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Fußball Nach dem Aus für Niko Kovac suchen die Münchner einen Coach – wir stellen die aussichtsreichsten Kandidaten vor und bewerten ihre Chancen

Wer wird neuer Bayern-Trainer?

München.Der Trainer-Job beim FC Bayern gehört immer noch zu den attraktivsten Stellen, die es im europäischen Spitzenfußball gibt. Nach der Beurlaubung von Niko Kovac am Sonntagabend suchen die Münchner so schnell wie möglich einen neuen Chefcoach – bis der gefunden ist, soll der bisherige Co-Trainer Hansi Flick interimsweise die Verantwortung tragen. Dass der frühere Löw-Assistent aus Bammental längerfristig in verantwortlicher Rolle bleibt, gilt als nahezu ausgeschlossen. Stattdessen werden rund um die Säbener Straße schon die aussichtsreichsten Nachfolger gehandelt. Wir stellen die Kandidaten vor und bewerten ihre Chancen für den Job beim Rekordmeister.

Eric ten Hag

Das Profil des Niederländers liest sich wie gemalt für den FC Bayern: Ten Hag hat beim sensationellen Einzug ins Champions-League-Halbfinale mit Ajax Amsterdam in der vergangenen Saison nachgewiesen, dass er hochattraktiven wie erfolgreichen Fußball spielen lässt. Talente wie Frenkie de Jong (jetzt Barcelona) oder Matthijs de Ligt (jetzt Juventus) reiften unter ihm zu internationaler Klasse, der 49-Jährige aus dem nur 80 Kilometer von Münster entfernten Haaksbergen spricht perfekt Deutsch und besitzt Bayern-Stallgeruch: Zwischen 2013 und 2015 trainierte er die zweite Mannschaft der Münchner.

Bayern-Tauglichkeit: Ten Hag ist sicher die naheliegendste Lösung, in der viel Fantasie für die Zukunft steckt. Das Problem ist nur: Ajax wird ihn selbst gegen Ablöse kaum kurzfristig aus dem bis 2022 laufenden Vertrag entlassen. Die Münchner müssten eine Interimsvariane um Flick und vielleicht Jugendtrainer Miroslav Klose bis zum Saisonende basteln. Dieser Umstand schränkt seine Chancen an.

Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent

Massimiliano Allegri

Im Gegensatz zu ten Hag wäre der langjährige Juventus-Coach (2014 - 2019) problemlos sofort verfügbar. Im Gegensatz zu ten Hag spricht Allegri aber kein Deutsch und nur schlecht Englisch. Ob die Bayern-Bosse das seit den Zeiten Giovanni Trapattonis als wichtig erachtete Sprachkriterium für den 52-jährigen Italiener beiseite schieben? Laut „Kicker“ haben die Münchner schon Kontakt zu Allegri aufgenommen, der in Turin und zuvor beim AC Mailand (2010 - 2014) seine Fähigkeiten, einen Spitzenclub zu managen, unter Beweis gestellt hat.

Bayern-Tauglichkeit: Seine Erfahrung bei großen Clubs und seine unkomplizierte Vertragssituation sprechen für Allegri, der Juve zweimal ins Finale der Champions League führte. Die Sprachbarriere wäre wie schon bei Carlo Ancelotti ein Nachteil, den die Bayern schlucken müssten.

Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent

Ralf Rangnick

Zu Hoffenheimer Zeiten ärgerte Ralf Rangnick die Münchner Führung mit frechen Sprüchen, über seine hervorragenden Qualitäten als Fußballtrainer gibt es keine zwei Meinungen. Momentan verantwortet der Schwabe die globalen Fußballprojekte von Red Bull – einem Angebot der Bayern dürfte er kaum widerstehen. Allerdings stellt sich die Frage, ob der nicht als Menschenfänger bekannte 61-Jährige das richtige Gesicht für den angestrebten Aufbruch beim Rekordmeister ist.

Bayern-Tauglichkeit: Fachlich wäre Rangnick mit seinem immensen Fußball-Sachverstand eine Top-Lösung, dem auch die Bayern zuzutrauen sind. Die immer wichtiger werdenden weichen Faktoren sprechen dagegen ein wenig gegen den Mann aus Backnang.

Wahrscheinlichkeit: 40 Prozent

Arséne Wenger

Beim FC Arsenal (1996 - 2018) prägte der Elsässer eine Ära, seitdem befindet sich der 70-Jährige im Wartestand. Mit seinem weltmännischen Auftreten weckt Wenger Erinnerungen an Ottmar Hitzfeld oder Jupp Heynckes, an natürlicher Autorität im Umgang mit Stars mangelt es ihm genauso wenig wie an exzellenten Deutschkenntnissen.

Bayern-Tauglichkeit: Wenger wäre aufgrund seines Alters höchstens als Übergangslösung bis nächsten Sommer vermittelbar.

Wahrscheinlichkeit: 15 Prozent

José Mourinho

Die Zeiten, als die Fans zwischen Manchester und Madrid vor Ehrfurcht erstarrten, wenn der Name Mourinho fiel, sind spätestens seit seinen unglücklichen Engagements beim FC Chelsea (2013 - 2015) und Manchester United (2016 -2018) vorbei. „The Special One“ ist ganz schön normal geworden, seine große Zeit scheint bei allen unbestreitbaren Erfolgen vorbei, sein Ergebnisfußball gilt als antiquiert. Hinzu kommt der schwierige Charakter des Portugiesen – bei Real Madrid hinterließ er 2013 nach drei Jahren nur Ärger und verbrannte Erde.

Bayern-Tauglichkeit: Es ist schlichtweg nicht vorstellbar, dass Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß einen Trainer an die Säbener Straße holen, dessen Auftreten unkalkulierbar ist und dessen beste Zeiten vorbei sind.

Wahrscheinlichkeit: 5 Prozent

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