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Fußball Mario Götze ist optimistisch, dass er bei der PSV Eindhoven seine Karriere wiederbeleben kann und träumt von einer Rückkehr in die DFB-Elf

Ungewohnte Wertschätzung

Archivartikel

Eindhoven.Neuer Club, neue Herausforderungen und ein wiederbelebtes Ziel: Nach seinem überraschenden Wechsel zur PSV Eindhoven in die niederländische Eredivisie nimmt Mario Götze auch eine Rückkehr in die deutsche Fußball-Auswahl ins Visier. „Definitiv möchte ich wieder zurück in die Nationalmannschaft“, sagte der offensive Mittelfeldspieler am Donnerstag bei seiner offiziellen Vorstellung beim Europa-League-Teilnehmer. „Ich bin gerade 28 Jahre alt. Ich habe immer noch große Ambitionen“, erklärte er vor Medienvertretern. Erst einmal aber wolle er bei seinem neuen Club ankommen, seine volle Fitness wieder erlangen und spielen. „Das ist das Hauptziel.“

Götze stand vor fast drei Jahren zuletzt im Kader von Bundestrainer Joachim Löw. Der 63-malige Auswahlakteur wurde beim 2:2 gegen Frankreich am 14. November 2017 eingewechselt. Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hatte Götze im Finale das entscheidende Tor zum 1:0 gegen Argentinien erzielt und die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum vierten WM-Titel geschossen.

„Ich will spielen“

Götze hatte am Dienstag einen Zweijahresvertrag bei der PSV Eindhoven unterschrieben. Zuvor war der Vertrag des 28-Jährigen bei Borussia Dortmund nicht verlängert worden.

Nach mehr als zehn Jahren in der Bundesliga mit den Stationen Dortmund (2009-2013 und 2016-2020) und FC Bayern München (2013-2016) sucht Götze beim 24-maligen holländischen Meister eine neue Herausforderung. „Das Wichtigeste für mich ist, Fußball zu spielen, Vollgas zu geben und dann auch die Spiele zu gewinnen. Das ist die Priorität, die ich als Sportler und Athlet habe“, sagte Götze. In Dortmund kam er zuletzt nur auf 15 Bundesliga-Einsätze und spielte in den Planungen von Trainer Lucien Favre keine Rolle mehr.

In Eindhoven hofft Götze nun, unter dem deutschen Trainer Roger Schmidt wieder häufiger zum Zuge zu kommen. Der ehemalige Coach von Bayer Leverkusen war mit entscheidend für den Wechsel. „Ich bin überzeugt davon, hier den richtigen Schritt gemacht zu haben, mit der Philosophie auch wieder ein Top-Level zu erreichen, eine Top-Fitness zu erreichen, Spiele zu machen. Da ist es, denke ich, für mich der richtige Trainer, die richtige Philosophie, und ich freue mich einfach, dass es jetzt bald losgeht“, sagte er, nachdem er am Donnerstag sein erstes Training mit der Mannschaft absolviert hatte.

Allerdings rechnet er nicht gleich im nächsten Ligaspiel – am 18. Oktober in Zwolle – mit seinem Einsatz. Er habe in Bezug auf seine Fitness eine gute Basis. Aber er brauche noch ein paar Wochen Mannschaftstraining, müsse sich akklimatisieren, die Teammitglieder kennenlernen. „Das dauert auch ein bisschen“, sagte Götze, der ansonsten voller Hoffnung ist: „Ich fühle mich bereit für eine ganz andere Herausforderung und bin zuversichtlich, dass dies ein sehr angenehmer Übergang für mich sein wird.“

Dass es ihn in die Niederlande zog, komme für ihn selbst überraschend, kommentierte der Ex-Dortmunder. „Ich hatte viele Angebote diesen Sommer, aber ich bin ein Gefühlsmensch und treffe meine eigenen Entscheidungen“, sagte der Siegtorschütze des WM-Finales von Rio. Gespräche mit seinem neuen Coach gaben nach eigenem Bekunden den Ausschlag: „Roger Schmidt, das Team, das passt. Ich bin am richtigen Ort, um meinen Fußball spielen zu können.“

Das triste Dasein als Edelreservist, das dem 28-Jährigen zuletzt in Dortmund zu schaffen machte, soll ein Ende haben. Sein während der jüngsten Vereinssuche geäußerter Wunsch, einmal die Champions League gewinnen zu wollen, dürfte in Eindhoven jedoch kaum in Erfüllung gehen. Die Unterschrift von Götze schürt beim einstigen Europapokalsieger der Landesmeister (1988) und UEFA-Pokal-Sieger (1978) aber die Hoffnung auf bessere Zeiten: „Wir sind sehr stolz“, sagte PSV-Direktor John de Jong.

Für solch positive Signale ist der zuletzt leidgeprüfte Götze derzeit extrem empfänglich. Nach ersten Profi-Jahren mit steiler Erfolgskurve, zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg in Dortmund begann sein Stern mit dem Wechsel 2013 zum FC Bayern zu sinken. Diesen Trend konnte auch der historische WM-Treffer von Rio nicht umkehren. In München wurde Götze zwar dreimal deutscher Meister, aber nie wirklich glücklich. 

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