Fußball

Fußball Der neue Welttrainer Jürgen Klopp gibt sich bei FIFA-Gala bescheiden und großzügig / Löw stimmt für Hazard statt Messi

„Zu 100 Prozent verstehe ich es nicht“

Archivartikel

Mailand.Der Gala-Abend in Mailand war für Jürgen Klopp schnell vorbei. Begleitet von aufgeregten FIFA-Mitarbeitern hastete der 52-Jährige nach seiner Auszeichnung als Welttrainer des Jahres zur Limousine. Die Zeit für einen Plausch mit Rekord-Weltfußballer Lionel Messi oder einen Austausch mit Weltfußballerin Megan Rapinoe, die ihr Rampenlicht in der altehrwürdigen Scala auf beeindruckende Art und Weise genutzt hatte, schien dem deutschen Coach des FC Liverpool nicht zu bleiben. Am Mittwoch geht in England der Alltag im League Cup bei den MK Dons weiter. Individuelle Auszeichnungen sind dem früheren Bundesliga-Coach ohnehin ein bisschen fremd. „Zu 100 Prozent verstehe ich diese Preise nicht, aber ich verstehe, dass ich für eine Menge Menschen hier bin“, sagte Klopp am Ende seiner kurzweiligen Dankesrede, in der er sich besonders bei seinen Co-Trainern bedankte.

„Großes Kompliment“

Co-Trainer Pepijn Lijnders gab das Lob auf der Pressekonferenz vor dem Ligapokal-Spiel gegen den Drittligisten Milton Keynes Dons am Mittwoch zurück: „Es ist ein großes Kompliment für unsere Mannschaft, für unser Trainerteam und natürlich für Jürgen selbst“, sagte der Niederländer. „Jürgen ist nicht nur das Gesicht der Mannschaft. Jürgen ist das Gesicht des Clubs.“ Der Trainer lebe den Charakter vor, „die Spieler verinnerlichen den Charakter und setzen ihn auf dem Platz um.“

Viel Charakter zeigt Klopp auf der Gala, bei der er zudem verkündete, künftig im Rahmen des Common-Goal-Programms ein Prozent seines (sicherlich millionenschweren) Gehalts für wohltätige Zwecke zu spenden. „Wir sind alle ganz offensichtlich auf der wirklich guten Seite des Lebens – deshalb sind wir hier“ sagt der Trainer, der mit dem FC Liverpool in diesem Jahr die Champions League gewonnen hat. „Die Gegenwart ist wirklich gut und hoffentlich wird es auch in Zukunft so sein. Aber es gibt Menschen, die nicht in dieser Situation sind.“

Rapinoe mit Appell

Rapinoe nutzte ihre Auszeichnung ein paar Minuten später für eindringliche Worte. „Wir haben die einzigartige Möglichkeit im Fußball, anders als in jedem anderen Sport, dieses wundervolle Spiel zu nutzen, um die Welt zum Besseren zu verändern“, sagte die US-Weltmeisterin in Richtung der Dutzenden Weltstars im Publikum und erinnerte an die gravierenden Probleme mit Rassismus und Homophobie. „Das ist meine Aufgabe für euch. Ich hoffe, ihr nehmt sie euch zu Herzen und tut etwas. Wir haben unglaubliche Kraft in diesem Raum.“ Der mit dem größten Einfluss war noch vor und nicht als Höhepunkt des Abends nach Rapinoe geehrt worden, womit die FIFA sicher auch ein Statement für den Frauenfußball hatte setzen wollen. Messi nahm von FIFA-Präsident Gianni Infantino seine sechste Weltfußballer-Trophäe entgegen. Am späten Abend schritt der Superstar des FC Barcelona, der seinen nicht anwesenden Dauerrivalen Cristiano Ronaldo übertrumpft hatte, zufrieden lächelnd mit einem seiner Söhne auf dem Arm Richtung Limousine.

Die genauen Ergebnisse der Gala offenbarten, dass Messi als wahlberechtigter Kapitän der argentinischen Nationalmannschaft für den Liverpooler Sadio Mané an erster Stelle und dann für Ronaldo und seinen neuen Teamkollegen Frenkie de Jong gestimmt hatte. Bundestrainer Joachim Löw hatte keinen der drei Finalisten auf dem Zettel – nominiert war auch der Liverpooler Abwehrriese Virgil van Dijk, der vor Ronaldo Zweiter wurde. Der 59-Jährige hatte seine Stimmen an den Belgier Eden Hazard, Weltmeister Kylian Mbappé und Mané vergeben. dpa

Zum Thema