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Fußball Mit dem 3:0-Arbeitssieg gegen Wolfsburg lassen Borussia Dortmund und Trainer Lucien Favre die Krise langsam hinter sich

Zarte Signale des Aufschwungs

Dortmund.Als das Spiel vorbei war, klatschte Lucien Favre breit lächelnd und beinahe herzlich jeden ab, der ihm gerade über den Weg lief. Das ist beileibe nicht die Regel. Der introvertierte Schweizer gilt zwar als Menschenfreund, doch wenn er die Wahl zwischen Nähe und Distanz hat, bleibt er vorzugsweise auf Abstand. Nun, am Samstag war ein besonderer Tag für den Trainer von Borussia Dortmund. Erst feierte Favre mit dem BVB den 3:0-Sieg über den VfL Wolfsburg, später dann seinen 62. Geburtstag. Ein Gläschen Rotwein wolle er sich am Abend gönnen, verriet er. „Danach geht die Konzentration aber sofort auf Inter“, fügte er voller Verantwortung für seinen Beruf an. Schon an diesem Dienstag (21 Uhr) bestreitet der Bundesligist das so wichtige und richtungsweisende Champions-League-Spiel gegen die Mailänder. Nach dem 0:2 im Hinspiel hat der BVB einiges gutzumachen. Ob dabei Marco Reus dabei sein kann, wird sich erst am Spieltag herausstellen. „Über seinen Einsatz am Dienstag gegen Inter Mailand wird kurzfristig entschieden“, twitterte der BVB mit Verweis auf „Probleme am Sprunggelenk“.

Auf Favre und Dortmund ist in dieser Saison schon einige Kritikeingeprasselt. Fahrige, mitunter blutleere Vorstellungen, leichtfertig verspielte Führungen und enttäuschende Ergebnisse passten so gar nicht zu den Ansprüchen des selbst ernannten Bayern-Herausforderers. Der Trainer drehte an vielen Schrauben, reduzierte die augenscheinlichen Probleme auf die Größe von Details und redete schwache Leistungen schön. Es mag sein, aber das ist eine reine Spekulation, dass ihn nur die Krise der Bayern und das Vakuum auf dem Trainer-Transfermarkt vor persönlichem Schaden bewahrte.

Aktuell gibt es beim BVB zarte Anzeichen, dass sich die Dinge allmählich in die gewünschte Richtung bewegen. In der Liga spielte die Borussia zuletzt dreimal zu Null, das war in sieben Begegnungen zuvor nur einmal gelungen. Es scheint so, als würden Favres Feinjustierungen trotz großer Rotationen im Kader greifen. Gegen Wolfsburg besetzte er fünf Startpositionen neu, im Pokal drei Tage zuvor gegen Mönchengladbach hatte der Coach sogar sechsmal umgestellt. Jeweils nicht aus Not, sondern weil der Rhythmus in diesen Herbstwochen im Stakkato schlägt. „Es gibt nur ganz wenige Spieler, die drei Partien in sechs Tagen bei 100 Prozent schaffen. Ohne Rotation sind solche Phasen unmöglich“, erklärte Favre.

Am Samstag zu den Bayern

Permanente Wechsel bergen neben Möglichkeiten, aber auch Gefahren. Wie sollen sich feste Abläufe entwickeln zumal ja auch kaum Zeit zum Trainingsbetrieb bleibt? Gegen Wolfsburg spielte der BVB eine Halbzeit lang verkrampft, ohne Bindung, ohne Überzeugung und ohne Freude. Und konnte froh sein, dass VfL-Stürmer Lukas Nmecha nach 22 Minuten nicht ins Tor, sondern nur die Querstange traf. Erst die Führung durch Thorgan Hazard (52.) brachte Schwung in die Aktionen der Gastgeber. Und als Raphael Guerreiro vier Zeigerumdrehungen später auf 2:0 erhöhte, war das Dortmunder Spiel für eine Weile so leicht, so unbeschwert, so selbstverständlich und so schön anzusehen wie in der Hinrunde der vergangenen Saison. „Nach dem 1:0 war der Spaß am Spiel wieder da. Das hat uns zuletzt gefehlt“, meinte Mittelfeldspieler Julian Weigl.

Kurz vor dem Abpfiff gelang Mario Götze mit einem verwandelten Foulelfmeter sogar ein dritter Treffer gegen die bislang beste Abwehr der Bundesliga. Womöglich hat Dortmund am Samstag nach zähem Beginn dann doch noch viel Selbstvertrauen für das Spiel gegen Inter und den Liga-Klassiker am Samstag bei den Bayern getankt.

Der Autor dieses Beitrags, Wilfried Sprenger, ist Redakteur bei den „Westfälischen Nachrichten“, die Mitglied der „G14plus“ ist: Eine bundesweite lose Kooperation von Sportredaktionen, die gegenseitig Beiträge austauschen. Auch diese Zeitung gehört zur „G14plus“.