Fußball

So tippt der "MM" die Bundesliga-Saison

Sportredakteur Alexander Müller tippt den Ausgang der Bundesliga-Saison.

1. Borussia Dortmund

Große Klappe, viel dahinter: Dortmund hat aus der Verzagtheit der vergangenen Saison, die letztlich den locker möglichen Titel kostete, gelernt. Auf die verbalen Ankündigungen zur Attacke auf den FC Bayern folgten nachvollziehbare Großtaten auf dem Transfermarkt. Und da die Münchner immer noch auf der Suche nach sich selbst wirken, winkt dem BVB die Meisterschaft.

2. FC Bayern

Wochenlang diskutierten die Fans der Münchner nur über das kolportierte 200-Millionen-Pakt für den Transfer von Leroy Sané, am Ende kam statt des mittlerweile am Knie verletzten deutschen Nationalstürmers die preiswerte Lösung Ivan Perisic. In Summe hat der Rekordmeister auf dem Transfermarkt zu viele Fehler gemacht, als dass es für den achten Titel in Folge reichen könnte. Leidtragender könnte Trainer Niko Kovac sein, der trotz Doublegewinns keine Lobby besitzt und bei der erstbesten Krise fliegen könnte.

3. RB Leipzig

Wieso nur Leipzig? Die Karriereplanung von Julian Nagelsmann hat viele Fragen aufgeworfen. Doch in Leipzig findet der 32-Jährige das ideale Umfeld (und das nötige Kleingeld) vor, um nach seinen erfolgreichen Hoffenheimer Jahren vielleicht sogar um den Titel mitzuspielen. Diese Saison läuft aber noch unter dem Oberbegriff Eingewöhnung.

4. Bayer Leverkusen

Zwar kassierte Bayer in den Vorbereitungsspielen insgesamt 16 Gegentreffer, doch Leverkusens Luxuskader bleibt im Champions-League-Bereich. Alleine das Mittelfeld um Kai Havertz oder Kerem Demirbay klingt spektakulär.

5. Borussia Mönchengladbach

In Gladbach hat nach Routinier Dieter Hecking ein Jünger der Jürgen-Klopp-Pressing-Schule das Zepter übernommen. Ein Zauberer ist Marco Rose zwar nicht, aber der langjährige Salzburger Erfolgscoach bringt der Borussia die entscheidenden zusätzlichen Prozentpunkte, um wieder ins internationale Geschäft vorzustoßen.

6. Hertha BSC

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft hört bei Hertha BSC auf den Namen Lars Windhorst. Der Investor ist mit 125 Millionen Euro beim Hauptstadt-Club eingestiegen. Auf der Trainerposition wählten die Berliner mit Ante Covic eine interne Lösung mit Charme, im Kader steckt viel Fantasie. Es geht nach oben.

7. Eintracht Frankfurt

So schön wie in dieser traumwandlerischen Europa-Saison 2018/2019 wird es für die Eintracht zwar nicht mehr – aber Frankfurt beißt sich auch ohne Luka Jovic, Sebastien Haller und womöglich Ante Rebic im oberen Tabellendrittel fest. Die „Büffelherde“ mag weiterziehen, die gut aufgestellte Eintracht segelt weiter im stabilen Aufwärtstrend.

8. Werder Bremen

Warum Bremens Vereinsikone Max Kruse ausgerechnet zu Fenerbahce Istanbul gewechselt ist, versteht nicht nur an der Weser niemand. Auch ohne den Anführer bleibt das Ziel die Qualifikation für den Europapokal. Werder war schon in der vergangenen Saison eines der spannendesten Teams der Liga, das mit Florian Kohfeldt eine große Trainer-Hoffnung auf der Bank sitzen hat. Doch im oberen Tabellendrittel wird die Luft dünn.

9. VfL Wolfsburg

Mit dem Österreicher Oliver Glasner setzt Wolfsburg auf das „Modell Hütter“. Der Nachfolger von Bruno Labbadia steht für einen rasanten neuen Stil, an den sich die Wolfsburger erst einmal gewöhnen müssen. Dazu kommt die in den vergangenen Jahren ungewohnte Doppelbelastung mit der Europa League, die die Niedersachsen einige Punkte kosten wird.

