Fußball

Fußball Im richtungsweisenden Kellerduell geht es für Stuttgart und Hannover fast um alles / Zwei Abstürze mit Vorgeschichte

Treffen am Tiefpunkt

Archivartikel

Stuttgart.„Zwei Traditionsvereine“. Mehr wollte Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl nicht sagen zu den Gemeinsamkeiten zwischen seinem VfB und dem nächsten Gegner Hannover 96. Warum die beiden Clubs gemeinsam ab- und dann wieder aufgestiegen sind, warum sie nach dem ersten Jahr aber nun schon wieder ganz tief drin stecken im Überlebenskampf der Fußball-Bundesliga und warum sie sich eine Niederlage im direkten Duell am Sonntag (15.30 Uhr) nicht leisten können, dafür hat selbst Weinzierl keine richtige Erklärung.

„Das sind Traditionsvereine mit allen Merkmalen. Da gibt es Vorzüge. Und nicht Nachteile, aber Gegebenheiten“, antwortete der Bayer auf weitere Nachfragen. „Wir brauchen jetzt nicht in der Vergangenheit rumwühlen, nicht an die Zukunft denken und auch nicht die beiden Vereine vergleichen.“ Einzig das Spiel am Sonntag sei wichtig. Hannover ist 17., der VfB steht mit zwei Punkten mehr auf Rang 16.

„Schaut auf die Tabelle“

Die Parallelen zwischen den beiden Vereinen aus den Luftlinie 400 Kilometer voneinander entfernten Landeshauptstädten Niedersachsens und Baden-Württembergs sind augenscheinlich. Beide Clubs haben in ihrer Not schon den Trainer gewechselt, beide Präsidenten Wolfgang Dietrich (Stuttgart) und Martin Kind (Hannover) stehen im Zentrum der Fan-Kritik. Vor allem aber haben beide Vereine noch nie in ihrer Geschichte eine schlechtere Bundesliga-Saison gespielt als derzeit. 15 Niederlagen nach 23 Partien: Das ist für beide ein Tiefpunkt.

Hauptgrund hier und dort: Die Kader wurden im Sommer überschätzt. Bei Hannover waren die Warnsignale dabei gut sichtbar, in der Rückrunde holte der Verein nur noch magere 16 Punkte. Stuttgart dagegen wähnte sich nach dem Blick auf die Rückserientabelle, in der nur der deutsche Meister aus München noch besser war, in Sicherheit und voll im mittelfristigen Plan zurück in den Europapokal. Mit dem Abstieg werde der VfB nichts zu tun haben, tönte der ehemalige Sportvorstand Michael Reschke. Für seine Transfers mit Routiniers wie Gonzalo Castro und millionenteuren Talenten wie Pablo Maffeo gab es viel Lob. Nur: Castro ist noch immer ein Fremdkörper. Und Maffeos Unpässlichkeit wegen Magen-Darm-Problemen in dieser Woche beunruhigt in Stuttgart niemanden. Der junge Spanier ist unten durch.

Hannover verlor im Sommer sogar noch Spieler, die sowohl für die Qualität auf dem Platz als auch für die Hierarchie innerhalb des Kader wichtig waren: Salif Sané (FC Schalke 04), Felix Klaus (VfL Wolfsburg) und auch Martin Harnik (Werder Bremen). Fast alle Neuzugänge, die Manager Horst Heldt und Ex-Trainer André Breitenreiter verpflichteten, enttäuschten bislang. Kevin Wimmer in der Abwehr, Bobby Wood im Sturm, der Ex-Stuttgarter Takuma Asano gleich dahinter. Auch der brasilianische Nationalspieler Walace baute immer mehr ab.

Lange Verletztenliste

Im Verlauf der Hinrunde passierte den Niedersachsen dann auch noch das, was einem qualitativ so limitierten Kader niemals passieren durfte: Die wichtigsten Offensivspieler Niclas Füllkrug, Ihlas Bebou und Toptalent Linton Maina verletzten sich und fielen längerfristig aus. Seitdem Hannover das Hinspiel gegen Stuttgart mit 3:1 gewonnen hat, sind nur noch zwei Siege hinzugekommen. Das 2:0 gegen Schlusslicht Nürnberg vor drei Wochen war der einzige Erfolg unter dem neuen Trainer Thomas Doll.

Weinzierl geht in sein 17. Bundesliga-Spiel als VfB-Chefcoach. Gewonnen hat er davon: drei. „Zur Wertigkeit des Spiels: Schaut auf die Tabelle“, sagte er. Und die hat sich nach dem gestrigen Augsburger 2:1-Coup gegen Dortmund noch einmal verschärft: Stuttgart liegt jetzt fünf Punkte hinter dem FCA.

Info: Video unter morgenweb.de/fussball

Zum Thema