Fußball

Überblick Weltweit stellt eine Liga nach der andern den Betrieb ein / EM-Verschiebung 2020 denkbar / Zwangspause für Profis von Real Madrid

Toni Kroos unter Quarantäne

Archivartikel

Berlin.Das Coronavirus löst Chaos im Sport aus. Die Corona-Pandemie stoppt eine Liga nach der anderen – in den USA pausieren die NBA, MLS und NHL, in Deutschland seit Donnerstag die Bundesligen der Handballer und Basketballer. Und die Europäische Fußball-Union lädt zu einer Krisensitzung am kommenden Dienstag: Die Verschiebung der EM 2020 ins kommende Jahr wird immer wahrscheinlicher, fast unumgänglich scheint die Aussetzung der Champions League und Europa League. Am Abend hat der Fußball-Weltverband FIFA bekanntgegeben, die WM-Qualifikation in Südamerika zu verschieben. Die ersten Partien der insgesamt zehn Nationen sollten eigentlich am 26. März, 27. und 31. März stattfinden – nun sollen neue Termine gefunden werden. Die Entwicklungen überschlagen sich.

Real Madrid stellte am Donnerstag seine Fußballer um Nationalspieler Toni Kroos und die Basketballer nach einem positiven Test unter Quarantäne. Der Formel-1-Auftakt steht vor der Absage, nachdem ein McLaren-Mitarbeiter positiv getestet wurde und der Rennstall für den Großen Preis von Australien zurückzog. Und das ist nur ein Auszug.

Uefa hält sich bedeckt

Fast stündlich vermelden weitere Sportarten Konsequenzen wegen der Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2. Auch die Zweifel an Olympia in Tokio wachsen – wie die Zahlen der weltweit Infizierten.

Der Deutsche Fußball-Bund beschäftigt sich auch bereits mit einem Saisonabbruch, wie Generalsekretär Friedrich Curtius in einem Gastbeitrag für den „Kicker“ schrieb. „Aktuell kann noch niemand die Folgen des Coronavirus für den Fußball in ihrem gesamten Ausmaß absehen. Wir müssen uns mit allen Szenarien beschäftigen, um vorbereitet zu sein, wenn der Fall eintreten sollte, dass der Spielbetrieb unterbrochen oder die Saison sogar vorzeitig beendet werden müsste.“ Über das Test-Länderspiel am 26. März in Spanien gegen Deutschland, für das Kroos durch die Quarantäne-Maßnahmen nicht zur Verfügung stehen dürfte, will der spanische Verband als Gastgeber am Freitag beraten.

Die Hoheit über die Bundesliga, die ihren Spieltag erstmals komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolvieren wird, und der 2. Liga hat derweil die Deutsche Fußball Liga. Und die hielt sich in den vergangenen Tagen mit Äußerungen zurück. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert lobte stattdessen die Sky-Pläne, die Konferenz am Samstag ohne Bezahlschranke zu übertragen: „Auch wenn der Stadionbesuch nicht möglich ist, muss an den kommenden Spieltagen niemand auf Bundesliga und 2. Bundesliga als Live-Erlebnis verzichten.“ Woanders wurde konsequent gehandelt. Die beste und berühmteste Basketball-Liga der Welt, die NBA, stellte den Spielbetrieb vorerst ein, nachdem ein Spieler der Utah Jazz positiv getestet wurde. „Wenn das hier einfach explodiert, denkst du an deine Familie und möchtest sichergehen, dass du das Richtige tust“, betonte Mark Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks. Die Fußballliga MLS und die Eishockeyprofis der NHL zogen nach.

Weitermachen geht nicht mehr

Ein Weitermachen-wie-bisher gibt es fast nirgendwo mehr. Die für die kommende Woche geplanten Partien in der Champions League zwischen Manchester City und Real Madrid sowie zwischen Juventus Turin und Olympique Lyon wurden abgesagt. Italien gilt als das Epizentrum des Coronavirus auf dem Kontinent. Die spanische Liga setzt für zwei Wochen den Spielbetrieb aus. Frankreich spielt ohne Zuschauer, was Medienberichten zufolge auch in der englischen Premier League so kommen soll. Der südamerikanische Verband rief die FIFA zur Verschiebung der ersten WM-Qualifikationsspiele auf.

Und auch das angesetzt EM-Vorbereitungsturnier in Katar, das in der kommenden Länderspielpause durchgeführt werden sollte, ist abgesagt worden. Geplant war für Ende März ein Turnier mit Europameister Portugal sowie den weiteren EM-Startern Belgien, Kroatien und der Schweiz. Eine mögliche Absage der Euro in zwölf Ländern vom 12. Juni bis 12. Juli würde zumindest den nationalen Ligen mehr Spielraum geben, wenn sie wie nun wie in Italien oder Spanien pausieren. Wie geht es weiter? Weitere Abbrüche und Absagen sind wahrscheinlicher als ein halbwegs geregelter Ablauf. Die deutschen Basketballer und Handballer zogen nach langen Beratungen Konsequenzen, unterbrachen den Spielbetrieb aber nur. Zuvor hatte die Deutsche Eishockey Liga die Spielzeit ohne Meisterkür gänzlich beendet. dpa