Fußball

Fuß- und Handball Bundesligen wollen jeweils ihre Saison abschließen, aber am 30. Juni enden viele Spielerverträge

Unter Zeitdruck

Archivartikel

Mannheim.Zum schnelllebigen Profisport gehört die Veränderung bekanntlich wie der Sand zur Wüste. Konstanten sind eine Seltenheit, der Wandel vollzieht sich ständig – und doch gab es zuletzt immer etwas, auf das sich alle stets verlassen konnten: Arbeitsverträge werden im Fuß- und Handball mit einer Laufzeit bis zum 30. Juni geschlossen. Ein Problem war das nie. Doch jetzt, in der Corona-Krise, könnte es eines werden. Die Fußball-Bundesliga will, wahrscheinlich muss sie sogar, die Saison zu Ende bringen – ansonsten droht eine Pleitewelle der Clubs. Durch die EM-Verschiebung können die europäischen Profiligen theoretisch im Juli spielen. Doch das wäre schwierig, wie Markus Kompp, Geschäftsführer des Fußball-Drittligisten SV Waldhof Mannheim, im Gespräch mit dieser Redaktion meint: „Es gibt mit Sicherheit Spieler, die – unabhängig vom Waldhof – schon zum 1. Juli einen Vertrag bei einem anderen Verein unterschrieben haben. Das würde auf jeden Fall ein Chaos geben.“ Im Fußball gibt es dennoch Überlegungen, über den 30. Juni hinaus zu spielen. Im Handball eher nicht.

Fußball

Die 1. und 2. Liga wollten bis zum 2. April pausieren. Doch nach der am Sonntag von Bund und Ländern angeordneten umfassenden Reduzierung sozialer Kontakte für mindestens zwei Wochen zum Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus ist klar, dass Anfang April nicht gespielt werden kann.

Die Clubs hatten ohnehin mit einer längeren Unterbrechung gerechnet. „Wir gehen davon aus, dass vor Mai nicht gespielt wird“, sagte Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry der „Süddeutschen Zeitung“. Wenn überhaupt, dürften dann die Begegnungen ohne Fans ausgetragen werden – und möglicherweise auch im Juli. Alexander Wehrle, Geschäftsführer des 1. FC Köln, zieht diese Option in Betracht. „Ein Saisonende nach dem 30. Juni darf kein Tabu sein. Dafür müssen sich aber alle zusammensetzen, da geht es um den FIFA-Rahmenterminplan, die UEFA, die großen Fußball-Ligen. Das Ende der Vertragslaufzeit genau wie der Beginn des Transferfensters müssten nach hinten geschoben werden“, sagte er dem „Express“.

Ähnliches hört man im Ausland. Der 30. Juni dürfe „keine unüberwindbare Mauer“ sein, machte der spanische Verbandsboss Luis Rubiales deutlich. Identische Bestrebungen gibt es in Frankreich. Die UEFA kündigte schon einmal Pläne für den „späteren Abschluss der Saison 2019/20“ an und der Weltverband FIFA teilte mit, dass Änderungen oder vorübergehende Ausnahmen der geltenden Transferbestimmungen geprüft werden.

Laut „Spiegel“ enden im Juni in Deutschlands ersten beiden Profiligen jeweils 200 Spielerverträge, über die bei einer Saisonverlängerung gesprochen werden müsste. Allerdings gibt es möglicherweise ein noch größeres Problem: Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit prognostizierte dem Fußball im „NDR“ eine Pause bis zum nächsten Jahr.

Handball

Die Handball-Bundesliga plant bislang, am 23. April den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Allerdings setzt sich bei allen Beteiligten mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass Ende nächsten Monats noch nicht wieder gespielt werden kann. Die Verantwortlichen beschäftigen sich längst mit der Möglichkeit eines Saisonabbruchs und diversen Modellen, wie diese Runde in diesem Fall gewertet werden soll. Auch eine komplette Annullierung wird mittlerweile ernsthaft diskutiert. Über den 30. Juni hinaus möchte die HBL aber eher nicht spielen, sondern – wenn es denn überhaupt geht – vorher fertig sein, um zumindest die neue Saison Ende August starten zu können.

„Der 30. Juni ist aufgrund der endenden Verträge eigentlich der letzte mögliche Spieltag. Ich hoffe sehr, dass man bis dahin den Spielbetrieb – vielleicht auch in einer reduzierten Form – abgeschlossen hat. Wir befinden uns alle momentan in einer Ausnahmesituation und ich würde nichts ausschließen. Wir müssen kreative Lösungen finden“, sagte Jennifer Kettemann, Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen, auf Anfrage.

Das Final Four um den DHB-Pokal wurde bereits verlegt und würde am 27./28. Juni den Saisonabschluss bilden. Gegenüber dieser Redaktion skizziert Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann exklusiv die weiteren Überlegungen, sofern sich die Möglichkeit auf eine Fortsetzung der Saison ergeben sollte: „Am 24. Juni könnte der letzte Spieltag stattfinden. Wir haben noch sieben Spieltage, so dass man Mitte Mai anfangen müsste. Eine Entscheidung zur Weiterführung müsste mindestens 14 Tage vorher erfolgen, so dass wir Anfang Mai über eine Fortsetzung spätestens entscheiden müssten. So ist der Stand heute, der sich natürlich jeden Tag ändern könnte.“

Realistischer erscheint in der Tat das, was Berlins Manager und DHB-Vizepräsident Bob Hanning befürchtet: „Ich mag mal die Prognose abgeben, dass in den nächsten Wochen und Monaten kein Handball gespielt wird.“