Fußball

Fußball Angeführt von Gonzalo Castro klopft Stuttgart nach 2:0-Sieg bei Hertha BSC oben an

VfB dreht auf – bester Platz seit zwölf Jahren

Berlin/Stuttgart.Für ein Dribbling reichte die Kraft nicht mehr bei Gonzalo Castro, wohl aber für einen beherzten Schuss aus rund 20 Metern. Die Homepage der Fußball-Bundesliga schwärmte: „Was für ein Tor des Stuttgarters, der den Treffer selbst einleitet.“ Mit geballten Fäusten und einem Jubelschrei feierte Castro seinen Treffer in der 68. Minute beim 2:0 (1:0)-Sieg bei Hertha BSC. Es war die Entscheidung zugunsten des VfB Stuttgart, der mit sieben Punkten nach vier Spieltagen so gut dasteht wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Damals beendeten die Schwaben die Saison auf Platz drei.

Wohin es diesmal gehen kann, wird sich zeigen. Wie wichtig Castro für die Mannschaft ist, hat er schon mehrfach demonstriert. „Ich glaube, dass der Gonzo einer der extrem unterschätzten Spieler in diesem Club war“, sagte Stuttgarts Sportdirektor Sven Mislintat am Sonntag. „Er war nie ein Lautsprecher, sondern lässt so ein bisschen seine Leistung, seine Laufstärke, sein taktisches Verständnis für sich sprechen.“ In der vergangenen Saison in der 2. Liga zählte der 33-Jährige nur selten zu den Besten beim VfB. Eine Klasse höher scheint der Routinier nun zu alter Stärke zurückzufinden. Die offensivere Ausrichtung der Schwaben und die größeren Räume, die er in der Bundesliga bekommt, tun ihm gut.

Dadurch, dass er nicht mehr 25 Jahre jung sei, habe ihm das physische Level der 2. Liga nicht sonderlich geschmeckt, erklärte Mislintat. Zudem scheint ihn die neue Rolle als Anführer zu beflügeln. „Er kann die Jungs nicht nur dirigieren, er kann auch Fußball spielen“, betonte Trainer Pellegrino Matarazzo. „Er zeigt es im Training und Woche für Woche, wie wichtig er ist für uns“, lobte der 42 Jahre alte VfB-Coach. Seit Sommer 2018 spielt Castro für die Stuttgarter, in dieser Saison führt der ehemalige Nationalspieler die Schwaben als Kapitän auf dem Feld an, was auch im Olympiastadion zu einem überzeugenden Gesamtauftritt führte.

Neuer Vertrag noch offen

„Die Binde tut ihm auch gut, die gibt ihm auch nochmal ein bisschen Schwung“, sagte Mislintat. Ob seine ansteigende Form dazu führt, dass sein im Sommer 2021 auslaufender Vertrag verlängert wird, ließ der Sportdirektor offen. Diese Gespräche werde man in aller Ruhe noch führen, meinte er. Castro selbst hat es in der Hand, sie positiv zu beeinflussen.

In der Debatte um die Abstellungspflicht für Nationalspieler warb Mislintat um gegenseitiges Verständnis. „Ganz ehrlich: Ich finde, wir müssen es einfach so nehmen, wie es kommt. Wir können jetzt nicht jede Woche darüber diskutieren, wenn es uns betrifft, dass ein Nationalspieler mal zwei oder drei Spiele machen muss“, sagte der 47-Jährige am Sonntagmorgen. Vom VfB werde es kein Gejammer geben.

Zuvor hatten mehrere Fußball-Bundesligisten wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie teils deutliche Kritik an der Abstellungspflicht geäußert.

Der VfB-Sportdirektor sieht die Gefahr einer Ansteckung oder Quarantäne eines seiner Spieler dagegen nicht als größer an als in anderen Lebensbereichen. „Wenn ein Spieler von uns von der Nationalmannschaft zurückkommen sollte und er ist positiv – seien wir mal ehrlich: Das kann auch passieren, wenn er auf dem Schlossplatz ein Eis isst“, sagte er. „Wir müssen da schon ein gesundes Maß finden, und das machen die meisten.“ dpa

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