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Fußball Machtmonopol in Chemnitz bei extremen Fans / Aufarbeitung des Skandals läuft

„Szene spürt Auftrieb“

Chemnitz.Strafanzeige, weitere personelle Konsequenzen und Ermittlungen: Die Aufarbeitung der umstrittenen Trauerfeier um einen toten Rechtsextremen wird den Chemnitzer FC und die Stadt noch länger beschäftigen. Der Verein trennte sich am Montag von drei weiteren Mitarbeitern und stellte Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Chemnitz. Der Nordostdeutsche Verband leitete Ermittlungen ein, der Deutsche Fußball-Bund distanzierte sich „in aller Deutlichkeit“ von den Ereignissen, die Chemnitz seit Samstag erneut in den Brennpunkt weit über den Sport hinaus rücken.

„Vor dem Hintergrund, dass im September 2018 schon viel diskutiert worden ist, welchen Einfluss die gewalttätige rechtsextreme Szene in Chemnitz hat, sind die Ereignisse noch unfassbarer“, sagte der Hooligan- und Fan-Forscher Robert Claus. Die Szene habe Auftrieb bekommen, zeige ihren Machtanspruch, nachdem unter anderem rechtsextreme Proteste in Chemnitz im vergangenen Sommer für Entsetzen gesorgt hatten. Nach dem Tod eines Mannes am Rande des Stadtfestes hatten Chemnitzer Hooligans dem Verfassungsschutz zufolge für die Proteste mobilisiert.

„Im Gegensatz zu vielen anderen Gruppen in Deutschland gibt es in Chemnitz keine antidiskriminierende Ultra-Gruppe oder Faninitiative. Somit liegt das Machtmonopol in der Fanszene bei den extrem rechten Hooligans“, erklärte Claus.

Die Trauerbekundung für Thomas Haller löste vielerorts Unverständnis und Entsetzen aus. Sachsens Innenstaatssekretär Günther Schneider verurteilte die Aktion und sprach bei einer Sicherheitskonferenz mit den Innenministern von Sachsen-Anhalt und Thüringen in Erfurt von einem „unsäglichen Ereignis“. Es sei völlig inakzeptabel, dass ein Fußballclub ein solches Gedenken veranstalte.

Drei weitere Entlassungen

Der Verein hatte am Sonntag zunächst darauf hingewiesen, dass es sich um keine offizielle Trauerbekundung gehandelt habe. Am Montag distanzierten sich auch „die Chemnitzer FC Fußball GmbH, Ihre Gesellschafter und Sponsoren sowie der Insolvenzverwalter als Vertreter des Chemnitzer FC e.V.“ von den Ereignissen. Zudem beendete der Verein die Zusammenarbeit mit seinem bisherigen Stadionsprecher, einem Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung und der Fanbeauftragten, die auch SPD-Stadträtin ist. Sie hatte in einem später gelöschten Post bei Facebook den Tod Hallers betrauert.

Neben einer Art Schweigeminute hatten in schwarz gekleidete Fans in der Südkurve auch noch eine Pyro-Show in Rot und Weiß gezündet, wie TV-Bilder zeigten. Zudem wurde ein Porträt Hallers, der als Mitgründer einer ehemaligen rechtsextremen Organisation galt, auf der Video-Leinwand gezeigt. „Die Würdigung eines Nazis im Stadion des Chemnitzer FC widerspricht meinen tiefsten Grundüberzeugungen“, sagte Insolvenzverwalter Klaus Siemon. Er hatte erst nachträglich von den Vorkommnissen erfahren. dpa

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