Fußball

Fußball Weinheimer Autor schreibt Buch über Hitzfeld & Co.

Warum der Abschied so schwerfällt

Weinheim.Der Job als Profi-Trainer im Fußball ist wie eine Droge, vergleichbar nur noch mit dem eines Spitzenpolitikers oder Wirtschaftsbosses. Aufhören und loslassen fällt schwer. Der Weinheimer Autor und Journalist Erik Wegener hat sich in seinem lesenswerten Buch „Weiter, immer weiter“ mit sechs Fußball-Lehrern getroffen, die den Absprung geschafft haben. Ottmar Hitzfeld, Huub Stevens, Peter Neururer, Benno Möhlmann, Jürgen Röber und Rudi Bommer ziehen in ausführlichen Interviews eine Bilanz ihrer Karriere im Rampenlicht. „Es geht um das Aufhören. Besser gesagt um das Nicht-Aufhören-Können. Fußballtrainer sind Besessene. Daher fällt ihnen der Abschied so schwer“, sagt Wegener.

Der 52-Jährige schafft es dabei stellenweise, seinen Gesprächspartnern Dinge zu entlocken, die sie so noch nirgendwo erzählt haben. Der Dortmunder und Münchner Meistercoach Hitzfeld zum Beispiel berichtet von einem Besuch im Gefängnis beim damaligen Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß, als der wegen Steuerhinterziehung einsaß. „Das war für mich ein emotionaler Moment. Wir hatten ja viele Schlachten zusammen geschlagen. Das Schöne war: Er hat dort einen sehr gefestigten Eindruck auf mich gemacht“, sagt Hitzfeld.

Hitzfeld bei Hoeneß in der Haft

Schalkes Jahrhundert-Trainer Stevens berichtet vom Trauma der Vier-Minuten-Meisterschaft 2001, als die Münchner den Gelsenkirchenern durch ein Tor in der Nachspielzeit noch den Titel entrissen. „Das war ein Schock“, erklärt der Niederländer, in der Trainingswoche danach sei es „ganz ganz schwer“gewesen, das Erlebte zu verarbeiten. Auf seiner letzten Station Hoffenheim musste Stevens im Jahr 2016 dann aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere beenden: „Ich war damals einfach müde und völlig platt. Ein paar Monate vorher hatte ich schon mal so eine extreme Schwächephase. Da war mir klar: Ich höre auf. Meine Gesundheit war mir immer das Wichtigste.“