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Fußball Der FC Bayern müht sich bei der Premiere von Interimscoach Hansi Flick zu einem 2:0-Sieg über Piräus

„Nicht das Höchste der Gefühle“

München.Hansi Flick klatschte kurz in die Hände. Dank Torgarant Robert Lewandowski und Joker Ivan Perisic hat der Aushilfs-Chef seinen ersten Auftrag erfüllt. Ein taktisch und personell neu ausgerichteter FC Bayern München mühte sich im Premierenspiel des Interimstrainers mit einem 2:0 (0:0) gegen Olympiakos Piräus ins Achtelfinale der Champions League. Mit seinem 21. Pflichtspieltor der Saison erlöste Lewandowski am Mittwochabend in der 69. Minute im ersten Spiel nach Niko Kovac vor allem den beförderten Flick, Perisic machte Sekunden nach seiner Einwechslung alles klar (88.).

„Wir hatten 27 Torschüsse. Ich war mit der Mannschaft zufrieden. Wir haben den Gegner immer wieder unter Druck gesetzt und waren dominant. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit mit den zwei Toren belohnt“, sagte Flick bei „Sky“ und wollte sich mit seiner eigenen Situation nicht weiter beschäftigen: „Es interessiert mich überhaupt nicht, was nach dem Samstag passiert. Ich genieße es aktuell, weil die Mannschaft hervorragend arbeitet.“ Offensiv-Spieler Thomas Müller ergänzte: „Das war nicht das Höchste der Gefühle, aber jeder hat gesehen, dass wir da waren.“

Thiago auf der Bank

Der Auftritt des deutschen Fußball-Serienmeisters vor 70 000 Zuschauern in der Allianz Arena konnte Borussia Dortmund vor dem Bundesliga-Topspiel am Samstag aber keinen Schrecken einflößen.

Flick übte seine neue Rolle am Spielfeldrand zurückhaltend aus. Die positivste Erkenntnis für ihn war, dass vier Tage nach dem 1:5 in Frankfurt gegen harmlose Griechen hinten die Null stand. „Wir haben eine gute Leistung gezeigt und unser Spiel durchgezogen. Wir haben uns die Griechen zurechtgelegt, sie mussten viel ackern. Es war ein gutes Spiel von uns“, betonte Bayern-Kapitän Manuel Neuer und hob hervor, dass hinten endlich die Null stand: „Für unser Selbstbewusstsein in der Defensive ist das sehr wichtig.“ Flick setzte bei seiner Premiere klare Zeichen: Drei personelle Umstellungen nahm der 54-Jährige im Vergleich zum finalen 1:5 unter Kovac vor. Am markantesten war die Maßnahme, die unter Kovac gesetzten Künstler Philippe Coutinho und Thiago auf die Bank zu setzen. Im Abwehrzentrum ersetzte Javi Martínez den am kommenden Samstag im Liga-Topspiel gegen Dortmund gesperrten Jérôme Boateng. Dazu wurde Joshua Kimmich wie im Nationalteam ins Mittelfeld vorgezogen. Doch auch Flick vermochte nicht, die Bayern auf Knopfdruck zu alter Stärke zu führen.

Über weite Strecken wirkte das Münchner Spiel gehemmt. Es fehlte an Schwung und Kreativität. Nach den vielen Gegentreffern in den letzten Wochen waren die Bayern, die wegen der Tode von Ex-Spieler Norbert Eder und des früheren Vizepräsidenten Rudolf Schels mit Trauerflor spielten, auf Fehlervermeidung ausgerichtet. Über ein einfaches Passspiel sollte die Sicherheit zurückkehren. Ungeachtet der hohen Ballbesitzquote mangelte es gegen die limitierten Griechen aber an Inspiration und Entschlossenheit, auch die Flanken blieben häufig zu unpräzise.

Treffen mit Wenger?

Bei der Suche des neuen Trainers will sich der Meister unterdessen aber „nicht unter Druck setzen lassen“. Das sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic bei „Sky“. „Wir versuchen, eine gute Entscheidung zu treffen. Wir werden uns die Zeit nehmen“, ergänzte der Bosnier. Leipzigs Mastermind Rangnick hat kein Interesse. „Nein, Ralf Rangnick steht nicht zur Verfügung“, zitierte die „Bild“-Zeitung seinen Berater Marc Kosicke. Auf die Frage, warum nicht, habe Kosicke geantwortet: „Wir glauben nicht, dass das, was Ralf Rangnick mitbringt, derzeit bei Bayern gesucht wird. Und darum macht es keinen Sinn, konkrete Gespräche zu führen.“

Laut „Bild“ soll der ehemalige Arsenal-Coach Arsène Wenger dagegen bereit sein für ein Engagement in München. „Ein persönliches Treffen mit den Bayern ist nach dem Dortmund-Spiel am Samstag geplant“, meldete die Zeitung am späten Mittwochabend.