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Fußball Kadertiefe könnte sich im weiteren Saisonverlauf als Trumpfkarte für den FC Bayern herausstellen / Müller belebt Spiel nach seiner Einwechslung für Coutinho

Promi-Wettstreit um offensive Mittelfeldposition

Archivartikel

München.Der Ur-Bayer Thomas Müller ist schon viel zu lange im Fußball-Geschäft, um schon am ersten Tag als Bankangestellter grantig schlechte Stimmung zu verbreiten. Auch sein neuer Zehner-Konkurrent Philippe Coutinho ließ sich nach Bayern Münchens 6:1 (2:1) gegen die Fehlstarter des punktlosen Tabellenletzten FSV Mainz 05 nicht auf das nahe liegende Konflikt-Spielchen Müller kontra Coutinho ein.

„Nein, nein“, wiegelte der Brasilianer nach seinem Startelfdebüt ab, einen Wettkampf mit Publikumsliebling Müller sehe er nicht. Im Gegenteil: „Er ist großartig, er ist ein großer Spieler und ich bin sehr glücklich, dass ich mit ihm in einem Team spielen und von ihm viel lernen kann“, sagte Coutinho, bevor er beim traditionellen Lederhosen-Shooting der Bayern zum Oktoberfest am Sonntag erstmals in bayerischer Tracht auftreten sollte. „Man hat es gesehen: Er kam rein und hat den Unterschied gemacht“, lobte Coutinho Kollege Müller.

Der Ex-Weltmeister ging professionell mit dem Joker-Job um, den er nach seiner Einwechslung – für den bis dahin weniger wirkungsvollen Coutinho – energiegeladen erfüllte. „So ist Thomas: Er kommt rein, macht Randale und bereitet zwei Tore vor“, lobte Trainer Niko Kovac.

Konkurrenzkampf entfacht

„Es wird im Laufe der Saison ganz, ganz viele verschiedene Aufstellungen geben. Dementsprechend gilt es da für einen Spieler, nicht so sehr viel da hineinzuinterpretieren“, sagte Müller zum Bankplatz. Er sei ja schon „länger dabei“ bei Bayern: „Und es gab ganz wenige Perioden in den letzten zehn Jahren, in denen wirklich Spiele am Stück mit ein und derselben Mannschaft bestritten wurden.“

Der Promi-Wettstreit um die zentrale offensive Mittelfeldposition offenbart am markantesten die neue Trumpfkarte, die Kovac nach der späten Münchner Transferoffensive in Händen hält. Im dritten Spiel gab es sechs verschiedene Torschützen, angefangen bei den Neuzugängen Ivan Perisic und Benjamin Pavard über Freistoßschütze David Alaba, Kingsley Coman und Alphonso Davies bis zu Robert Lewandowski, der schon sein sechstes Saisontor erzielte. Die breite Qualität wurde erstmals ausgeschöpft. „Man sieht, was für einen Esprit wir auf den Platz bringen, was für eine Geilheit wir auf Fußball haben. Das merkt man, wie der Kader jetzt da steht, dass der Konkurrenzkampf angehoben wurde“, schwärmte Außenverteidiger Alaba. „Wir haben jetzt Breite und Tiefe“, sagte Kovac zum Kader, der in seinem zweiten Bayern-Jahr seinen Vorstellungen entspricht.

Kapitän Manuel Neuer mahnte mit Blick auf das nach der Länderspielpause anstehende Topspiel bei Spitzenreiter RB Leipzig allerdings: „Wenn man sechs Tore schießt, ist es sehr deutlich. Aber es gibt andere Mannschaften, wenn man da so beginnt, hat man nicht mehr die Möglichkeit, zurückzukommen.“ Die Mainzer waren kein Maßstab. dpa