Fußball

Fußball Bundesliga rückt mit der Rückkehr auf den Platz auch global noch stärker in den Fokus

Zurück im Rampenlicht

Archivartikel

Frankfurt.Die Fußball-Welt schaut bewundernd auf die Bundesliga, doch vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebes am 16. Mai gehen die Profis erst einmal auf Tauchstation. Ab Samstag schotten sich alle Teams für eine Woche komplett von der Außenwelt ab, um den von der Politik genehmigten Saison-Neustart nicht zu gefährden. „Wer das Virus nicht hat, kann es nicht übertragen. Unser Konzept soll dafür sorgen, dass in dieses Trainingslager nur gesunde Menschen reisen. Wir testen so intensiv wie möglich und gehen davon aus, dass dieses Ziel erfüllt wird“, sagte DFL-Boss Christian Seifert und forderte: „Das muss in jedem Club Chefsache sein.“

Mit der Fortsetzung der Saison geht die Deutsche Fußball Liga weltweit voran und will auch für andere Bereiche ein Beispiel geben. Das erstellte Konzept könne nach Ansicht von Seifert eine Blaupause für „nahezu alle Profisportarten“ sein. „Natürlich haben wir mehr finanzielle Mittel als andere Bereiche, aber es kann und wird Adaptionen geben“, sagte der DFL-Geschäftsführer.

Mindestens ebenso wichtig sei das erlangte Wissen, „wie man überhaupt agieren kann, um zurück zur Berufsausübung zu gelangen, wenn man Abstände nicht einhalten und Masken – zumindest zeitweise – nicht tragen kann“. Man werde diese Erfahrungen natürlich teilen, versprach der 51-Jährige. Darauf setzt man auch im Ausland. „Ich hoffe, dass die Premier League schon irgendwie unterwegs nach Deutschland ist, um zu sehen, wie die das machen und wie das funktioniert“, sagte Englands Ex-Nationalspieler Gary Neville bei Sky Sports. Nach Ansicht von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gehe es „in der Tat natürlich auch um den Rang Deutschlands im internationalen Fußball, auf den wir schon ein Stück weit stolz sind“.

Für die DFL ergibt sich zugleich die Chance, die Popularität ihres Premiumprodukts rund um den Globus zu steigern – auch wenn Seifert betonte: „Ich hoffe nicht, dass die Bundesliga allzulange allein im Rampenlicht steht, denn das würde ja bedeuten, dass ich mir wünsche, dass die Corona-Krise weltweit noch schwerere Auswirkungen hat als bisher. Darüber sollte man nicht einmal nachdenken.“

Dennoch: Für die nächsten Wochen werden die Geisterspiele in den deutschen Stadien eine riesige Aufmerksamkeit auf sich ziehen, weil in allen anderen Topligen der Ball weiter ruht. „Die Augen, Ohren und Fernbedienungen der Welt werden auf die Bundesliga gerichtet sein“, schrieb die englische Zeitung „The Times“ (Freitag). Und die „Daily Mail“ titelte: „Die Pläne der Bundesliga lassen uns träumen.“

Neuer Hoffnungsträger

Doch nicht nur im Mutterland des Fußballs, wo die Saison eventuell ab Mitte Juni fortgesetzt werden soll, schaut man voller Respekt auf den sportlich ungeliebten Erzrivalen. „Deutschland führt die Wiederaufnahme des Fußballs an“, titelte die italienische Zeitung „Il Fatto Quotidiano“. Auch in der Serie A gibt es noch keine Klarheit über einen Abschluss der Saison.

Angesichts des fast weltweiten Stillstands verwundert es nicht, dass die Bundesliga als neuer Hoffnungsträger gefeiert wird. „Ich bin zuversichtlich, dass Deutschland uns allen ein leuchtendes Beispiel dafür geben wird, wie wir den Fußball – mit all seiner Aufregung, Emotion und Unberechenbarkeit – wieder in unser Leben zurückbringen können“, sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Auch deshalb redete Seifert der gesamten Branche ins Gewissen. „Jedem in der Liga muss klar sein: Wir spielen auf Bewährung und jeder Spieltag ist eine Chance zu beweisen, dass wir den nächsten verdient haben.“ Den Profis empfahl er zugleich einen speziellen Corona-Torjubel. „Selbstverständlich mit Abstand, wenn es irgendwie geht, weil auf den Körperkontakt könnte man dann ja tatsächlich verzichten“, sagte Seifert der „Bild“.

Jeder Verstoß gegen die strikten Hygienevorgaben könnte das Saison-Aus bedeuten. Immerhin können die Trainer in der Corona-Krise vorübergehend fünf statt der üblichen drei Spieler einwechseln. Der International Football Association Board (Ifab) bewilligte am Freitag einen entsprechenden Antrag des Weltverbandes FIFA. dpa