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Fußball Für den 1. FC Köln zählt erneut nur der Klassenerhalt / Mannschaft leidet extrem unter den Geisterspielen

Realitätssinn statt Träumereien

Archivartikel

Köln.Keine Woche ist es her, da setzte sich der FC Sevilla im Kölner WM-Stadion die kleine europäische Krone auf und ließ manchen Fan des 1. FC Köln in Erinnerungen an die Europapokal-Teilnahme 2017 schwelgen. Doch wie weit sind die Geißböcke tatsächlich von einer erneuten Europa-Tour entfernt?

Wird Köln ein Überraschungsteam dieser Saison?

Sehr unwahrscheinlich. Im zweiten Jahr nach der x-ten Rückkehr ins Oberhaus zählt ausschließlich der erneute Klassenerhalt. „Wir brauchen nicht viel rumträumen, unser Ziel sollte sein, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben“, schätzt Abwehrspieler Rafael Czichos die Lage realistisch ein. Mit der Hypothek aus zehn sieglosen Spielen nach der Corona-Pause stellen sich ohnehin mal wieder die Fragen nach der Eigenmotivation der Profis, der Qualität des vorhandenen Kaders und der Arbeit des Trainers.

Ist Trainer Markus Gisdol langfristig die richtige Wahl?

Mit der Illusion einer langfristigen Tätigkeit sollte sich in Köln keiner anfreunden. Vorgänger Achim Beierlorzer erwischte es schon nach dem elften Spieltag. Das Arbeitspapier von Markus Gisdol wurde nach dem geglückten Klassenerhalt im Sommer dennoch völlig zurecht verlängert. Nur die Laufzeit des Kontrakts (bis 2023) verwunderte viele. Der Schwabe hauchte ab November letzten Jahres einer verunsicherten und laufschwachen Mannschaft neues Leben ein, feierte vorübergehend acht Siege aus zehn Spielen. Gisdol hat die Fähigkeit, den trägen FC-Spielern Beine zu machen.

Kann Köln ohne Zuschauer einfach nicht gewinnen?

Der Eindruck liegt nahe. Zehn Spiele, nur vier Punkte (sechs Niederlagen, kein Sieg) vor leeren Rängen. Die heimische Südkurve kann ihre Elf beflügeln, wie es nur in wenigen Stadien vorkommt. Solange keine Fans ins Stadion kommen, müssen die Spieler andere Wege finden, die letzten Prozente aus sich herauszukitzeln. Wiederkehrende Aussagen wie von Torwart Timo Horn: „Uns fehlt die Unterstützung der Heimfans ganz besonders“, mögen der Wahrheit entsprechen, bringen aber keinen weiter.

Timo Horn: Olympia-Silber 2016, Ron-Robert Zieler: Weltmeister 2014. Verfügt Köln über eines der besten Torhüter-Duos der Liga?

Aktuell sicherlich nicht. Beide Torhüter würden ihre Leistungsbewertung der letzten Jahre mit dem Urteil „stagnierend“ dankend unterschreiben. Sowohl der 27-jährige Horn als auch Zieler befinden sich auf dem absteigenden Ast. Die Hoffnung: Mit dem Weltmeister im Nacken knüpft der als feste Nummer eins in die Saison startende Timo Horn wieder an frühere Leistungen an. Sollte das nicht passieren, muss Zieler bei seinem Jugendverein die Chance nutzen, um nicht selbst in Vergessenheit zu geraten.

Wo bleiben die dringend benötigten Neuzugänge?

Bisher wurde lediglich Zieler ausgeliehen. Vor allem das Ende der Leihe vom Schalker Mark Uth, der das Offensivspiel der Kölner in der Rückrunde auf ein höheres Niveau hievte, schmerzt. Derzeit fehlt schlicht das Geld für solch einen Königstransfer. Sportchef Horst Heldt musste zunächst händeringend nach Abnehmern für die teuren Reservisten im Kader suchen. Die Domstädter verliehen bereits sieben Spieler, deren Gehalt Köln dennoch zu Teilen weiter zahlt. Folgen einer verfehlten Personalpolitik der Vorgänger Jörg Schmadtke und Armin Veh.

Zudem droht der Abgang von Top-Torjäger Jhon Cordoba, dessen Vertrag nur noch bis 2021 läuft. Zumindest würde die Ablösesumme Heldt Spielraum geben, um vorhandene Schwachstellen im Kader neu zu besetzen und neben Uth einen weiteren Stürmer zu holen, da Anthony Modeste nicht wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat.

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