Fußball

Fußball KSC-Coach Christian Eichner hat schon einen Notfall-Plan, falls es mit der Trainerkarriere nicht klappt

„Wenn es sein muss, gehe ich wieder in die Schule“

Karlsruhe.Nach dem dramatischen Klassenerhalt in der Vorsaison geht es für Fußball-Zweitligist Karlsruher SC in der neuen Spielzeit darum, den nächsten Schritt zu machen. Auch für den jungen Trainer Christian Eichner, der am Samstag mit dem KSC das Testspiel beim SV Waldhof mit 2:1 gewann und danach zufrieden feststellte: „Ich habe ein gewisses Maß an Spielfreude gesehen.“ Dem 37-Jährigen stehen für die neue Saison nur bescheidene Mittel zur Verfügung. Er hat aber längst einen persönlichen Notfallplan in der Tasche, wie er im Interview verrät.

Herr Eichner, was muss der KSC machen, damit der Klassenerhalt nicht wieder so zur Zitterpartie wird wie letzte Saison?

Christian Eichner: Wir müssen lauter werden, mehr kommunizieren. Den Vorder- oder Nebenmann richtig zu stellen, ist auch eine Qualität. Wir müssen im vordersten Drittel gefährlicher werden, bei den letzten Pässen klügere Entscheidungen treffen und mehr Chancen kreieren. Es ist aber auch wichtig, dass wir uns realistisch einschätzen können und uns bewusst machen, was in dieser Liga gefragt ist. Eine Erkenntnis der letzten Saison war: Je weniger wir den Ball hatten, desto öfter waren wir in den Punkten. Mentalität und Arbeit gegen den Ball sind gut. Das heißt nicht, dass wir uns nicht auch mit dem Ball verbessern wollen. Auch daran arbeiten wir.

Ist der Klassenerhalt das einzige Ziel?

Eichner: Ja. Es wäre gut, wenn wir nicht bis zum 34. Spieltag darum kämpfen müssten und sich die Fans darüber hinaus mit unseren Jungs und unserem Fußball ein Stück weit identifizieren könnten. Wir haben viele Spieler abgegeben und bisher nur wenige geholt. Das Budget ist begrenzt. Ich glaube, wir tun gut daran, aktuell kein anderes Ziel auszurufen.

Glauben Sie an einen Verbleib von Stürmer Philipp Hofmann?

Eichner: Ich habe ein ganz gutes Gefühl, dass er uns erhalten bleibt, ja. Ich glaube, er fühlt sich unfassbar wohl bei uns. Und wir haben den Vorteil, dass er schon sehr viel gesehen hat in seiner Karriere, in England und bei anderen Clubs war. Bestimmt gibt’s noch eine Liga, in die er irgendwann mal hin möchte. Aber ich finde, er passt vom Gesamtpaket her perfekt in diese Liga. Nur um Geld ins Haus zu holen, wäre es nicht gut, ihn abzugeben.

Heißt, dass Sie sich auch externen Ersatz wünschen würden, wenn er gehen sollte?

Eichner: Ich denke schon, dass wir dann nochmal versuchen würden, aktiv zu werden. Aber die Zeit dürfte dann drängen.

Im Tor liefern sich der bisherige Ersatzkeeper Marius Gersbeck und Neuzugang Markus Kuster nach dem Abgang von Benjamin Uphoff ein enges Rennen. Haben Sie sich schon für eine Nummer eins entschieden?

Eichner: Nein, das wird in der Woche vor dem Pokalspiel passieren. Es gab vergangene Saison sicher Momente, in denen man aus Marius’ Sicht hätte wechseln können. Deshalb war es uns wichtig, ihm zu zeigen, dass er jetzt eine echte Chance kriegt, Nummer eins zu werden. So haben beide bisher eine sehr gute Vorbereitung gezeigt und ich habe zwei gute Torhüter zur Auswahl.

Und mit Jerôme Gondorf einen neuen Kapitän. Was hat für ihn gesprochen?

Eichner: Er und Marvin Wanitzek haben bei der Wahl des Mannschaftsrates klar die meisten Stimmen gekriegt. Daher war für uns klar, dass es einer der beiden wird. Jerôme ist laut und in gewisser Weise unbequem, das gefällt mir. Er geht vorne weg. Aber auch Marvin hat gerade im letzten halben Jahr einen riesigen Schritt gemacht. Er ist jetzt Stellvertreter, hat noch einen langfristigen Vertrag hier bei seinem Heimatverein und dürfte irgendwann dessen Kapitän sein.

Der KSC will seine Heimspiele unter Berücksichtigung der Corona-Verordnung zumindest vor ein paar hundert Fans austragen. Wie sehr haben die Ihnen im Endspurt der letzten Saison gefehlt?

Eichner: Mir persönlich an allen Ecken und Enden. Es gab auch Spiele, in denen sie uns vielleicht noch den entscheidenden Schub gegeben hätten – gegen St. Pauli oder Bochum zum Beispiel. Ich hätte auch alles dafür gegeben, dass sie die letzten Minuten des Derby-Siegs gegen Stuttgart mit uns gemeinsam erleben. Aber es ist, wie es ist.

Wie oft haben Sie in den letzten Wochen noch an die spektakuläre Rettung Ende Juni in Fürth gedacht?

Eichner: Ich habe mir die letzten Minuten von Fürth noch ein paar Mal angeschaut. Die Bedeutung für den Verein kann man nicht in Worte fassen. Du kannst als Zweitligist ganz anders in die Gespräche mit den Spielern gehen, das Fenster aufmachen, ihnen das Stadion zeigen, das gerade umgebaut wird, und sagen: Sieh’ her, hier entsteht etwas.

Wie wichtig war der Klassenerhalt für Sie persönlich?

Eichner: Natürlich war das ein wichtiger Pflock. Wären wir in die 3. Liga gegangen, wäre vermutlich jede Entscheidung, die ich treffe, von der Öffentlichkeit angezweifelt worden. Viele hätten sich gefragt, ob ich der Richtige bin. Das hätte den Druck noch weiter erhöht.

Welche Trainer haben Sie auf Ihrem bisherigen Weg besonders geprägt oder beeindruckt?

Eichner: Ede Becker war hier beim KSC wichtig für mich. Er hat die Spieler als Menschen gelassen, wie sie sind, und ihre Stärken herausgekitzelt. Und Holger Stanislawski hat es in Köln geschafft, die Spieler so zu erreichen, dass sie jeden Tag Lust hatten, ins Training zu kommen. Würde er mich anrufen, würde ich wahrscheinlich heute noch kommen (lacht). Im Ernst: So etwas würde ich auch gerne schaffen.

Welche langfristigen Ziele haben Sie sich als Trainer gesetzt?

Eichner: Kein konkretes. Natürlich bin ich ehrgeizig und will so weit nach oben wie möglich. Bisher ging es schon schneller als erwartet. Aber ich bin auch froh, dass ich mein Lehramtsstudium fertig habe und gehe von heute auf morgen wieder in die Schule, wenn’s sein muss. Ich bin auch gerne Kollege meiner Frau (lacht). 

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