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Fußball Das Sportgericht des DFB verhandelt am Freitag über die Einsprüche des HSV und des FC St. Pauli gegen die Zahlung drastischer Geldstrafen

Pyrotechnik bleibt ein Dauerbrenner-Thema

Frankfurt.Gegenseitiges Daumendrücken von Hamburger SV und FC St. Pauli – das kommt nur äußerst selten vor. Am Freitag könnte genau das aber der Fall sein. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verhandelt dann über die Einsprüche beider Zweitligisten gegen sechsstellige Geldstrafen, die ihnen ihre Fans mit dem verbotenen Abbrennen von Pyro und dem Zünden von Feuerwerk beim Stadtderby im September eingebrockt haben. Kein Einzelfall. Fast schon regelmäßig verhängt der DFB Geldstrafen gegen Vereine wegen verbotener Zündeleien ihrer Anhänger. Die Situation scheint festgefahren. Kompromissvorschläge verhallen.

„Nicht zufriedenstellend“, teilweise „besorgniserregend“ – so beschreibt der DFB die aktuelle Lage. Der Einsatz von Pyrotechnik habe in dieser und der vergangenen Spielzeit zugenommen. 152 Menschen sind laut Polizeistatistik in der Spielzeit 2018/19 durch Pyrotechnik verletzt worden – bei 22 Millionen Stadionbesuchern und 1127 Verletzten insgesamt, im Vorjahr waren es 53 Verletzte. Berücksichtigt sind dabei die Spiele der ersten drei Ligen, einschließlich der An- und Abreise zu Spielen. Die Dunkelziffer sei vermutlich höher, da nur polizeilich erfasste Verletzungen in der Statistik landen, sagt ein Sprecher des Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste in Nordrhein-Westfalen (LZPD). Über die Schwere der Verletzungen gibt die Statistik keine Auskunft.

Abgesehen von den Spielbehinderungen – wie gefährlich ist Pyrotechnik im Stadion? Von der „sehr großen Gefährlichkeit der Verwendung von extrem heißer Pyrotechnik und der gesundheitsschädlichen Rauchentwicklung“, spricht der DFB. „Keine riesengroße Gefahr“, sei Pyrotechnik so lange man mit ihr verantwortungsbewusst umgeht, sagt hingegen Sven Kistner vom Fan-Bündnis Queer Football Fanclubs (QFF), das nach eigener Aussage unterschiedlichste Fangruppen vertritt. Eine brennende Fackel dürfe nicht die Hand verlassen und Böller hätten im Stadion nichts zu suchen.

Härtere Strafen gefordert

Und dennoch werfen einige Stadionbesucher immer wieder auch Bengalos oder zünden Raketen. Die Polizei verweist auch die Gefahr von Panikreaktionen bei den Zuschauern, heißt es vom LZPD. „Alle Innenminister seien sich (...) einig, dass das Abbrennen von Pyrotechnik in Menschenmengen härter bestraft werden sollte“, sagt der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU).

Auf der anderen Seite steht ein Teil der Fans: „Wir vertreten mehrheitlich die Ansicht, dass Pyrotechnik (...) einfach auch bei einem Spiel dazugehört“, sagt QFF-Vertreter Kistner. Es seien bereits 2011 in Gesprächen mit dem DFB Vorschläge dazu gemacht worden: zertifizierte Erzeugnisse, fachlich unterwiesene Personen und festgelegte Bereiche für Pyrotechnik. Der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) erteilten der Legalisierung damals eine klare Absage.

„Gerade mit dem Scheitern dieser Gespräche ist die Pyrotechnik auch zu einem Symbol geworden“, sagt Jonas Gabler. Er forscht zur Fußball-Fankultur und berät mit seinem Unternehmen Verbände und Vereine. Nach dem Motto: „Ihr kriegt uns nicht klein. (...) Wenn wir es nicht legal machen können, dann machen wir es eben illegal“ – auch dafür stünden die Fackeln im Stadion für Ultras. Für Vereine, Verbände, Politik und Polizei stünde Pyrotechnik unabhängig von Gefährdungen auch für Regelverletzung an sich, die sie nach eigener Auffassung hart verfolgen müssten, sagt Gabler.

Der Fanforscher fordert wenigstens eine Schadensreduzierung. Er kann sich die Legalisierung bestimmter Formen von Pyrotechnik unter bestimmten Voraussetzungen vorstellen.

Kontrolliertes Abbrennen außerhalb des Zuschauerbereichs – daran arbeitet etwa der HSV, wie Vorstandschef Bernd Hoffmann sagte. Noch in dieser Saison soll ein Versuch bei einem Heimspiel im Volksparkstadion gestartet werden. „Wir befinden uns da in Gesprächen mit den zuständigen Behörden der Stadt Hamburg“, meinte Hoffmann. „Es kann aus unserer Sicht nicht sein, dass das, was bei jedem ortsüblichen Musikkonzert passiert, für den Fußball nicht zulässig sein soll.“ dpa