Fußball

Fußball Trainer Robert Prosinecki hat Aserbaidschan vorangebracht - und steht trotzdem vor einer ungewissen Zukunft

Schillernde Figur, schwieriges Umfeld

Kaiserslautern.Dass er einmal der bestbezahlte Fußballer der Welt war, sieht man Robert Prosinecki (Bild) nicht mehr an. Der frühere Spielmacher von Real Madrid und des FC Barcelona hat Hüftprobleme, hinkt leicht und raucht Kette. Das einzige, was er wahrscheinlich immer noch so gut kann wie in den 1990er Jahren, ist eine Zigarettenschachtel aus 50 Metern Entfernung von der Latte eines Fußballtores zu schießen.

Prosinecki wurde vor 48 Jahren in Deutschland geboren und kehrt an diesem Sonntag nach Deutschland zurück. Denn das kroatische Fußball-Idol ist seit drei Jahren Nationaltrainer von Aserbaidschan, dem letzten deutschen Gegner in der WM-Qualifikation (Sonntag, 20.45 Uhr/RTL). Prosinecki hat sich dazu entschieden, einer schillernden Spielerlaufbahn eine ziemlich verwegene Trainerkarriere folgen zu lassen. Er ging einst als kroatischer Nationalheld zum bekanntesten serbischen Club Roter Stern Belgrad zurück. Und er hat jetzt einen Job in Aserbaidschan, bei dem man aufgrund der politischen Verhältnisse kaum etwas gewinnen, aber viel verlieren kann.

Ehrgeizige Ziele

Ähnlich wie Katar gehört das kleine und ölreiche Land am Kaspischen Meer zu jenen Autokratien, die den internationalen Sport mit viel Geld aushalten und sich davon ein besseres Image versprechen. Die Uefa vergab zuletzt gleich zwei prestigeträchtige Ereignisse an die Hauptstadt Aserbaidschans: Das Europa-League-Finale 2019 sowie vier Spiele der EM 2020. Bei diesem Turnier dabei zu sein, ist das große Ziel. Prosinecki sagt dazu: "Das ist ein Traum, ja. Aber es wird für Aserbaidschan immer sehr schwer sein, eine WM oder eine EM zu erreichen." Auf der anderen Seite hat Prosinecki viel erreicht, seit er die Nationalelf 2014 übernahm. "Zehn Punkte in der WM-Qualifikation - das ist ein Rekord für Aserbaidschan", sagt der Kroate trotz der 1:2-Niederlage am Donnerstag gegen Tschechien. "Als ich hier anfing, standen wir in der Weltrangliste auf Platz 135. Jetzt sind wir 93. Mit Karabach Agdam spielt zum ersten Mal ein Verein in der Champions League mit. Es kommen einige junge Talente nach, es gehen immer mehr Leute zum Fußball. Wir haben uns verbessert."

Nach dem Spiel gegen Deutschland endet Robert Prosineckis Vertrag. Ob er die Aseris zur EM im eigenen Land führen soll oder überhaupt führen will, ist noch nicht klar. Er selbst sagt: "Ich werde sehen, was kommt." Und die Machthaber können nun aus der eigenen Erfahrung heraus entscheiden, was für einem Trainertypen sie diese Aufgabe am ehesten zutrauen. dpa