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Fußball DFB-Frauen sehen den Algarve-Cup als aufschlussreiche Standortbestimmung / Oberdorf, Gwinn, Bühl und Schüller im Einsatz

Portugal-Anreise mit Hindernissen

Archivartikel

Faro.Beim Start in das ungewollte Zwischenjahr mit dem Makel der Olympia-Abwesenheit wurde die deutsche Frauen-Nationalmannschaft erst einmal ausgebremst. 90 Minuten musste die DFB-Delegation am Frankfurter Flughafen wegen einer Drohnensichtung ausharren, ehe der Charterflieger nach Faro abheben konnte. Im Süden Portugals beginnt für Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg und ihr reformiertes Team an diesem Mittwoch (17.30 Uhr) das Länderspieljahr 2020 mit einer WM-Revanche gegen Schweden.

Doch von solcherlei Terminologie halten Voss-Tecklenburg (52) und ihre Spielerinnen vor der ersten Partie des Algarve-Cups wenig bis nichts. „Eine Revanche ist das nicht. Wir waren seit November nicht mehr zusammen, haben vorher nur eine gemeinsame Trainingseinheit“, sagte die Cheftrainerin. „Die WM ist für uns kein Thema mehr. Das ist durch“, beteuerte Nationalmannschafts-Kapitänin Alexandra Popp (28). Nahezu wortgleich formulierte es die Spielführerin des FC Bayern. „Das Thema ist erledigt für uns“, sagte Melanie Leupolz (25) und sprach von einem „Entwicklungsjahr“. In diesem Prozess kann das erstmalige Wiedersehen mit dem WM-Dritten nach dem schmerzlichen Viertelfinal-Scheitern im vergangenen Sommer ein erster Gradmesser und eine aufschlussreiche Standortbestimmung werden. Das frühe Aus in Frankreich und die damit verspielte Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio hatte das Team lange beschäftigt.

Doch der makellose Start in die EM-Qualifikation mit vier Siegen in vier Spielen und 31:0 Toren und vor allem der berauschende 2:1-Sieg gegen England vor 77 000 Zuschauern im Wembley-Stadion im November haben die Stimmung beim Noch-Olympiasieger merklich aufgehellt.

Neue Lockerheit

Von neuer Lockerheit und verbesserter Kommunikation berichtete Popp vor dem Comeback bei dem Turnier an der Algarve, das die DFB-Elf 2006, 2012 und 2014 gewonnen, seit 2015 aber ausgelassen hatte. Dort bildet die Angreiferin des VfL Wolfsburg mit routinierten Mittelfeld-Fachkräften wie Leupolz, Lina Magull (FC Bayern/25) oder Dzsenifer Marozsan (Olympique Lyon/27) und den Talenten um Lena Oberdorf (SGS Essen/18), Giulia Gwinn (FC Bayern/20), Klara Bühl (SC Freiburg/19) und Lea Schüller (SGS Essen/22) ein spannendes und zukunftsweisendes Ensemble.

Voss-Tecklenburg will die Tage daher auch für taktische und personelle Experimente nutzen. Der zweite Gegner heißt am Samstag Dänemark oder Norwegen, danach folgt ein Platzierungsspiel (10. März) oder im Optimalfall das Endspiel am kommenden Dienstag. „Eine hohe Spielqualität“ wolle sie sehen, forderte Voss-Tecklenburg. „Wir wollen neue taktische Varianten probieren und möglichst viele Spielerinnen einsetzen“, sagte sie.

Doch natürlich weiß auch Voss-Tecklenburg, dass in der Heimat bei aller Experimentierfreude vor allem Resultate goutiert werden. Daher lassen auch die Spielerinnen keinerlei Zweifel. „Wir wollen möglichst alle Spiele gewinnen, auch wenn es nicht um den ganz großen Titel geht“, sagte Popp. „Wir wollen den Titel holen“, sagte auch Leupolz, „aber die Entwicklung ist vielleicht noch wichtiger.“