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Fußball Königsblaue trauern um verstorbenen ehemaligen Manager und gewinnen im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Düsseldorf mit 4:1

Schalke siegt für Rudi Assauer

Gelsenkirchen.Die Schweigeminute vor dem Anpfiff des Schalker Pokalspiels ging allen unter die Haut – die Nachricht vom Tod Rudi Assauers bewegte ganz Fußball-Deutschland. „Das, was sich Rudi an diesem wichtigen Tag wünschen würde, wäre ein gutes Fußballspiel. Und das will ihm die Schalker Familie geben“, rief Clemens Tönnies, der Aufsichtsratschef vom FC Schalke 04, den geschockten Anhängern kurz vor dem Achtelfinale im DFB-Pokal gegen Fortuna Düsseldorf über das Stadion-Mikrofon zu.

Die Mannschaft von Trainer Domenico Tedesco setzte das Ansinnen trotz anfänglich gedrückter Stimmung bei den 56 638 Fans in der Arena Auf Schalke in die Tat um und zog mit einem ungefährdeten 4:1 (1:0)-Sieg ins Viertelfinale ein. Sowohl die Führung (30. Minute) durch das erst 18 Jahre alte Stürmertalent Ahmed Kutucu, einem gebürtigen Gelsenkirchener, als auch die beiden Treffer von Salif Sané (48./87.) sowie das Tor von Mark Uth (53.) feierten die Anhänger ausgelassen. Die ganze Nordkurve schmetterte: „Rudi Assauer, schalalalala, Rudi Assauer, schalalalala!“ – es hätte ihm gefallen. Das Gegentor von Rouwen Hennings (71.) änderte nichts an dem emotionalen Abend.

„Sind tief betroffen und traurig“

Der frühere Schalke-Manager war am Mittwoch wenige Stunden zuvor gegen 15.30 Uhr im Alter von 74 Jahren an den Folgen seiner jahrelangen Alzheimer-Erkrankung gestorben. In seiner Wohnung in Herten schlief Assauer in den Armen seiner Tochter Bettina Michel ein. Auch Zwillingsschwester Karin war bei ihrem Bruder. Assauer wäre am 30. April 75 Jahre alt geworden. „Er war eine sehr, sehr große und wichtige Persönlichkeit für Schalke 04. Wir hoffen, dass dies das Pokal-Spiel nicht tangiert“, sagte Tedesco vor Anpfiff und behielt recht.

Die Nachricht vom Tod des beliebten und von den Fans verehrten Ex-Managers hatte zuvor schnell die Runde gemacht in der Arena, deren Bau Assauer vorangetrieben hatte. „Ohne Rudi wären wir alle nicht hier. Rudi ist der Architekt des modernen Schalke. Wir alle wussten um seinen Gesundheitszustand. Vielleicht ist es auch, so schwer wie es ist, eine Erlösung für ihn“, sagte Tönnies. „Wir sind tief betroffen und traurig.“ Auch Assauers langjährige Lebensgefährtin Simone Thomalla drückte ihre Trauer aus. „Gute Reise lieber Rudi. Du warst ein ganz besonderer Mensch und du wirst fehlen ...“, schrieb die Schauspielerin auf Instagram. „Es ist kein leichter Abend für alle“ – so leitete Schalkes Hallensprecher Dirk Oberschulte-Beckmann kurz vor dem Anpfiff um 20.45 Uhr ein denkwürdiges Pokalspiel ein. Das Schalke-Team und auch der Gegner aus dem Rheinland liefen mit Trauerflor auf. Zudem wurde eine Schweigeminute einlegt und auf dem Videowürfel erschien das Konterfei von Assauer – natürlich mit dicker Zigarre.

Der Fußball beherrschte Assauers Leben, bis zu seiner Erkrankung – und auch noch danach war er bis vor gut einem Jahr hier und da zu Gast bei den Heimspielen der Knappen, solange es sein Gesundheitszustand zuließ. In den letzten Monate war er schon auf den Rollstuhl angewiesen, wurde daheim gepflegt von seiner Tochter und seiner langjährigen Sekretärin Sabine Söldner.

Nach Jahren bei der SpVgg Herten war Assauer als Spieler 1964 zu Borussia Dortmund gewechselt. Mit dem BVB gewann er auf Anhieb den DFB-Pokal und 1966 an der Seite von Lothar Emmerich, Aki Schmidt und Reinhard „Stan“ Libuda den Europapokal der Pokalsieger gegen den hochfavorisierten FC Liverpool. Es war der erste Europacupsieg einer deutschen Clubmannschaft.

119 Bundesligaspiele bestritt Abwehrspieler Assauer für die Borussia, von 1970 bis 1976 kamen 188 für Werder Bremen hinzu, ehe er mit 32 Jahren seine aktive Laufbahn beendete. Nach seiner ersten Zeit als Schalke-Manager (1981 bis 1986) kehrte er 1993 zurück, blieb bis 2006 und sorgte für den Schalker Höhenflug. In der Saison 1995/1996 schaffte das Team mit Trainer Jörg Berger als Bundesliga-Dritter den Einzug in den Uefa-Pokal.