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Fußball Bundesliga startet trotz Kritik und Eskapaden mit dem 26. Spieltag / Revierderby in Dortmund / Labbadia feiert Debüt für Hertha

Spielbetrieb auf Bewährung

Archivartikel

Frankfurt.Jetzt gilt’s! 63 Tage nach dem Corona-Stopp wagt die Bundesliga mit angepasstem Regelwerk den Sprung zurück in den Alltag – und steht beim Neustart als erste große internationale Sportliga überhaupt unter maximaler Beobachtung. Das Kabinenvideo von Herthas Salomon Kalou und eine flapsige Einkaufserzählung von Augsburg-Trainer Heiko Herrlich boten schon vor Wiederaufnahme einen Vorgeschmack, welche Fallhöhe droht: Die Missachtung der Hygieneregeln hat nicht nur direkte Konsequenzen zur Folge, sondern bringt den „absoluten Notbetrieb“, so DFL-Boss Christian Seifert, in akute Gefahr.

Von diesem Samstag an soll sich aus Sicht der Deutschen Fußball Liga (DFL) wieder alles um Fußball drehen, doch so einfach ist das nicht. Der unter strengen Auflagen genehmigte Neustart wird zum Stresstest. „Ich war fast noch nie so angespannt. Wir wissen sportlich nicht, wo wir stehen. Ich frage mich natürlich, ob alles funktionieren wird, was wir organisatorisch vorbereitet haben“, sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Bayerns Trainer Hansi Flick betonte: „Die ganze Welt schaut auf Deutschland, wie wir das machen.“ Dies könne eine Signalwirkung für „alle Ligen“ haben.

Ob die Saison bis 30. Juni beendet werden kann, ist angesichts vieler Fragen völlig offen. Schon die zügige Erlaubnis von Bund und Ländern ist aber ein Teilerfolg, auf dem nun aufgebaut werden soll. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der den Neustart kritisch sieht, deutete im „Spiegel“ bereits an, die komplette Bremer Mannschaft in Quarantäne zu schicken, wenn sich ein Profi mit dem Coronavirus infiziere.

Verstöße gegen Regularien

„Wenn die Geisterspiele wegen der Fans zum Infektionsrisiko werden, könnte ein Verbot unvermeidbar werden. Das Risiko, den Spielbetrieb der Bundesliga erneut unterbrechen zu müssen, ist also hoch“, bekräftigte Mäurer. Während in der 2. Bundesliga erste Spiele wegen einer Team-Quarantäne von Dynamo Dresden verlegt wurden, soll das Oberhaus planmäßig mit allen neun Partien des 26. Spieltags starten.

Um die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung zu reduzieren, ordneten Bund und Länder an, dass Vereine sich vor dem Neustart in ein quarantäneartiges Trainingslager begeben sollen. Dieses sollte sieben Tage dauern. Doch es gab Schwierigkeiten: Während Mönchengladbach sein Hotel erst montags bezog und damit zu kurz vor dem Spiel in Frankfurt am Samstag, nahm es Augsburgs Trainer Herrlich nicht so genau. Um Hautcreme und Zahnpasta zu besorgen, ging er einkaufen, wie er am Donnerstag erzählte.

Was er zunächst als Schmonzette schilderte, hat Konsequenzen. Herrlich räumte das Fehlverhalten noch am Abend ein und verordnete sich selbst eine Zwangspause für das Training am Freitag und die Partie gegen Wolfsburg am Samstag. Sein Debüt verschiebt sich also. „Ich habe einen Fehler gemacht, indem ich das Hotel verlassen habe. Auch wenn ich mich sowohl beim Verlassen des Hotels als auch sonst immer an alle Hygienemaßnahmen gehalten habe, kann ich dies nicht ungeschehen machen“, sagte Herrlich.

Werder-Profi in Quarantäne

Sportliche Themen wie der offene Meisterkampf sowie das bevorstehende Revierderby oder das Debüt von Bruno Labbadia als Hertha-Trainer gegen Hoffenheim blieben in der Woche des Neustarts Randaspekte. Bei der Abstiegsfrage wurde weniger über die Qualität von Bremen oder Paderborn diskutiert als mehr über Wertungsfragen, falls doch abgebrochen werden muss. Die DFL hat diesen Punkt vertagt und geht ohne Lösung in ihren Laborversuch, der die Beteiligten für mehrere Wochen so gut wie möglich von der zuletzt immer weiter geöffneten Gesellschaft abschotten soll. Am Freitag gab Werder Bremen bekannt, dass sich ein Spieler nach einem positiven Corona-Test in seinem Umfeld in häuslicher Quarantäne befindet. Das Team darf allerdings gegen Bayer Leverkusen antreten, da der Spieler selbst nach Angaben des Vereins seitdem zwei Mal negativ getestet wurde

Das Ziel der 36 Proficlubs ist klar: Fertigspielen – irgendwie! An den TV-Millionen hängt nicht nur die Existenz einiger Vereine, sondern laut Seifert auch der Fortbestand der Bundesliga. Mit dem Hygienekonzept hat die DFL die Politik zwar vom Neustart überzeugt, doch auch bei Fans wie dem bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Markus Söder („Ein Wochenende mit Fußball ist deutlich erträglicher als ein Wochenende ohne Fußball“) bleiben Zweifel. Man müsse, wenn es nicht geht, „auch die Notbremse ziehen“, stellte er klar. dpa

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