Fußball

Fußball Gruppenligist FSG Riedrode wünscht sich Klarheit / Kein Trainingszwang unter neuen Bedingungen, stattdessen viel Eigenverantwortung für die Spieler

„Wir vertrauen unseren Jungs“

Riedrode.Das Gespräch mit Andreas Keinz sollte eigentlich eines über Fußball sein. Doch der Sport gerät immer wieder zur Nebensache. „Wir würden gerne wieder anfangen“, sagt der Trainer der FSG Riedrode: „Aber das ist schon eine extreme Situation gerade. Das Gesamtgesellschaftliche stand zuletzt im Vordergrund, verschiedene Leute kämpfen um ihre Existenz. Es gibt für mich wichtigere Dinge als die Frage, wann wir im Amateurfußball weitermachen können.“

Duro Bozanovic, Keinz‘ gleichberechtigter Trainerpartner beim Gruppenligisten, gibt sich kaum weniger kritisch. „Solange wir nicht unter Wettkampfbedingungen trainieren können, macht es für mich keinen Sinn“, nimmt der frühere Oberliga-Stürmer Bezug auf die Empfehlungen, die der Hessische Fußball-Verband (HFV) vor kurzem veröffentlichte (wir berichteten).

Die Umsetzung der behördlichen Abstands- und Hygienevorgaben sieht unter anderem vor, dass Fußballer vorerst ohne Zweikämpfe, Kopfbälle und Einwürfe auskommen sollen. „Es gibt 1000 Sachen zu berücksichtigen. Wer trägt die Verantwortung? Viele unserer ehrenamtlichen Helfer sind keine 25“, meint Bozanovic: „Wir haben einen Altenpfleger in unserer Mannschaft. Außerdem gibt es Spieler, die mit Risikopatienten zusammenleben. Die können und werden wir nicht zum Training zwingen.“

Eigenverantwortung ist das große Schlagwort beim Gruppenliga-Aufsteiger. Einen Trainingsplan gaben Keinz/Bozanovic ihrem Team nicht mit in die Pandemie-Unterbrechung. „Es war und ist ja nicht abzusehen, wie lange das geht“, erklärt Keinz: „Wir haben an die Jungs appelliert, dass sie was für sich machen sollen. Da vertrauen wir ihnen. Wir haben eine Mannschaft, in der die Spieler Wert auf ihre Fitness legen.“ Weniger diplomatisch kommt Bozanovic zum Punkt: „Joggen, joggen – für was denn? Wir wissen doch nicht einmal, wann es weitergeht. Das versäumte Fußballtraining hole ich nicht durch Laufeinheiten nach.“

Als Kritik an Verband und Politik wollen die FSG-Übungsleiter ihre Worte nicht verstanden wissen. „Ich wollte diese Entscheidungen nicht treffen“, gibt Bozanovic zu. Was sich das Trainer-Duo allerdings wünscht, sind einheitliche Regelungen – und Klarheit. „Es kann nicht sein, dass jeder Landesverband sein eigenes Süppchen kocht. Wir brauchen Planungssicherheit“, spielt Keinz etwa auf die Wechselfrist zur kommenden Runde an.

Jenseits von Gut und Böse

Gerade mit dem Blick auf die neue Spielzeit macht sich Keinz für einen Saisonabbruch stark. „Wenn du bis in den Oktober weiterspielst, ist die neue Saison auch betroffen. Wir hätten kaum Vorbereitungszeit, die Fortsetzung fiele mitten in den Sommer. Schiedsrichter müssten organisiert werden“, zählt er auf. Und spricht sich für eine faire Auf- und Abstiegsregelung aus: „Es gibt Mannschaften, die haben bis jetzt eine überragende Saison gespielt. Da fände ich es nicht fair, die Runde einfach zu annullieren.“ Riedrode liegt als Tabellenzehnter jenseits von Gut und Böse. Apropos Wechselfrist: Für die kommende Saison hat die FSG sieben Neuzugänge an Land geholt. Alle Transfers wurden schon vor der Corona-Pause eingetütet, betonen die Trainer. Abgänge gebe es nach jetzigem Stand nicht. Die Namen der Neuen wollten Keinz und Bozanovic aus Rücksicht auf Spieler und abgebende Vereine noch nicht bekanntgeben.

„Unser Ziel war und ist es, unseren Kader breiter aufzustellen. Ich denke, das ist uns gut gelungen“, glaubt Keinz. „Die jetzige Mannschaft kennt sich zum Teil schon seit Jahren. Wir wollten ein bisschen Frische reinbringen und den Konkurrenzkampf neu entfachen“, sagt Bozanovic. Und ergänzt: „Die Gruppenliga passt gut zu uns. Wir wollen uns weiterentwickeln und uns im einstelligen Tabellenbereich etablieren.“