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Fußball Die sieben deutschen Europacup-Vertreter stehen vor einer schwierigen Wiedergutmachungs-Tour

Sehnsucht nach europäischen Trophäen

Archivartikel

Monaco.Einen kurzen Griff an den Henkelpott konnte sich Markus Krösche nicht verkneifen. „Da ist er ja“, entfuhr es dem neuen Sportdirektor von RB Leipzig über den im Foyer des eleganten Sporting Etoile Clubs von Monaco ausgestellten Königsklassenpokal. Als Objekte der Begierde hatte die Uefa die Trophäe für Champions League und die riesige Silbervase für die Europa League dort hübsch nebeneinander platziert. „Das ist ein weiter Weg“, meinte Krösche über die Chancen, den Pokal eines Tages als Königsklassen-Sieger wieder zu berühren.

Nach den Auslosungszeremonien an der Côte d’Azur sehen sich die sieben Bundesliga-Starter bei der versprochenen Wiedergutmachung für das mit Ausnahme von Eintracht Frankfurt kollektiv miserable Europacup-Abschneiden in der Vorsaison gleich vor schweren Aufgaben. Die Titelsehnsucht ist dabei nicht einmal die erste Priorität. Das Erreichen der K.o.-Phase ist – mit Ausnahme für die in der Königsklasse mit Losglück gesegneten FC Bayern –kein Selbstläufer.

„Wir sind alle aufgerufen, den deutschen Fußball gut zu vertreten unter der Woche. Da haben wir ein bisschen Nachholbedarf. Wir sind gut beraten, dass wir es ernst nehmen und möglichst weit kommen“, sagte Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke. Dabei hatten die Niedersachsen vom deutschen Europa-League-Trio mit KAA Gent, AS St. Etienne und PFK Olexandrija noch das leichteste Los erwischt.

„Haben Nachholbedarf“

Frankfurt mit dem FC Arsenal, Standard Lüttich und Vitoria Guimaraes und Borussia Mönchengladbach mit AS Rom, dem aufstrebenden türkischen Top-Club Basaksehir Istanbul und dem Wolfsberger AC haben mehr frühe Stolpergefahr in ihren Gruppen. „Ich würde nicht annehmen, dass wir durchmarschieren. Da gibt es eine Menge Brocken“, warnte Frankfurts Vorstandschef Axel Hellmann.

Diese Stolpergefahr hat für Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen prominente Namen. FC Barcelona und Inter Mailand sind in der BVB-Gruppe, Juventus Turin und Atlético hat Bayer erwischt. Da ist ein Dezember-K.o. in der Königsklasse vorstellbar. Für Leipzig scheint in einer sehr ausgeglichenen Gruppe mit Zenit St. Petersburg, Benfica Lissabon und Olympique Lyon von Platz eins bis vier alles möglich. Womöglich bleiben im Achtelfinale nur die Bayern übrig?

Rekordnationalspieler und Sky-Experte Lothar Matthäus, der selbst mit den Münchnern 1987 und 1999 zwei Finals in Landesmeistercup und Königsklasse verlor, warnte allerdings vor zu viel Demut. „Wir dürfen uns in Deutschland nicht schlechter machen, als wir sind. Wir haben eine hohe Anerkennung im Ausland, keiner will gegen deutsche Mannschaften spielen“, sagte er am Freitag. Der Blick auf die Uefa-Fünfjahreswertung ist noch nicht alarmierend.

Italien wurde hinter den enteilten Ligen aus Spanien und England von Platz drei mittlerweile verdrängt. Durch die Qualifikation der Eintracht können sieben deutsche Clubs in der Gruppenphase punkten. dpa