Fußball

Fußball Trainerlegende Jupp Heynckes freut sich auf seine Zeit nach dem Abschied von Bayern München

Sehnsucht nach dem Alltag

München.Nein, nein, nein. Jupp Heynckes lächelte und schüttelte bei seinen Worten amüsiert den Kopf. Das von ihm selbst diagnostizierte „Helfersyndrom“ werde ihn sicherlich nicht zu einer fünften Amtszeit zum FC Bayern zurückführen. So wird der 73-Jährige an diesem Samstag (20 Uhr) im DFB-Pokalfinale der Münchner gegen Eintracht Frankfurt ein letztes Mal an der Seitenlinie stehen.

Danach ist für eine herausragende Persönlichkeit im deutschen Fußball Schluss. „Wir wollen gerne einen Höhepunkt hinzufügen und noch einen Erfolg“, erklärte der Mann, der mit dem Münchner Triple im Jahr 2013 den größten Triumph im deutschen Vereinsfußball feierte.

Josef „Jupp“ Heynckes nimmt Abschied von der großen Bühne. Am Donnerstag wurde der 73-Jährige schon mit Beifall und einem Blumenstrauß an der Säbener Straße verabschiedet. Die Mitarbeiter des deutschen Fußball-Meisters standen Spalier für den Erfolgscoach.

Emotional wird es am Samstag. „Jupp, Jupp, Jupp“ wird als inzwischen schon legendärer Schlachtruf sicher auch beim Endspiel durch das Olympiastadion hallen. Vermutlich fließen nach den 90 oder 120 Minuten von Berlin auch ein paar Tränen beim schon vor einer Woche zum Bundesliga-Goodbye sehr berührten Trainer. „Es ist ganz klar, dass ein bisschen Wehmut mitklingt“, gestand Heynckes, der eigentlich längst mit der Trainerkarriere abgeschlossen hatte. „Für mich persönlich war 2013 der große Abschluss meiner Profikarriere. 2018 war ein Zubrot beziehungsweise da hat sich mein Helfersyndrom durchgesetzt.“

DFB-Pokal als Bringschuld

Die Spieler beschenkten ihn zum Liga-Ausklang mit einer großen Collage. Viel wichtiger ist aber nach der Meisterschale noch der Pott. „Wir sind in der Bringschuld, dass wir das veredeln“, sagte Kapitän Thomas Müller. „Was Jupp Heynckes für den Verein geleistet hat, ist unbeschreiblich.“ Müller konnte am Donnerstag wegen eines Magen-Darm-Infekts nicht trainieren. Mit seinem Einsatz können die Münchner für das Finale nicht planen.

Als torgefährlicher Stürmer für seine große Liebe Borussia Mönchengladbach wurde Heynckes einst als Inbegriff der legendären Fohlen-Elf gefeiert, gewann Meisterschaften, holte DFB-Pokal und Uefa-Cup. Er wurde Welt- und Europameister als Spieler. Auch wenn Heynckes zu den Anfängen von Deutschlands Eliteliga 1963 noch mit der Borussia in der Regionalliga West spielte – mehr Kind der Bundesliga geht fast nicht. Mit 1038 Partien als Trainer und Spieler ist er Rekordhalter vor Otto Rehhagel (1037).

Seine Trainer-Karriere hielt aber auch Stationen mit unglücklichem Ende für ihn parat. Im Ausland wurde Don Jupp 1998 mit Real Madrid Champions-League-Sieger. Einen Tag danach wurde er entlassen. Vorzeitig gehen musste der harmoniebedürftige Familienmensch auch in München: Die Entlassung von 1991 bezeichnete der heutige Präsident Uli Hoeneß später als „meinen größten Fehler“. Doch das sind im Rückblick Randaspekte des 2004 beim FC Schalke 04 von den Verantwortlichen „als nicht mehr zeitgemäß“ geschassten Trainers. Was vor allem im Gedächtnis bleibt, sind die großen letzten Jahre mit seinem zweiten Herzensclub, dem FC Bayern. „Er war immer ein toller Trainer, ein toller Mensch – aber jetzt ist er ein Feldherr geworden“, rühmte Hoeneß den prinzipientreuen Freund im Triplejahr.

Als erst vierter Coach gewann Heynckes die Königsklasse mit zwei verschiedenen Vereinen. Fußball-„Kaiser“ Franz Beckenbauer regte ein Denkmal für Jupp an. Heynckes sehnt sich nun mehr denn je nach Ruhe, nach der „Normalität des Alltags“, nach Zeit mit seiner Frau Iris, nach seinem Bauernhof. Und natürlich nach Spaziergängen mit Hund Cando. „Es war immer schon sehr schwierig, einen europäischen Spitzenclub zu trainieren. Obwohl man mir immer bescheinigt, ich sei so vital – das geht alles nicht selbstverständlich von der Hand“, schilderte Heynckes.

Er werde das Leben genießen. Langeweile werde er sicher keine haben, versprach der aus einfachen Verhältnissen stammende Heynckes dieser Tage. „Mir fällt immer was ein, was ich zu Hause mache. Ich glaube, das ist die beste Medizin, um jung und fit zu bleiben“, sagte er. „Ohne Chips, ohne Bier, ohne Wein, mit stillem Wasser“ werde er sich natürlich auch demnächst die WM-Spiele anschauen.