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Fußball Bundesliga-Vereine wollen keine bevorzugte Behandlung bei den Impfungen gegen das Coronavirus

„Wir stellen uns artig hinten an“

Archivartikel

Berlin.Kein Vorpreschen, keine Sonderrolle: Beim Thema Impfen will die Fußball-Bundesliga keine Forderungen stellen. Trainer und Manager verweisen auf die Bevölkerungsgruppen, die alle vor Profi-Fußballern gegen das Coronavirus geimpft werden sollten. „Wir werden uns artig hinten anstellen“, sagt Manager Horst Heldt vom 1. FC Köln. Auch die Deutsche Fußball Liga betont, dass sich angesichts der klar geregelten Impfstrategie und Priorisierung von Personengruppen ein kurzfristiger Bezug zum Fußball erübrige.

Alle dürften es sehr wohl zu schätzen wissen, dass der Bundesliga-Fußball überhaupt über die Bühne gehen kann - selbst ohne Zuschauer, während andere Bereiche durch den landesweiten und nun noch einmal verschärften Lockdown nahezu oder komplett stillstehen. Der Wunsch nach Spielen vor Fans ist groß, die Sehnsucht nach Normalität auch im deutschen Profi-Fußball so riesig wie in anderen Ländern.

Beispiel Italien: Dort hat der Chef der Serie A jüngst angeregt, dass geimpfte Bürgerinnen und Bürger wieder ins Stadion dürfen. Und in der Schweiz hat sich die Spieler-Gewerkschaft Swiss Association of Football Players (SAFP) sogar für eine Corona-Impfpflicht ausgesprochen für Spieler, Stadionmitarbeiter und Fans. Ziel: Die baldige Rückkehr zu Verhältnissen wie zu Nicht-Corona-Zeiten.

Es geht also nicht nur um die Frage, ab wann Profis, Trainer und Mitarbeiter geimpft werden könnten oder sollten, je nachdem ob die Clubs es anordnen oder nicht. Es geht auch darum, ab wann Zuschauer wieder denkbar sind. Schwer zu sagen sei es, sagte Borussia Dortmunds Manager Michael Zorc jüngst beim Sender Sky zur Frage, wann Impfungen Zuschauer in den Stadien wieder möglich machen könnten. „Wir hoffen insgeheim, dass es nach Ostern wieder möglich ist. Aber das ist eine reine Spekulation, das ist nicht fundiert“, sagte Zorc.

Auf eine Diskussion um geimpfte und damit womöglich zugelassene Zuschauer und nichtgeimpfte und damit nicht zum Stadionbesuch zugelassene Fans scheint sich in Deutschland keiner einlassen zu wollen. Wie heikel das sein kann, dürfte allen bewusst sein. Wie überhaupt das gesamte Thema um Corona und den Profi-Sport und dort insbesondere den Profi-Fußball nicht frei von Emotionen ist.

„Die Gesundheit der Gesellschaft steht natürlich über dem Sport, es geht um den Zusammenhalt aller Menschen, um durch diese Pandemie zu kommen“, sagte Mönchengladbachs Manager Max Eberl der „Sportschau“. Es sei doch ganz klar, dass Fußballer auf keinen Fall bevorzugt werden wollten. „Und eine solche Diskussion, die dann entstünde, ist das Letzte, was wir derzeit brauchen können“, betonte Eberl.

Was die Bevölkerung beispielsweise über eine bevorzugte Impfung für Spitzensportler und Profifußballer gegen das Virus denkt, wurde auch in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur vor Weihnachten deutlich. 66 Prozent der 2045 Befragten beantworteten eine entsprechende Frage mit „Nein“. Gerade mal rund 19 Prozent der Befragten sprachen sich für eine Impfung von Topsportlern aus, damit sie im kommenden Jahr sicher an Großereignissen wie den Olympischen Spielen in Tokio oder der Fußball-Europameisterschaft teilnehmen können.

Abstimmung mit den Ärzten

Hoffenheims Coach Hoffenheim Sebastian Hoeneß hat die Hoffnung, dass „irgendwann“ im Profifußball geimpft werden kann. „Aber nicht bevor die Leute, die es dringend nötig haben, dran sind. Ich möchte keine Sonderbehandlung“. Bei anderen Trainern ist der Tenor der gleiche. „Erst kommen ältere Menschen und Menschen in den Pflegeheimen und Krankenhäusern“, sagte Marco Rose von Borussia Mönchengladbach: „Wir Fußballer kommen irgendwann im Juni oder Juli. Bei dem Punkt sollten wir uns nicht vordrängeln.“ Heiko Herrlich sieht das nicht anders. „Wir stehen da weiter hinten, und das ist vollkommen richtig. Wenn es soweit ist, werden wir informiert“, sagte der Trainer des FC Augsburg.

Und was ist, wenn es dann mal soweit ist? Kölns Heldt betont, dass sie sich dann mit ihrem Arzt abstimmen werden. Er selbst will sich impfen lassen, sobald das möglich ist. „Jeder hat in diesem Land aber das Recht es so zu gestalten, wie er das für richtig hält. Ich werde niemanden zwingen“, betonte er. „Ich würde, glaube ich, ausschließen, dass es eine Impfpflicht für alle Bundesligaspieler gibt, aber darüber haben wir in der Liga insgesamt noch nicht gesprochen“, sagte Werder Bremens Geschäftsführer Frank Baumann der dpa. Das sei jetzt noch deutlich zu früh. dpa

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