Fußball

Bundesligaserie V Mithilfe der 41,5 Millionen Euro von der Daimler AG will sich der VfB Stuttgart wieder in der Bundesliga etablieren / Hoffnungsträger Holger Badstuber

Stern-Taler

Stuttgart.Auf seinen Königstransfer muss Trainer Hannes Wolf noch ein bisschen verzichten. Dabei würde er ihn nur allzu gerne einsetzen. Doch Holger Badstuber ist schlichtweg nicht in der Verfassung, um dem VfB Stuttgart jetzt schon helfen zu können. Das weiß der Ex-Bayern-Star selbst. "Ich brauche Training, Training, Training", sagte der 28-Jährige, der bei seiner ersten Pressekonferenz fast schon ein bisschen genervt die Diskussionen um seine Verletzungsanfälligkeit vom Tisch wischte: "Ich bin seit knapp einem Jahr gesund und konnte alle Trainingseinheiten durchziehen." Sein Körper funktioniere gut, versicherte der ehemalige Nationalspieler: "Ich vertraue ihm."

Umwandlung in eine AG

Einen Badstuber in Bestform kann der VfB zweifelsohne gut gebrauchen. "Er ist ein Wunschspieler. Wir haben dringend Verstärkung in der Abwehr gebraucht", sagte Wolf der "Stuttgarter Zeitung". Er weiß: Ohne eine starke Defensive wird es schwer, den Klassenerhalt zu packen. Schon in der vergangenen Saison wackelte die Verteidigung des Zweitliga-Meisters. Das Problem ist also bekannt, die Gefahr aber nicht gebannt - weshalb die Einkaufstour weitergeht. Ein Rechtsverteidiger und ein Sechser sollen noch her.

Das Investitionsvolumen ist trotz der Ausgaben in Höhe von 17 Millionen Euro noch nicht aufgebraucht - und das aus einem einzigen Grund. Anfang Juni stimmten die Mitglieder für die Umwandlung der Profifußballabteilung in eine AG - und praktisch über Nacht wurde der VfB um 41,5 Millionen Euro reicher. Die Daimler AG erwarb sofort 11,75 Prozent der Anteile.

Präsident träumt von Europa

Mit der Entscheidung für die Ausgliederung habe der Verein "Geschichte geschrieben", sagte der spürbar erleichterte Präsident Wolfgang Dietrich nach dem positiven Votum und verkündete stolz, dass das Geld nicht nur in die Mannschaft, sondern vor allem auch in die Infrastruktur und Nachwuchsarbeit gesteckt werde. Nichts deutete darauf hin und niemand ahnte an diesem historischen Abend die tiefen Gräben zwischen Sportvorstand Jan Schindelmeiser auf der einen Seite sowie Dietrich und dem Aufsichtsrat auf der anderen. Fünf Wochen später gab der Club die Trennung von Schindelmeiser bekannt. Von Alleingängen bei der Kaderplanung und fehlenden Absprachen war die Rede. Mal wieder ging es hoch her beim VfB, obwohl die Verantwortlichen seit dem Absturz 2016 genau wissen, wozu die Turbulenzen geführt haben. Auch Dietrich.

"Der Abstieg war kein Betriebsunfall, sondern das Ende eines langen Niedergangs. Deshalb müssen wir denken wie ein klassischer Aufsteiger, mit viel Respekt vor der Aufgabe", sagt der Präsident und übt sich durchaus in Bescheidenheit. Angesichts der Stern-Taler, den Mercedes-Millionen, und der Aussicht auf frisches Kapital - der VfB will durch weitere Verkäufe von AG-Anteilen noch einmal 60 Millionen Euro erlösen - möchte er sich aber auch nicht allzu lange mit dem Thema Klassenerhalt beschäftigen, wie Dietrich in der "Sport Bild" verriet. Seine Vision sieht vor, innerhalb der nächsten vier Jahre international zu spielen. Er denkt weiter - und in anderen Dimensionen. "Mein Traum ist, dass bestenfalls nur zwei Vereine größer sind als wir. Der eine sitzt im Süden, der andere im Westen. Dass das ein sehr weiter Weg ist, ist mir klar. Aber es gibt Beispiele, wie schnell das bei den entsprechenden Strukturen gehen kann. Schauen Sie sich Dortmund 2008 an."

Wolfs Rasselbande

Den passenden Trainer für dieses ehrgeizige Vorhaben glauben die Stuttgarter mit Wolf gefunden zu haben. Der 36-Jährige, der einst von Jürgen Klopp zu Borussia Dortmund geholt wurde, kam im September zu den Schwaben und pflegt einen lockeren Umgang mit der Mannschaft. Von seinen Spielern wird er geduzt, auch die Aufstiegssause auf Ibiza ließ sich der Coach nicht nehmen. Diese Nähe zu den Profis unterscheidet ihn fraglos von einem wie Thomas Tuchel, der ihn beim BVB aber als Trainer prägte. Personal-, Positions- und Taktikwechsel stehen bei Wolf praktisch wöchentlich an, bisweilen gebe es von Trainerseite schon einen "krassen Input", wie der gebürtige Bochumer zugibt.

Ein oder zwei Stürmer, Dreier- oder Viererkette - Wolf legt sich nicht fest, er liebt die Flexibilität. Allerdings ist ihm auch bewusst, dass er sein junges Team nicht überfordern darf. Mit Ausnahme von Badstuber und Weltmeister Ron-Robert Zieler wurden von Schindelmeiser nur Talente verpflichtet, was Dietrich in dieser krassen Ausprägung missfiel. Offen kritisierte er nach der Trennung die Personalpolitik des Ex-Sportvorstands. "Es geht nicht um die getätigten Transfers, es geht vor allem um die fehlenden Transfers", sagte der Präsident: "Wir haben junge Spieler, die sich weiterentwickeln können. Aber wir wissen alle, dass wir noch eine ganze Menge Stabilität gebraucht haben." Korrigieren muss das nun der neue Sportvorstand Michael Reschke: Ihm stehen 15 Millionen Euro für weitere Neuzugänge zur Verfügung. Ein paar Stern-Taler sind also noch übrig.

Zum Thema