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Fußball Der 83-jährige Heinz Lautenbach ist seit 1949 Mitglied beim FC Alemannia Groß-Rohrheim

„Peschl“ packt noch immer an

Archivartikel

Groß-Rohrheim.Zu den ganz großen Vereinen im Fußballkreis Bergstraße zählte der FC Alemannia Groß-Rohrheim in seiner langjährigen Geschichte nie. Dennoch wurde in der kleinen Riedgemeinde stets guter Fußball gespielt. Und nicht nur heute – der FCA ist in der Kreisoberliga am Ball – gehörte die Alemannia meist spielstarken Klassen an.

Auch in früheren Tagen waren ihr höhere Ligen nicht fremd, so dass sie ihre Spiele gar im Darmstädter Fußballbezirk austrug. Das ist dem 83 Jahre alten Heinz Lautenbach noch in bester Erinnerung – und er weiß so einiges zu erzählen. Dabei zählt er keineswegs zu den (selbsternannten) Senioritäten, die das Geschehen nur von Außen betrachten und den Protagonisten der heutigen Zeit schlaue Ratschläge geben – unabhängig, ob sie diese hören wollen oder nicht.

Lautenbach packt auch heute noch tatkräftig beim FC Alemannia mit an und steht längst nicht nur als Platzkassierer zur Verfügung. „Der ,Peschl’ – das ist ein Stück Geschichte unseres Vereins. Ohne ihn hätten wir oftmals schon einpacken können“, lobt Rohrheims Vorsitzender Klaus Anthes den unermüdlichen Schaffer in höchsten Tönen.

Unter „Peschl“ kennt Lautenbach in Groß-Rohrheim nahezu jeder. Aber woher kommt der Name? Peschl hat mit Pech nichts zu tun, sondern rührt vielmehr aus der Zeit, als die jungen Fußballer die Namen der Spieler verpasst bekamen, deren Spielweise sie am meisten ähnelten.

„Mein Nachbarsjunge Peter Trautmann hat gemeint, ich würde genauso spielen wie Hans Pöschl, der Torjäger, der dem 1. FC Nürnberg 1948 zur deutschen Meisterschaft verhalf. Warum und weshalb – das habe ich nicht weiter hinterfragt“, erinnert sich Lautenbach noch an die späten 1940er Jahre zurück, als die Groß-Rohrheimer Fußballbuben tagein, tagaus dem runden Leder hinterherrannten und sie ihren großen Vorbildern aus der Oberliga Süd nacheiferten.

Vorbildliche Ballbehandlung

Und aus dem „Pöschl“ wurde im Rohremer Dialekt schnell der „Peschl“. Das war die Zeit um 1949, als Heinz Lautenbach (Jahrgang 1937) dem FC Alemannia beitrat. Bald machte er mit einer vorbildlichen Ballbehandlung auf sich aufmerksam. Lautenbach dribbelte (sich manchmal am Gegner fest) und war vor allen Dingen ungeheuer schnell. Ein Mann für die Außenposition. Mittelstürmer wie der frühere Waldhöfer Helmut Kilian oder Georg Neeb waren dankbare Abnehmer seiner Flanken. Immer wieder wollte Heinz Lautenbach eine Initiative starten, um den Gegenangriff seiner Elf einzuläuten. „Ich hab’ da eine Idee“, sagte er einmal. Ob diese letztlich zu einem Treffer führte, ist nicht überliefert. Aber es führte dazu, dass Lautenbach immer wieder diesen Satz unter die Nase gerieben bekommt. „Es vergeht kaum ein Kameradschaftsabend des Vereins, wo wir uns nicht an diese Begebenheit erinnern würden“, erwähnt Klaus Anthes nicht ohne ein Schmunzeln. Und auch bei Ehrungen erinnert man sich an Lautenbachs „Ideenreichtum“ gerne zurück.

Auszeichnungen – die sind beileibe keine Seltenheit für Heinz Lautenbach. Beispielsweise, als er nach 500 Spielen zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt wurde, später die große Verbandsehrennadel des Hessischen Fußballverbandes erhielt. Einmal aber kehrte Lautenbach dem Verein den Rücken. Was war geschehen? „Als 20-Jähriger hatte ich entschieden was dagegen, dass mich der Trainer nicht aufstellte und so wechselte ich für eine Saison zum ruhmreichen VfR Bürstadt, wo ich auch Nominierungen in der ersten Mannschaft für mich verbuchte“, erwähnt Lautenbach nicht ohne Stolz.

Aber sein Weg führte ihn bald wieder zum Heimatverein, zu „seinem“ FC Alemannia Groß-Rohrheim zurück. Nun, in der A-Klasse zu spielen, war eine gute Sache, denn statt fünf A-Ligen als Unterbau zur zweiten Amateurliga gab es seit 1958 davon nur noch drei. Die Alemannia behielt ihren Status als A-Ligist und war unter Trainer Georg Herbold, der unter Sepp Herberger fast ein A-Länderspiel bestritten hätte, höchst ambitioniert.

„Schade, dass wir es in dieser Zeit nicht geschafft haben, in die II. Amateurklasse oder später die Bezirksklasse aufzusteigen“, bedauert Heinz Lautenbach noch heute und erwähnt nicht ohne Stolz, dass seine Rohrheimer damals besser Fußball spielten, als Clubs wie der TV Lampertheim, der SV Bobstadt, die erst 1964 gegründete Bürstädter Eintracht oder die beiden Riedroder Vereine SG und FSV.

Ehrenmitglied beim FCA

Kaum schloss sich Lautenbach 1968 altersbedingt der neugegründeten Groß-Rohrheimer Soma an, zeigte die Tendenz bei der ersten Mannschaft nach unten. Und so schnappte die Falle 1969 endgültig zu: Nach 43 Jahren Zugehörigkeit zu spielstarken Ligen, war der FCA fortan nur noch in der Kreisliga B beheimatet und musste sieben Jahre später einen erneuten Abstieg in Kauf nehmen. Das war für Heinz Lautenbach noch lange kein Grund, im Wirken für seinen längst liebgewonnen Verein nachzulassen: „Dort, wo ich der Alemannia helfen konnte, habe ich es immer getan. Und ich hoffe, das dauert auch noch ein paar Jahre so an.“ hias

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