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Fußball Borussia Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke spricht über die Qualität des BVB-Kaders, die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Ausrichtung des Clubs

„Werden in der Zukunft Titel gewinnen“

Archivartikel

Bad Ragaz.Borussia Dortmund geht mit viel Zuversicht in die neue Saison. Im erläutert Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, warum er erstmals seit Jahren die Meisterschaft als Saisonziel ausgegeben hat. Warum der FC Bayern bereit war, Mats Hummels ausgerechnet an den größten Konkurrenten abzugeben. Und warum die DFL ihrem scheidenden Präsidenten Reinhard Rauball nachtrauern wird.

Herr Watzke, am Samstag kommt es im Supercup zum ersten Duell der beiden Titelfavoriten FC Bayern und BVB. Welchen Stellenwert hat diese Partie für Sie?

Hans-Joachim Watzke: Es ist der wichtigste Test der Vorbereitung, aber auch das erste Pflichtspiel. Durch den engen Zieleinlauf der beiden Teams in der vergangenen Saison hat das Spiel natürlich für viele deutsche Fußball-Fans wieder eine andere Wertigkeit.

Sie haben viele Fußball-Fans überrascht, als Sie die Meisterschaft erstmals seit Jahren als Saisonziel ausgegeben haben. Wie kommt es zu diesem neuen Mut?

Watzke: Wenn ich nicht mutig wäre, hätte ich die Aufgabe beim BVB in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nie übernommen. Aber es ist ja kein Mut, wenn du im 20. Stock auf dem Dach eines Hochhauses stehst und ohne Sprungtuch runter springst. Du musst eine Plattform haben. Und diese Plattform hatten wir nun, weil wir von zuletzt 34 Spieltagen an 21 Tabellenführer waren und am Ende nur zwei Punkte hinter dem FC Bayern lagen.

Haben die Neuzukäufe zum forscheren Saisonziel beigetragen?

Watzke: In Verbindung mit den sinnvollen Transfers, die wir gemacht haben und für die ich Michael Zorc sehr loben muss, haben wir den Anspruch für uns abgeleitet, nun den nächsten Schritt gehen zu wollen. Wir versuchen es jedenfalls, und das muss legitim sein. Übrigens entstand dieser Wunsch auch aus der Mannschaft heraus.

Hat der BVB im vergangenen Jahr eine historische Chance verspielt?

Watzke: Eine historische Chance hast du jedes Jahr verspielt, wenn du am Titel riechst und es nicht schaffst. Aber wenn man das in den Kontext der vergangenen zwei Jahre und des erst im Sommer 2018 eingeleiteten personellen Umbruchs setzt, können wir mit der vergangenen Saison sehr zufrieden sein. Der BVB hat schon so viele Titel gewonnen, den letzten 2017, wir werden auch in Zukunft wieder welche gewinnen.

Sie haben reichlich Geld in die Hand genommen, um den Kader zu verstärken. Viele deuten das als Großangriff auf die Bayern.

Watzke: Das ist rein ökonomisch gesehen reiner Unfug. Wir haben ähnlich viel Geld in die Hand genommen, wie wir am Ende einnehmen werden. Ich glaube nicht, dass wir netto überhaupt eine Menge investieren müssen. Wir haben mit dem Verkauf von Christian Pulisic, Abdou Diallo und Alexander Isak schon rund 100 Millionen eingenommen. Und ich prophezeie mal, dass es nicht das Ende der Fahnenstange ist. Das heißt: Am Ende des Tages haben wir vor allem umgeschichtet. Es ist uns hoffentlich gelungen, uns zu verbessern, ohne viel Geld in die Hand zu nehmen. Aber das müssen wir erstmal auf dem Platz unter Beweis zu stellen – da bin ich inhaltlich bei Uli Hoeneß.

Apropos Hoeneß. Eigentlich war es bisher eine Domäne der Bayern, deutsche Nationalspieler zu verpflichten. Kopieren Sie das Münchner Erfolgsmodell?

Watzke: Jeder ambitionierte Club versucht, deutsche Nationalspieler zu verpflichten. Man muss es sich nur leisten können. Und das ist der Unterschied zu früher: Wir können das heute, ohne dass wir die Kreditabteilung einer Bank aufsuchen müssen.

Es ist der teuerste Kader der BVB-Geschichte. Ist es auch der beste?

Watzke: Ein höheres Gehaltsvolumen bleibt doch gar nicht aus, wenn die Gehälter in jedem Bereich steigen. Wahrscheinlich haben 12 bis 16 Bundesligaclubs den höchsten Etat ihrer Geschichte. Ob es unser bester Kader ist, kann ich Ihnen erst nach der Saison sagen. Wir waren schon Champions-League-Sieger, haben zig Meisterschaften geholt. Da ist diese Mannschaft noch nicht auf dem Niveau angelangt, auf dem wir Mitte der 90er-Jahre waren. Aber der Unterschied ist: Diesen Kader können wir uns leisten.

Es heißt, der Kader des FC Bayern sei - Stand heute - weniger stark als in den Vorjahren. Teilen Sie diese Einschätzung?

Watzke: Überhaupt nicht. Wenn ich mir die Aufstellung aufschreibe, mit der die Bayern in den kommenden Wochen spielen könnten, ist das eine Top-Mannschaft. Die ersten 15, 16 Spieler sind absolutes Top-Niveau. Nicht nur in Deutschland, sondern auch international.

Den meisten Staub in diesem Transfersommer hat bisher die Rückkehr von Mats Hummels aus München zum BVB aufgeworfen. Was hat sie dazu bewogen, ihn zurückzuholen?

Watzke: Mats hätte immer die Möglichkeit gehabt, zum BVB zurückzukehren. Er hat sich schon damals sehr schwer damit getan, uns zu verlassen und zu den Bayern zu gehen.

Die Borussia gilt als Club, in dem Talente reifen. Nun scheint der BVB verstärkt auf Erfahrung zu setzen. Gibt es einen Strategiewechsel in der Transferpolitik?

Watzke: Überhaupt nicht. Wir passen unsere Strategie nur an unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten an. Wir werden künftig zweigleisig fahren und auch weiter Talente verpflichten. Aber wir haben schon so viele erstklassige Talente mit viel Potenzial. Am Ende des Tages müssen wir akzeptieren, dass der BVB mittlerweile eine Größe hat, die bedingt, dass man mehr von unserem Club erwartet, als nur eine der besten Talentschmieden Europas zu sein.