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Fußball Nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Hoffenheim betreibt der Rekordmeister Frustbewältigung auf dem Oktoberfest

Watschn für Müller, Kater bei den Bayern

München.Thomas Müller hielt an der Seite von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge den Maßkrug in die Höhe, mit der linken Hand zeigte er den Daumen nach oben. Das „Alles in Ordnung“-Zeichen auf dem Weg ins Käferzelt passte aber nicht zur Gemütslage des abgewatschten Bayern-Stars. Bei Müller und den ebenfalls in Lederhose für die vielen Fotografen posierenden Kollegen war der Rausch der tollen Tottenham-Torshow einem kräftigen Kater gewichen. Nach dem 1:2 gegen Hoffenheim und der ersten Liga-Heimpleite seit einem Jahr war beim Prosit im Familienkreis Frustbewältigung angesagt.

„Wir sind es ja schon gewohnt“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic mit einer Prise Galgenhumor. Trainer Niko Kovac hatte trotzdem mehr zu lachen als noch vor einem Jahr, als er mit dem damaligen Tabellensechsten nach einem krachenden 0:3 gegen Gladbach in eine schwere Krise geschlittert war. Der FC Bayern 2019 präsentiert sich erfolgreicher. Aber die nach dem 7:2 in London in der Champions League gezeichnete schöne, neue Bayern-Welt ist nach dem unerklärlichen Leistungsabfall gegen Hoffenheim rasch wieder Vergangenheit. Am persönlichen Stimmungstief von Müller hat Kovac gewichtigen Anteil, denn der Coach degradierte den Co-Kapitän schon vor dem Anpfiff völlig unnötig zum Notnagel.

Ungeschickte Kovac-Aussage

„Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen“, hatte Kovac am Sky-Mikrofon gesagt. Ob sich der Trainer der Wirkung dieser Worte bewusst war? Zwar ist der Ex-Weltmeister auch für Kovac „nicht irgendjemand“, aber der ungeschickte Satz war kein Geistesblitz. Zumal der 47-Jährige die Wirkung auch bei der Pressekonferenz nach dem Spiel nicht entschärfen konnte. „Sie müssen jetzt nicht irgendwas daraus zaubern. Wenn jemand nicht spielt, und wir ihn brauchen, kommt er. Und Thomas ist gekommen und hat nochmal Schwung reingebracht“, sagte Kovac. Der gar nicht eingesetzte Bankdrücker Javi Martínez schien am Samstag untröstlich. Tags darauf lächelte der Spanier wenigstens kurz über ein Missgeschick – auf den Treppenstufen hinauf ins Zelt war er leicht ins Stolpern gekommen.

Müller verdrückte sich als erster Star ins Promi-Zelt, am Samstag hatte er nur eine gute Viertelstunde nach Schlusspfiff fluchtartig die Arena verlassen. „Nothing to say, wie der Engländer sagt“, erklärte er nur kurz. Wie zuletzt vor der „Müller-spielt-immer“-Ära vor über zehn Jahren war für ihn zum fünften Mal nacheinander kein Platz in der Startformation.

Nicht nur der 30-Jährige schwieg zur trägen Vorstellung des in Europa so espritvollen Bayern-Ensembles. Präsident Uli Hoeneß wünschte einen „schönen Abend“, Tottenham-Torheld Serge Gnabry mochte „heute nicht“ sprechen. Kapitän Manuel Neuer bewertete das 1:2 als „Warnhinweis“ für die nach der Königsklassen-Gala vielleicht doch zu hoch gelobte Mannschaft.

„Wir sind anscheinend noch nicht so weit, dieses gute Spiel alle drei, vier Tage zu bringen“, kritisierte der zerknirschte Kovac. dpa