Fußball

Fußball DFB-Funktionäre in der Sommermärchen-Affäre 2006 vor dem Bundesstrafgericht

Verfahren in der Schweiz ab 9. März

Frankfurt/Bellinzona.Nach jahrelang schleppenden Ermittlungen kommt es in der Sommermärchen-Affäre um die Fußball-WM 2006 zum juristischen Endspiel. Das Schweizer Bundesstrafgericht eröffnet am 9. März das Hauptverfahren gegen die früheren DFB-Funktionäre Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt sowie Ex-FIFA-Generalsekretär Urs Linsi. Geplant sind zunächst zwölf Verhandlungstage. Dem Quartett wird ungetreue Geschäftsbesorgung vorgeworfen. Als Zeugen sind der damalige WM-Organisationschef Franz Beckenbauer, Ex-FIFA-Boss Sepp Blatter und Günter Netzer geladen.

Spätestens am 27. April muss ein erstinstanzliches Urteil gefällt werden, weil sonst die Verjährung eintritt. Der renommierte Schweizer Strafrechtler Mark Pieth hatte der Bundesanwaltschaft und dem Bundesstrafgericht wegen des entstandenen Termindrucks unlängst sogar „Schlamperei“ vorgeworfen.

Ursprünglich hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft Ex-DFB-Präsident Zwanziger, dem früheren DFB-Generalsekretär Schmidt und Linsi Betrug in Mittäterschaft vorgeworfen. Niersbach wurde die Gehilfenschaft zu Betrug angelastet. Diese Anklagepunkte wurden auf Einladung des Gerichts nun von der Bundesanwaltschaft abgeschwächt.

Gegen das beschuldigte Quartett wurde in Deutschland bereits seit 2015 wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt. Ende August 2019 hatte das Oberlandesgericht Frankfurt eine Anklage zugelassen.

In beiden Verfahren geht es um die weiterhin ungeklärten Zahlungen von 6,7 Millionen Euro aus den Jahren 2002 und 2005. Beckenbauer hatte 2002 vom Unternehmer Robert Louis-Dreyfus einen Kredit in dieser Höhe erhalten.

Das Geld floss im Anschluss auf Konten des damaligen FIFA-Funktionärs Mohammed Bin Hammam, der in dem Verfahren weder als Beschuldigter noch als Zeuge auftaucht. Die Rückzahlung an Louis-Dreyfus drei Jahre später wurde von einem DFB-Konto über die FIFA abgewickelt.