenden Partien stehen.

Löws sportliche Maßnahmen würden die Münchner grundsätzlich nicht kommentieren, hieß es in einer Stellungnahme von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic. „Allerdings halten wir den Zeitpunkt und die Umstände der Bekanntgabe dieser Entscheidung an die Spieler und an die Öffentlichkeit für fragwürdig“, hieß es dann. In der „AZ“ legte Rummenigge nach: „Er hat damit natürlich auch eine große persönliche Verantwortung übernommen. Denn von Fußball-Deutschland wird jetzt erwartet, dass die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020, die ja auch in München stattfindet, gelingt. Und dass die deutsche Mannschaft wieder den attraktiven Fußball zeigt, den man in den vergangenen zehn Jahren genießen durfte.“

Was den Bayern vor allem missfiel: Seit dem jüngsten Länderspiel am 19. November 2018 habe Löw genug Zeit für seine Entscheidung gehabt. „Dass die Spieler und die Öffentlichkeit rund dreieinhalb Monate später unmittelbar vor richtungsweisenden Spielen des FC Bayern am kommenden Samstag im Titelkampf der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg und wenige Tage vor dem entscheidenden Rückspiel im Achtelfinale der Champions League am kommenden Mittwoch gegen den FC Liverpool informiert wurden, irritiert uns“, stand in der Mitteilung des Fußball-Branchenführers.

Die drei Routiniers „haben eine extrem erfolgreiche Dekade des DFB geprägt mit dem Gewinn des Weltmeister-Titels im Jahre 2014 als absoluten Höhepunkt“, schrieben Rummenigge und Salihamidzic, die nun andererseits ein paar Sorgen weniger haben und nach großen Turnieren drei erschöpfte oder gar verletze Spieler weniger integrieren müssen. Boateng hatte sich schon am Dienstag enttäuscht gezeigt vom Aus im DFB-Team. Hummels stellte am Mittwoch ein Selfie-Bild von sich und seinem einjährigen Sohn Jakob mit dem Schriftzug „Aufmunterer“ online. Müller kritisierte seine Ausmusterung gestern Abend scharf.

„Die Jungs haben heute im Training wieder Gas gegeben, ihre Karrieren gehen weiter. Mal schauen, was in der Zukunft passiert“, berichtete Teamkollege Serge Gnabry nach der Vormittagseinheit. Ohne Müller dürfte Gnabry größere Chancen in Löws Offensivplänen haben. Zusätzlichen Druck verspüre er aber nicht. „Ich mache mir keine Gedanken, ob Thomas irgendwo dabei ist, egal ob in der Nationalmannschaft oder hier“, erzählte der Flügelflitzer. Gnabry jedenfalls ist erst einmal länger da – gerade hat er seinen Vertrag bis 2023 verlängert und will in der Offensive des FC Bayern, ähnlich wie Franck Ribéry und Arjen Robben, eine Ära prägen. dpa