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Fußball Münchens Coach Kovac kritisiert Bundestrainer Löw für die Ausbootung von Boateng, Hummels und Müller

Trotzige Bayern

Archivartikel

München.Der Ärger um die radikale Personalpolitik von Joachim Löw ebbt nicht ab, jetzt hat sich auch Bayern-Coach Niko Kovac in die Reihe der Kritiker eingereiht. „Meine Spieler sind enttäuscht. Gerade die Endgültigkeit mit 30 und 29 schon als altes Eisen bezeichnet zu werden, das ist nicht richtig“, erklärte der ebenfalls von Löw überraschte Cheftrainer des deutschen Rekordmeisters am Donnerstag.

„Es gibt nichts Besseres und Größeres für einen Fußballer, als für sein Land zu spielen“, betonte Kovac. Er riet den von Löw aussortierten Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels zu einer Trotzreaktion, „um sich selbst und allen anderen zu beweisen, dass sie die Qualität haben, für ihr Land zu spielen.“ Diese Qualität hatte Löw den ehemaligen Weltmeistern nach vielen gemeinsamen Jahren abgesprochen. Kovac setzt auf den ungebrochenen Ehrgeiz von Müller, Hummels und Boateng in den nun folgenden wichtigen Vereinsspielen: „Jeder Einzelne weiß, dass es jetzt mal so ist. Das ist Vergangenheit.“ Alle seien „Profis und tolle Charaktere, die es in ihrer Laufbahn schon oft bewiesen haben: Wenn der Druck groß ist, sind sie zu Höchstleistungen imstande.“

Es hagelt Kritik

Löw bleibt nach der teilweise heftigen Kritik an seinen radikalen Umbaumaßnahmen bei seiner Linie. Am 15. März will der Bundestrainer Teil zwei seines neuen EM-Planes präsentieren und dabei die nächsten Geheimnisse um seinen erneuerten Kader für den Länderspiel-Auftakt 2019 lüften. Der entschlossene Löw setzt auf den Zeitfaktor. Die Sportliche Leitung hält die Unruhe nach so einer tiefgreifenden Entscheidung für normal, bei einer Trennung nach langer gemeinsamer Zeit gebe es nie nur Gewinner.

Nach der Ausmusterung der drei ehemaligen Weltmeister wird der Bundestrainer in der kommenden Woche mit seinen Assistenten Markus Sorg und Andreas Köpke die Feinabstimmung des Umbau-Konzepts in Angriff nehmen. Auch mehrere Spielbeobachtungen sind bis zur Kader-Bekanntgabe geplant. Am 20. März tritt das DFB-Team in Wolfsburg zu einem Testspiel gegen Serbien an. Vier Tage später beginnt in Amsterdam gegen die Niederlande die Ausscheidung für die paneuropäische EM 2020.

Kovac berichtete gestern vom Löw-Besuch bei den Bayern zwei Tage zuvor. Der Bundestrainer habe zweimal bei ihm angerufen, er sei aber in einer Besprechung gewesen. Beim Kovac-Rückruf saß Löw schon im Flieger Richtung München. „Ich habe nicht gewusst, worum es geht“, sagte der Bayern-Trainer, der von Löw persönlich über das Nationalmannschafts-Aus für Müller, Hummels und Boateng informiert wurde. Der 47-jährige Kovac riet dem Trio: „Die Gegenwart und die Zukunft kann man beeinflussen – und die heißt FC Bayern München.“

Der enttäuschte Müller hat in einer persönlichen Botschaft über die sozialen Netzwerke bereits signalisiert, dass er mit seinen kommenden Club-Auftritten dem Bundestrainer beweisen will, dass dessen Entscheidung falsch ist. „Das Spiel ist noch nicht aus“, sagte der 29-Jährige. „Wer mich kennt, der weiß, ich bin ein Kämpfer.“ Seine Bayern-Kollegen Hummels, Boateng und er selbst seien „noch in der Lage, auf Topniveau Fußball zu spielen“.

Löw hatte noch nach dem Abschluss des desolaten Länderspieljahres 2018 mit dem ersten Aus einer deutschen Mannschaft bei einer WM-Vorrunde und dem Abstieg in der Nations League auf die Bedeutung der Achse der erfahrenen Kräfte Manuel Neuer, Hummels, Toni Kroos und Müller verwiesen. Es brauche „auch einen guten Mix zwischen gewisser Erfahrung und jugendlicher Frische, wenn man erfolgreich sein will“, hatte der Bundestrainer betont. Jetzt sind nur noch Kapitän Neuer und Real-Madrid-Star Toni Kroos als Vertreter der erfahrenen Generation in Löws EM-Pläne verankert.

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