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Fußball Ex-Bayern-Star als Verbandspräsident denkbar

Philipp Lahm – bald mehr als nur DFB-Werbefigur?

Archivartikel

Nyon.Man kann sich gut vorstellen, wie Philipp Lahm (Bild) im Sommer 2024 mit dem Hubschrauber kreuz und quer über Deutschland fliegen wird. In einer wilden Hatz von Spielort zu Spielort – wie einst Franz Beckenbauer in der zum Märchen verklärten WM-Zeit 2006. Mit seinem Job als wichtigster Botschafter der deutschen Kandidatur für die EM in sechs Jahren hat Lahm die damalige Position Beckenbauers als zentrale Werbefigur des Deutschen Fußball-Bundes eingenommen.

Bei einem erhofften Zuschlag durch die Uefa-Exekutive am Donnerstag in Nyon im Zweikampf gegen die Türkei wird der WM-Kapitän von 2014 auch die Funktion des EM-Cheforganisators übernehmen, als weitere Parallele zu Beckenbauers Aufgabe beim letzten Heimturnier.

Im Vergleich zur dereinst noch nicht von Skandalen beschädigten internationalen Reputation des Kaisers mag Lahm jetzt noch ein Kaiserchen sein. Doch wer den Karriereplan des jüngsten DFB-Ehrenspielführers seit der Triumphnacht von Rio de Janeiro 2014 verfolgt, erkennt eine große Zielstrebigkeit im Fußball-Business und außerhalb davon.

Auf der Homepage beschreibt das Organigramm der Philipp-Lahm-Holding Beteiligungen an fünf Unternehmen, von der Deutschen Sport-Lotterie bis zum Naturkost-Produzenten Schneekoppe. Und mit dem beim DFB-Bundestag im Dezember 2017 fixierten Engagement als EM-Botschafter übernahm der Münchner nur ein halbes Jahr nach Ende der aktiven Karriere beim FC Bayern wieder eine wichtige Funktion in der Fußball-Welt.

„Ich bin 34 Jahre alt. Ich habe noch viel vor mir in meinem Leben“, sagte Lahm in einem Interview im Mai zu einer möglichen Rückkehr zu den Bayern – viel wahrscheinlicher ist aber nun eine dauerhafte Karriere beim DFB. Noch reagierte Lahm mit einem Lachen auf die Frage in einem Interview, ob er einmal Präsident des Verbandes werden wird. Und schob einen vielsagenden Satz nach: „Das ist noch lange hin“.

Notwendige Strukturreform

Nicht wenige hatten ihn schon im vermaledeiten WM-Sommer als schnellen Nachfolger für den in der Özil-Affäre lange irrlichternden Präsidenten Reinhard Grindel genannt. Sollte der DFB die EM nicht bekommen und Grindel als DFB-Chef nicht mehr zu halten sein, würde sein Name schnell wieder fallen.

Insider meinen aber: Lahm würde Bedingungen stellen, wie eine Strukturreform des DFB inklusive Umwandlung des Präsidentenpostens vom Ehrenamt zum bezahlten Spitzenjob. Insofern ist Lahm in einer guten Position, obwohl er lieber die EM nach Deutschland holen würde, denn als Nutznießer einer Pleite in wichtigere Posten gespült zu werden. dpa