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Fußball Ex-Nationalspieler scheint ernsthaft darüber nachzudenken, Vorstandsvorsitzender in Stuttgart zu werden

VfB und Klinsmann nähern sich

Archivartikel

Stuttgart.Nein, Verhandlungen mochte Jürgen Klinsmann den ersten persönlichen Austausch mit dem Aufsichtsrat seines Herzensclubs VfB Stuttgart nicht nennen. Aber anders als in der Vergangenheit, als immer mal wieder über eine Rückkehr des wohl berühmtesten schwäbischen Fußballers spekuliert wurde, gibt es diesmal einen realistischen Hintergrund. „Es war ein Informations-Austausch. Es war sehr angenehm“, übermittelte der einstige Weltmeisterstürmer und Bundestrainer, der derzeit mit seiner Familie in den Ferien durch Europa tourt.

Das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Profi-Abteilung, also das schwäbische Pendant zu FC-Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, könnte zu Klinsmann genauso passen wie das Projekt VfB. Der gebürtige Göppinger, der am Dienstag seinen 55. Geburtstag feierte, will weitere Gespräche mit den Entscheidungsträgern des in die 2. Liga abgestürzten Traditionsclubs führen.

Bedenken würden befremden

Wer Klinsmann kennt, weiß aber auch: Der Wahl-Amerikaner steigt nur in ein Projekt ein, wenn hundertprozentig alles stimmt. Und der 108-malige Nationalspieler steht für Neuerungen: „Du kriegst nur neue Energien, wenn du ständig an Veränderungen bastelst.“ Seine Sicht der Dinge kennen die VfB-Verantwortlichen jetzt, Bedenken würden den Projektmanager Klinsmann eher befremden.

Karlheinz Förster, eine weitere Stuttgarter Legende, hält Klinsmann für einen geeigneten Mann für die Position des Vorstandschefs der VfB Stuttgart AG, hat aber Zweifel an der Notwendigkeit des neuen Postens. „Man sollte vonseiten des Vereins prüfen, ob man diese Position braucht und wie man sie dann mit wem besetzt“, sagte der Europameister von 1980, der mit Klinsmann einst gemeinsam beim VfB spielte. Förster betonte: „Was den sportlichen Bereich betrifft, hat der Verein mit Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat zwei gute Leute, und auch die Mannschaft und der Trainer Tim Walter machen einen guten Eindruck.“ Der schwäbische Chaosclub hatte erst vor kurzem einen Schnitt in der sportlichen Führung vollzogen. Hitzlsperger, der 2006 zum WM-Team unter Klinsmann gehörte, kam im Februar als Sportvorstand und führt seit Mai mit dem früheren BVB-Scout Sven Mislintat als Sportdirektor die Neuausrichtung mit dem Ziel des Wiederaufstiegs an.

Zunächst einmal war es ohnehin nur eine Art Kennenlerntreffen von Klinsmann mit den VfB-Aufsichtsräten. Wilfried Porth, der Klinsmann angerufen hatte, war dem ehemaligen Stuttgarter Nationalspieler zuvor nur in zwei Meetings begegnet. Die Kontakte von dessen Aufsichtsratskollegen Hermann Ohlicher zu Klinsmann sind rund zwei Jahrzehnte her. Der kommissarische Clubchef Bernd Gaiser kannte den wohl berühmtesten schwäbischen Kicker nur aus dem Fernsehen.

Ein längerer Prozess

Der krisengeplagte Verein sucht nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich auch einen neuen Präsidenten und spricht bei der Besetzung des neugeschaffenen Postens des Vorstandsvorsitzenden der VfB Stuttgart AG von einem längeren Prozess. Es würden viele Gespräche geführt. Als aussichtsreicher Kandidat galt zuletzt auch der ehemalige Vorstandschef von Fortuna Düsseldorf, Robert Schäfer.

Klinsmann sagte immer wieder: „Der VfB Stuttgart ist für mich natürlich ein besonderer Verein.“ Jetzt scheint eine Rückkehr des verlorenen Sohnes tatsächlich vorstellbar. Seine Tochter Laila will bald studieren. Sohn Jonathan spielt nach zwei Profi-Lehrjahren bei Hertha BSC nun als Torwart in der ersten Schweizer Liga beim FC St. Gallen, rund zweieinhalb Stunden mit dem Auto von Stuttgart entfernt. Mutter Martha lebt in Stuttgart und wird bald 80 Jahre alt, in letzter Zeit war der prominente Sohn schon oft bei ihr zu Besuch. Und der VfB, für den Klinsmann von 1984 bis 1989 in 156 Bundesliga-Spielen 79 Tore erzielte, ist für ihn noch immer „eine Herzensangelegenheit“.

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