10. FC Schalke 04

Eine miese Saison als riesige Hypothek im Gepäck, mit David Wagner ein neuer Trainer mit neuen Ideen, dazu der Rassismus-Eklat um Clubboss Clemens Tönnies – die Zeiten auf Schalke bleiben unruhig, Wagner kitzelt zumindest die vorhandene Substanz wieder verlässlich aus dem Kader. Aber die ist eben mittelmäßig.

11. 1. FC Köln

Geißbock Hennes VIII. wird die Rückkehr des FC in die Bundesliga nicht mehr live im Stadion verfolgen können. Er leidet an Arthrose und zieht sich ins Privatleben mit Ziegenfreundin Anneliese zurück. Damit verpasst er einige gute Kölner Auftritte, denn unter dem neuen Trainer Achim Beierlorzer etabliert sich derAufsteiger problemlos wieder in Liga 1. Was aber auch nicht so schwer ist, wenn man im Unterhaus einfach mit seiner Bundesliga-Mannschaft weitergespielt hat.

12. TSG 1899 Hoffenheim

Was ist die TSG ohne den Nagelsmann-Effekt und fast ein halbes Dutzend verkaufter Leistungsträger noch wert? Die Hoffenheimer stehen vor einem Jahr des Umbruchs. Die Mannschaft ist sicher schwächer besetzt als in der Vorsaison, hat aber in der Breite immer noch genug Qualität, um sich zumindest von den unteren Tabellenrängen fernzuhalten.

13. FSV Mainz 05

Das Pokal-Aus beim Erzrivalen Kaiserslautern wird die Nullfünfer noch ein bisschen länger schmerzen. Ansonsten besteht aber Hoffnung, dass Mainz relativ sorgenfrei durch seine elfte Bundesliga-Saison nacheinander kommt. Nur einen Stürmer, den sollte der FSV nach der Meniskus-OP von Torjäger Jean-Phlippe Mateta besser noch verpflichten.

14. FC Augsburg

Die Augsburger Anhänger beten, dass der letzte Spieltag der Vorsaison kein böses Omen für die neue Spielzeit darstellt. Da gab es ein ganz übles 1:8 gegen Wolfsburg. Insgesamt hat sich der FCA – unter anderem mit dem Freiburger Angreifer Florian Niederlechner – so verstärkt, dass die Konkurrenzfähigkeit wieder hergestellt zu sein scheint.

15. SC Freiburg

Liga-Chef Christian Seifert hat es zurecht gesagt: „Der SC Freiburg ist der zweitbeste Club der Liga, wenn man das Abschneiden in den letzten fünf Jahren in Relation zum Geldmitteleinsatz betrachtet.“ Das bedeutet aber auch, dass sich die Breisgauer in jedem Jahr gewaltig strecken müssen, um sich in der Bundesliga zu behaupten.

16. Fortuna Düsseldorf

Hätte es Jürgen Klopps Champions-League-Triumph mit Liverpool nicht gegeben, Friedhelm Funkel wäre verdientermaßen zum Trainer des Jahres gewählt worden. Der völlig souveräne Klassenerhalt mit Fortuna Düsseldorf war eine Glanzleistung, in dieser Saison wird der Veteran aber alle seine Erfahrung benötigen, um den Absturz zu verhindern.

17. Union Berlin

Für alle Fußball-Romantiker ist es wunderbar, dass ein Kultclub wie Union auch einmal in der Bundesliga mitmachen darf. Zwar wurde mit Anthony Ujah, Christian Gentner oder Neven Subotic viel erstklassige Erfahrung dazu geholt, aber am Ende reicht es knapp nicht.

18. SC Paderborn

Jeder Spieltag, den der SC Paderborn im Fußball-Oberhaus bestreiten darf, ist ein Schlag in die Magengrube für die Fans des Hamburger SV. Der Sensationsaufsteiger mit seinem spektakulären Pressing hat sich vorgenommen, die üppigen Fernsehgelder in der Bundesliga eine Saison lang mitzunehmen – und konsequenterweise fast nur Spieler aus unteren Ligen verpflichtet.

Zum Thema