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Fußball Borussia Dortmund will in der Bundesliga bis zur Winterpause neun Punkte holen, um die Lage zu beruhigen

Positives Grundgefühl

Madrid.Es ist schon erstaunlich, wie rasant sich der Status von Neven Subotic bei Borussia Dortmund zuletzt entwickelt hat. Es ist gerade Mal zehn Tage her, da spielte der serbische Manndecker beim BVB keine Rolle, er betrachtete die Spiele seines Vereins von der Tribüne aus, weil es selbst für die Bank nicht reichte. Doch das spektakuläre 4:4 im Revierderby, als die Dortmunder in der zweiten Halbzeit eine Vier-Tore-Führung herschenkten, hat beim Revierclub sämtliche Hierarchien verrückt: Subotic ist nicht nur wie von Wunderhand in die Stammformation gerückt, er ist auch noch als Meinungsführer gefragt, dessen Aussagen ein besonderes Gewicht beigemessen werden.

Also begab sich Subotic nach der 2:3-Niederlage seines Arbeitgebers zum Champions-League-Abschluss gegen Real Madrid zu den Journalisten und berichtete darüber, wie sich diese 90 Minuten anfühlten und welche Lehren für die nähere Zukunft zu ziehen sind. „Wir können hier auf jeden Fall viel Positives mitnehmen“, verkündete der in einem schwarzen Jogginganzug gekleidete Profi. Das positive Grundgefühl zog er aus einem Spielverlauf, der dem BVB Zuversicht geben sollte, weil es ihm gelang, nach einem frühen 0:2-Rückstand zurückzukommen, um dann im Bernabaeu Stadion nach dem Ausgleich kurz vor Schluss doch noch zu verlieren. „Es gibt nicht viele Mannschaften, die hier zwei Tore schießen“, dozierte Subotic, „wir haben mutig gespielt und sind dafür belohnt worden.“ Und weiter: „Es ist ein wichtiges Indiz für unsere jetzige Phase, dass wir in der Lage sind, zurückzuschlagen.“

Ein halber Sieg

Tatsächlich fühlte sich diese Niederlage in Krisenzeiten wie ein halber Sieg an und war ein fundamental anderes Erlebnis als dieses unglaubliche Spiel gegen Schalke, das die Dortmunder noch immer schwer beschäftigt. Subotic gab Dinge aus dem Innenleben eines Teams preis, dessen Selbstverständnis auf die Probe gestellt wurde „Es gibt Dinge in einer Mannschaft, die gehen, und es gibt Dinge, die gehen eben nicht“, berichtete der 28-Jährige, ohne weiter in Details zu gehen. Es benötigt nicht viel Fantasie, sich vorzustellen, was bei der Borussia abgegangen ist. Zum Beispiel, dass der exzentrische Stürmerstar Pierre-Emerick Aubameyang deutlich daran erinnert wurde, dass er mit seinen Eskapaden eine Grenze erreicht hat, die nicht zu tolerieren ist. Dem Stürmer aus Gabun, der so gerne mit Abwanderungsgedanken kokettiert, gelangen beide Treffer für seinen Arbeitgeber, doch sein Name fiel nicht, als Mittelfeldspieler Nuri Sahin über den internen Aufarbeitungsprozess berichtete: „Bei uns sind die Dinge nach dem 4:4 gegen Schalke deutlich angesprochen worden. Wäre das nicht passiert, hätten wir den Rückstand hier nicht aufholen und uns in dieser Form präsentieren können.“

Immerhin hatte der BVB nach einer total verkorksten Gruppenphase in Madrid noch die letzte Mission zu erfüllen, zumindest die Qualifikation für die Euro League sicherzustellen. Das war zwar nicht mehr als ein Trostpreis aber immer noch besser als ein Komplettabsturz. Nun dürfen die Dortmunder nach der achtbaren Niederlage für sich reklamieren, eine wenig ruhmreiche Bestmarke aufgestellt zu haben: Mit zwei Zählern (aus den beiden Unentschieden gegen das europäische Leichtgewicht aus Nikosia) hat noch nie ein Team als Gruppendritter den Sprung in die Euro League geschafft.

„Wir wollen unbedingt in Europa bleiben“, hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor dem Abflug nach Madrid verkündet. Zumindest das ist geschafft, mit einem bemerkenswerten Minimalismus, der in Dortmund keinem ein Lächeln auf das Gesicht zaubern dürfte. Peter Bosz wartet in Krisenzeiten also weiter auf den Befreiungsschlag. Der in die Kritik geratene Trainer war bei der Jahreshauptversammlung des BVB von Watzke unmissverständlich aufgefordert worden, zusammen mit Sportdirektor Michael Zorc „jeden Stein umzudrehen“ und dabei alles auf den Prüfstand zu stellen. „Wir haben versucht zu analysieren, in welchem Zustand wir sind“, berichtete Zorc. Dabei sei herausgekommen, „dass die Mannschaft in einem ordentlichen Fitnesszustand ist und das nicht der Grund ist, warum wir in den letzten Wochen gerade in der zweiten Halbzeit nicht so gut gespielt haben.“

Mentale Probleme

Will heißen: Die Arbeit von Bosz auf dem Trainingsplatz ist in Ordnung, die Probleme sind also offensichtlich im mentalen Bereich zu suchen. Diese sollen abgestellt werden, und zwar mit dem Trainer aus Holland, wie Zorc betont: „Wir wollen mit Peter Bosz den Turnaround schaffen.“ Doch dafür müssen bessere Ergebnisse kommen als das Unentschieden in Leverkusen und die knappe Niederlage in Madrid. „Wir hatten jetzt viel Wenn und Aber“, sagt Sahin, „aber am Wochenende müssen gegen Werder Bremen drei Punkte her – am besten wäre es, wenn wir bis zur Winterpause noch neun Punkte holen.“